FORTBILDUNG: THEMENHEFTTEIL 01 / 2026 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 26 geht?» Bausteine zur Unterstützung ängstlicher Kinder sind multimodal. Psychoedukation, Entwicklung von Problemlösungsstrategien und Toleranz von Unsicherheit sowie die Stärkung elterlicher Erziehungsfähigkeiten gehören dazu. Entwicklungsgerechte Psychoedukation findet in einem patientenzentrierten Gespräch statt. Sie nimmt das kindliche Bedürfnis nach Information und Verstehen- Können auf. Mittels Zeichnens eines Menschen lernt das Kind die Dimensionen der Angst und die Kampfoder-Flucht-Reaktion nach W. B. Cannon kennen. Es gilt dann, über unterschiedlichste Ängste zu sprechen und sie zu benennen, um vom globalisierenden, katastrophisierenden Denken wegzukommen. Die Kompartmentalisierung hilft, Ängste fass- und greifbar zu machen. Im nächsten Schritt wird eine Angsthierarchie erstellt, um zu klären, welche Angst zuerst angegangen wird. Matchentscheidend Kinder müssen wissen, dass sie mit dem Auftauchen von Sorgen rechnen müssen und dass sie selbst bestimmen können, wie sie damit umgehen. Unklug ist es, Sorgen auszuweichen und auf Vermeidungsstrategien zurückzugreifen.2 Dies ist Nahrung für Sorgen, die sich verselbstständigen, aufblähen und den Alltag dominieren. Sorgen treten zu typischer Zeit auf: bei neuen Aktivitäten, Planungsunsicherheit, vielen Was-wäre-wennFragen und Testsituationen. Wenn Kindern klar ist, dass sie in solchen Fällen mit Gefühlen der Sorge rechnen können, fällt es ihnen einfach, darüber ins Gespräch zu kommen und sich um diese Gefühle zu kümmern. Ein gesundes Selbstgespräch könnte dann sein: «Sorgen gehören dazu, wenn ich etwas Neues, wie die Geburtstagsparty, erleben will. Mich jetzt so zu fühlen, gehört dazu ... Ich bin sicher, obwohl ich mich so fühle.» Jetzt gilt es nur noch, das Kommando zu übernehmen und den Sorgen zu sagen: «Hört auf zu versuchen, mir Angst zu machen. Ich lass’ mir den Spass nicht nehmen. Ich geh’ da hin!» Passende Veränderungen beginnen mit der Fähigkeit, Unsicherheit und Unwohlsein auszuhalten. Sich zu sagen «es ist okay, nervös zu sein», ist wesentlich. Übung und Wiederholung, um das neuronale Netzwerk samt Amygdala und präfrontalen Kortex neu zu trainieren, sind ein Muss. Mind Body Medicine Medizinische Hypnose adressiert zielorientiert und individualisiert Ängste, damit Kinder neue Lösungsstrategien entwickeln können.3 In Trance erleben sie die kognitiv-verhaltenstherapeutischen Strategien zuerst imaginär und multisensorisch, um diese dann im Alltag erfolgreich umzusetzen. Das Kind erlebt während der Trance wohltuende, beruhigende Bauchatmung, die ihm die Möglichkeit eröffnet, innezuhalten und sich neu zu orientieren. Atemtechniken können selbstbestimmt angewendet werden und fördern so die Unabhängigkeit des Kindes. Klares Ziel der Hypnose ist es, dass Kinder lernen, die Angst «an die Leine» zu nehmen. Eine nützliche hypnotische Strategie ist die JettisonTechnik. Die Jettison-Technik ist ein multisensorisches Angebot ans Kind, das in Trance zuerst Sorgen in einen Ballon einpacken darf. In der nächsten Sequenz lässt es den Ballon fliegen. Es beobachtet, wie der Ballon weiter und weiter wegfliegt, während sich im eigenen Körper mehr und mehr hilfreiche Veränderungen einstellen. Durch die Verabschiedung von Sorgen und deren multisensorisch imaginäres Schrumpfen entsteht Raum für die Entdeckung und das Erleben neuer individueller, selbstwirksamer Strategien. Um sich einstellende Angst zu meistern, bieten sich die Auslöser-Ressourcen Strategie oder der Schutz-Anzug (nach Susy Signer-Fischer) an.4 Kinder erleben so in einem sicheren Kontext, wie sie befähigt werden, sich selbst selbstwirksam zu helfen. Hypnose ist dann ein erfolgreiches Mind Body Training, wenn Kinder sie als Selbsthypnose umsetzen. Damit dies gelingt, braucht es Ausdauer und Vertrauen in die eigene Fähigkeit «ich schaff das irgendwann und irgendwie». Toleranz von Unsicherheit ist für gelingende Erfahrungen im Umgang mit der Angst erforderlich. Dazu braucht es Mut – ein von Kindern heissgeliebtes Gefühl. Wenn Kinder sich der Angst stellen, spüren sie zutiefst, Sorgenmonster (7½-jähriges Mädchen) Nelix mit Angst im Herz, Bauch, Kopf, Beinen und Felix mit Sonne im Herz und Schaltpult links (11-jähriger Junge)
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