JAHRESTAGUNG 04 / 2024 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 42 Interaktives Supplément für Ärzt:innen und MPAs: Ernährung «Planetary Health Diet» Zum Abschluss der Jahrestagung rundete George Marx unser Hauptthema mit einem spannenden Referat zur Planetary Health Diet ab. Zusätzlich wurden weitere Themen wie vegane und hochprozessierte Ernährung angesprochen, auf die ich in dieser Zusammenfassung aus Platzgründen nicht eingehe. Das Ernährungskonzept der Planetary Health Diet (siehe Abb.), entwickelt von der EAT-Lancet-Kommission und 2019 erstmals veröffentlicht, soll Gesundheit und Klimaschutz verbinden und bis 2050 eine gesunde Ernährung für 10 Milliarden Menschen ermöglichen, ohne die planetaren Grenzen zu überschreiten. Dabei geht es u.a. um die Verbesserung der Ernährung, eine nachhaltigere Landwirtschaft, eine Optimierung der Lebensmittelproduktion und Reduktion von Food Waste. Dies ist verbunden mit mehreren Herausforderungen. So müsste etwa der Konsum von pflanzlichen Lebensmitteln wie Obst und Hülsenfrüchten verdoppelt und der Konsum von tierischen Eiweissen und Zucker halbiert werden. George Marx erläuterte, was dies gemessen an unserem heutigen Nahrungsmittelkonsum bedeutet: Eine weltweite Reduktion des Fleischkonsums auf die Hälfte würde heissen, dass in den USA nur noch 1/7 der üblichen Menge verzehrt werden dürften. In afrikanischen Ländern müsste der hohe Verzehr von stärkereichen Pflanzen – heute ein Siebenfaches der empfohlenen Menge – angepasst werden. Flexitarische Ansätze erscheinen dem Referenten realistischer. Im Zusammenhang mit der Planetary Health Diet werden fünf Strategien für eine globale Ernährungswende definiert: Förderung gesunder Ernährung, Qualität und Vielfalt statt Quantität in der Landwirtschaft, nachhaltige Intensivierung der Landwirtschaft, strenge Vorgaben zur Land- und Meeresnutzung und Halbierung der Lebensmittelverschwendung. Bei seinen Ausführungen wies George Marx auch auf kritische Aspekte zum Ernährungskonzept hin, u.a. zu wenig Anpassung an verschiedene Kulturen und eine ungenügende Berücksichtigung der Bedürfnisse von Kindern. Interessant ist eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), welche die Planetary Health Diet mit ihren eigenen Empfehlungen verglich. Beide Konzepte setzen auf eine pflanzenbetonte Ernährung, jedoch bestehen Unterschiede insbesondere bei Milchprodukten. Um die Planetary Health Diet in der Praxis umzusetzen, REFERENT: DR. MED. GEORGE MARX Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin FMH, Schwerpunkt pädiatrische Gastroenterologie, Hepatologie und Ernährung; Leitender Arzt Ostschweizer Kinderspital, St. Gallen, und Konsiliararzt pädiatrische Gastroenterologie, Stadtspital Triemli, Zürich MODERATION/AUTOR: DR. MED. MARC SIDLER Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin FMH, Präsident Kinderärzte Schweiz, Binningen Korrespondenzadresse: marc.sidler@hin.ch müssen regionale Gegebenheiten stärker berücksichtigt werden – ein Punkt, der bei den DGE-Empfehlungen bereits integriert ist. Schliesslich stellte George Marx das Projekt «Klimasensible Ernährung» der AG Nachhaltigkeit vor: Mithilfe von praktischen Tipps (Flyer/Merkblätter) sollen die von uns betreuten Familien auf die Wichtigkeit des Einflusses der Ernährung auf unsere Gesundheit sowie auf unseren Planeten aufmerksam gemacht werden (weitere Informationen zu diesem Projekt werden folgen). Die Planetary Health Diet bietet einen spannenden und zukunftsweisenden Ansatz, wie die Ernährung der Zukunft gesund und klimafreundlich gestaltet werden kann – aber es bleibt noch viel Raum für Diskussionen und Anpassungen. Mein Dank geht an George Marx, der uns in seiner gewohnt lockeren Art mit viel Fachwissen dieses Thema näher gebracht und so für einen würdigen Abschluss einer spannenden Jahrestagung gesorgt hat. ■ Ein «Planetary Health Diet»-Teller sollte vom Volumen her etwa zur Hälfte Gemüse und Obst beinhalten; die andere Hälfte sollte, gemessen am Kaloriengehalt, vor allem aus Vollkornprodukten, pflanzlichen Eiweissquellen, ungesättigten pflanzlichen Ölen und (optional) bescheidenen Mengen an tierischen Eiweissquellen bestehen. Quelle: Summary Report of the EAT-Lancet Commission
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