KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 1/2026

BERUFSPOLITIK 01 / 2026 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 10 Eingeladen in den Tagungsraum der Geschäftsstelle in Dietikon waren wie jedes Jahr interessierte KIS- Mitglieder, der Vorstand und geladene Referent:innen zu diesem zukunftsorientierten Thema. APNs bieten grosses Potenzial, die Versorgungsqualität und Versorgungssicherheit zu stärken, aber die fehlende gesetzliche Grundlage und die nicht geregelte Abrechenbarkeit im KVG sind aktuell Hindernisse auf dem Weg zu einer interprofessionellen Zusammenarbeit und innovativen Modellen der Grundversorgung in der Pädiatrie. Was ist eine APN? Eine Advance Practice Nurse ist ein:e akademisch ausgbildete:r Pflegeexpert:in mit postgradualem Abschluss. Voraussetzung sind ein Bachelorstudium in Pflege und ein Master of Science in Pflegewissenschaften, welche an verschiedenen Hochschulen in der Schweiz angeboten werden. «Gemäss den heute bestehenden gesetzlichen Grundlagen im Bundesgesetz über Krankenversicherung können Pflegeexpert:innen APN aktuell ausschliesslich Pflegeleistungen gegenüber der obligatorischen Krankenpflegeversicherung oder anderen Sozialversicherungen abrechnen. Im Auftrag des Bundesrates prüft das BAG bis Mitte 2026, ob und wie Pflegeexpert:innen APN zukünftig auch Leistungen abrechnen können, die ihren erweiterten Kompetenzen entsprechen.», so der Wortlaut des Bundesamtes für Gesundheit BAG heute.1 Mit Hintergrundwissen, Erfahrung und Berichten aus dem Alltag waren daher drei APNs für den Nachmittag eingeladen. Gestartet hat Dr. Anna-Barbara Schlüer, Pflegeexpertin klinische Pflegewissenschaft, Co-Modul-Leiterin des Master of Science in Pflege an der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften Winterthur mit Lehrtätigkeit im Schwerpunkt Pädiatrie, sowie tätig als APN im Inselspital Bern und in der Kinderspitex Bern. Das APN-Konzept unterscheidet fliessend zwischen DR. MED. IRMELA HEINRICHS VORSTANDSMITGLIED KINDERÄRZTE SCHWEIZ, LEITERIN REDAKTIONSKOMMISSION, USTER Korrespondenzadresse: iheinrichs@hin.ch Das Thema des traditionellen Impulsateliers vom 22. Januar 2026 wurde hochaktuell und kontrovers diskutiert: «Die APN (Advanced Practice Nurse) in der pädiatrischen Praxis: Chancen und Grenzen nicht-ärztlicher Fachkräfte.» Impulsatelier 2026: APN – they care! Clinical Nurse Specialists (CNS) mit Fokus auf pflegewissenschaftlicher Expertise und Nurse Practitioners (NP) mit Fokus auf Patient:innenenversorgung, inklusive teilweiser Übernahme von ärztlichen Tätigkeiten. International ist diese Rolle schon lange etabliert, vor allem im englischsprachigen Raum und in nordeuropäischen Ländern. In der Schweiz arbeiten APNs seit ungefähr 20 Jahren. In einzelnen Kantonen (VD, NE, VS) sind die Tätigkeiten seit 2022 tariflich abrechenbar, in verschiedenen anderen Kantonen gibt es Pilotprojekte (siehe unten). Nun werden in der Agenda Grundversorgung die APNs erwähnt, um die regulatorische und rechtliche Situation festzulegen. Als Hauptdiagnosen aus ihrem Alltag berichtet AnnaBarbara Schlüer von Kindern mit ASS, ADHS, Schulabsentismus sowie Angststörungen. In ihrer Aufgabe in der Kinderspitex beobachtet sie, je weiter ländlich die pädiatrischen Patient:innen wohnen, desto weniger ist die Betreuung durch Kinderärzt:innen oder andere medizinische Institutionen gegeben. Aufsuchende Betreuung beim Kind in seiner häuslichen Situation ist daher sehr hilfreich. Die Anmeldung erfolgt oft direkt über die Familien, aber auch über Haus- und Kinderärzt:innen oder zum Beispiel die KESB. Die Aufgaben der APN sind: Assessment, Diagnostik, Beratung hinsichtlich Medikation sowie die Unterstützung der schulischen und beruflichen Integration. Was sagt die Wissenschaft? Eine Cross-Case-Analyse konnte zeigen, dass Kinderärzt:innen die APNs als positive Unterstützung in der Grundversorgung ansehen und von der interprofessionellen Zusammenarbeit profitieren. Eine fundierte Ausbildung, die Analyse der Praxisorganisation und der Rollenbilder werden als notwendig erachtet, um eine Entlastung und qualitative Bereicherung im Praxisalltag zu erzielen.2 Weltweit arbeiten aktuell geschätzt 6000 Nurse Practitioners in der Pädiatrie, zwei davon in der Praxis kindermedizin an der oper in Zürich. Prof. KD Dr. med. Katrin Fasnacht stellte diese beiden APNs vor: Seraina Brooks und Dr. Corinne Brunner. Seit knapp einem Jahr teilen sich beide eine 100%- Stelle, gefördert für 3 Jahre von der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich als Pilotprojekt: «Advanced Practice Nurses in der pädiatrischen Grundversorgung». Die interdisziplinäre Zusammenarbeit hat sich jetzt schon Abbildung: Katrin Fasnacht APN – they care! Pilotprojekt «Advanced Practice Nurses» in der pädiatrischen Grundversorgung

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