01 / 2026 BERUFSPOLITIK KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 11 so gut bewährt, dass sich alle Seiten gar nicht mehr vorstellen können, zukünftig ohne APNs in der Kinderarztpraxis zu arbeiten. Bisher konnten 253 Patientenkontakte gezählt werden. Vorgestellt wurden drei definierte Einsatzbereiche: ■ Kinderhaut: 58% ■ ADHS / psychosoziale Probleme: 11 % ■ Notfälle: 31 % Die umfassende dermatologische Betreuung erfolgt durch eine APN mit langjähriger Erfahrung in der Pflege in der Dermatologie im Kinderspital Zürich. Im Bereich ADHS sind die APNs unter anderem bei der Diagnosestellung und der Beratung involviert. Vor allem bei zeitlich intensiven Beratungen (Adipositas, Obstipation, Scheidungssituationen) kann durch die Beratung und Betreuung der APNs zeitnah und ganzheitlich eine Therapie gewährleistet werden. Was sagt die Wissenschaft? ■ APNs können korrekte Diagnosen stellen3 ■ APNs führen zu niedrigeren Kosten im Gesundheitssystem4 ■ Teamwork Ärzt:in und APN auf pädiatrischen Notfallstationen klinisch sehr effizient; sogar schneller als Assistenzärzt:in, Oberärzt:in und Team bei gleichem Outcome5 Die Abrechnung in dem Pilotprojekt erfolgt unter ärztlichen Tarifen unter Supervision, der Jahreslohn wird mit CHF 99000 bis CHF 128000 angegeben, entsprechend einem assistenzärztlichen Gehalt im Kanton Zürich. Nach der Kaffeepause erzählte Seraina Brooks aus ihrem Alltag. Sie arbeitet in der MediX Praxis Pizol Care in Sargans sowie 25 % in der Praxis kindermedizin an der oper in Zürich. Sie selbst bringt einen jahrelangen Erfahrungsschatz aus der Pädiatrie mit: Ausbildung als Pflegefachfrau HF in der Kinder- und Jugendmedizin, Master of Science in Nursing und 20 Jahre in der pädiatrischen Notfallabteilung sowie 8 Jahre Erfahrung als APN im Kinderspital. Der Beginn ihrer Arbeit in der Praxis in Sargans war ein Bottom-up-Projekt mit definiertem, begrenztem Rahmen und regelmässiger Evaluation. Der Bedarf für pädiatrische Patient:innen ist in Sargans sehr gross. Ein wichtiger Teil im Alltag sind Vorsorgeuntersuchungen nach den Leitlinien von pädiatrie schweiz mit dem uns allen bekannten Vorsorgekoffer. Als «School Nurse» im Tandem mit einer MPA führt sie präventive Untersuchungen im Kindergarten, der 5. Klasse und der Oberstufe durch, inklusive Visusprüfung, Hörtest, Vitalparameter, Grösse, Gewicht, Bodymassindex und Untersuchung der Grobmotorik und der Wirbelsäule. Der zweite grosse Aufgabenbereich sind Notfallpatient:innen: Am Telefon werden die Kinder und Jugendlichen nach dem 5-Stufen-Dringlichkeitssystem triagiert und alle Patient:innen mit Stufe 4 und 5 der APN zugeteilt. Regelmässige Supervision und enge Zusammenarbeit mit den Praxiskolleg:innen sind üblich. Nach drei spannenden Inputs aus dem Praxisalltag verschiedener APNs haben die Referentinnen betont, dass sich unser Gesundheitssystem im Wandel befindet und es sich lohnt, offen zu sein für neue Möglichkeiten. Fragen aus dem Publikum waren unter anderem: ■ «Was bleibt die ärztliche Kernkompetenz?» ■ «Können APNs dort in die Lücken springen, wo es nicht genug Kinderärzt:innen gibt?» ■ «Wie gross ist die Bereitschaft von APNs, in abgelegenen Gebieten zu arbeiten, falls es dauerhaft mehr Stellen für sie gibt?» ■ «Welches ist der Benefit auf ärztlicher Ebene?» ■ «Wie sieht es rechtlich aus in der Arztpraxis – wer haftet am Ende?» ■ «Wie können wir die Fort- und Weiterbildung in der Praxis garantieren für APNs, neben der Ausbildung für Studierende und Assistenzärzt:innen?» neu gefördertes Pilotprojekt Gesundheitsdirek on Kanton Zürich 3 Jahre welche Bedingungen für welche Leistungen Machbarkeit und Akzeptanz Umstrukturierung in der Grundversorgung Anpassung des Tarifsystems neues Versorgungsmodell Pilotprojekt APN Abbildung: Katrin Fasnacht Foto: Daniel Brandl
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