KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 4/2024

04 / 2024 JAHRESTAGUNG KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 27 Nicht nur die veränderten Umweltfaktoren haben einen Einfluss auf Allergien, sondern auch wir können durch die Immuntherapie allergische Krankheiten verändern. Michael Hitzler hat uns in seinem interaktiven Referat Folgendes vermittelt: 1. Indikation für eine Immuntherapie: Bei jedem Symptom, welches den Alltag des Kindes beeinträchtigt, soll eine Immuntherapie empfohlen werden (Schlaf, Spielen draussen, Sport, Konzentration erfragen). Früher Beginn der IT anstreben (Etagenwechsel). 2. Nur Hauptallergene bestimmen vor einer IT ist ausreichend: Gräserpollen: Phl1,5b (G213); Birkenpollen: Bet v1 (T215), Eschenpollen (= Ölbaum): Ole e1 (T224). Bei negativen Hauptallergenen keine IT. 3. SCIT vs. SLIT: keine guten vergleichenden Studien, werden unterdessen als gleichwertig angesehen. Gemeinsame Entscheidungsfindung mit den Patient:innen (was passt zum Alltag, Compliance?). 4. Allergie auf Baumpollen (Birke, Esche): Pollenflug zeitlich gleich. Hauptallergene betv1 und ole1 bestimmen, evtl. nasaler Provokationstest. REFERENT: KD DR. MED. MICHAEL HITZLER Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin FMH mit Schwerpunkt Pädiatrische Pneumologie, Méd. Adjoint Zentralschweizer Kinderspital Luzern (Pneumologie und Allergologie) und Kinderarztpraxis Zug MODERATION/AUTORIN: DR. MED. CLAUDIA MÜLLER-WIEDERKEHR Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin FMH, Schwerpunkt Entwicklungs- pädiatrie, Kinderpraxis Baden Korrespondenzadresse: claudia.mueller@hin.ch Workshop Ärzt:innen 1: Allergologie Changes in Allergology 5. SLIT: Kombination 2 SLIT Produkte möglich. Kribbeln in der Regel nach 2 Wochen verschwunden: Eiswürfel, Tikis, Antihistaminika geben (erlaubt). Bei starken lokalen Schwellungen, vor allem bei Heiserkeit, Husten Rücksprache mit Spezialist:in. 6. News: Früh Kinder zuweisen zu Allergolog:in bei Allergie auf Hühnerei, Milch oder Weizen. Frühzeitig orale Toleranzinduktions-Therapie anstreben. 7. Anti-IgE (Omalizumab, Xolair®): neu zugelassen in den USA bei schweren IgE-vermittelten Nahrungsmittelallergien ab 12 Monaten. Schützt sehr gut. Die Teilnehmenden wurden darin bestärkt, die Abklärungen und die Immuntherapie selbstständig in der Praxis durchzuführen. Bei komplexeren Fällen soll und darf immer Rücksprache mit den Spezialist:innen genommen werden. Herzlichen Dank an Michi für die Changes, Chances & Choices! ■ Workshop Ärzt:innen 2: Dermatologie Ist es nur ein Fleck oder muss der Fleck weg? In 90 Minuten referierte Agnes Schwieger, die vielen als Teledermatologin des Kinderspitals Zürich bekannt ist, mit grosser Erfahrung und passend zum Titel des Workshops über die unterschiedlichsten Flecken und deren Bedeutung. Ausführlich besprach sie die braunen Flecken, insbesondere die kongenitalen melanozytären Nävi (CMN), wie auch die erworbenen Nävi, und wann welche ein erhöhtes Malignitätsrisiko haben, siehe dazu auch die Take home messages. Um die Säuglingsnävi später in Erwachsenengrösse angeben zu können, rechne man beim Kopf mal ein Faktor von 1.7, beim Stamm/Arme/Füsse mal 2.8 und bei den Beinen mal 3.3. Anhand von zahlreichen Fotos konnte interaktiv mitdiskutiert werden. Melanome unter 10 Jahren sind extrem selten und die modifizierten ABCD (EFG) Regeln besser anzuwenden. Tipps wie die der psychologischen Unterstützung für Familien (www.hautstigma.ch), oder auch eines möglichen Dermatoskops (dermlite.com, heine.com) für die Praxis, halfen sehr. Bei den roten Flecken wurden zum Beispiel Hämangiome, die zwei Phasen der Parvo-Virus B19 Infektion (früh: eventuell petechienartig, akral, ansteckend / spät: nach 2–3 Wochen typisch girlandenartig = Ringelröteln, nicht ansteckend), das selbstlimitierende periumbilicale Erythema des Neugeborenen, sowie das fluktuierend auftretende (über 2–3 Wochen) Erythema REFERENTIN: DR. MED. AGNES SCHWIEGER-BRIEL Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin FMH und Fachärztin für Dermatologie FMH, Oberärztin mbF Zentrum Kinderhaut am Universitäts-Kinderspital Zürich, Praxistätigkeit in der Youkidoc Praxis Basel MODERATION/AUTORIN: DR. MED. KARIN PEIER HARBAUER Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin FMH, Kinderarztpraxis am Theater, Winterthur Korrespondenzadresse: karin.peier@hin.ch migrans im Gesicht/Wangen bei Borrelien besprochen. Bei den weissen Flecken wurden Beispiele der Tuberösen Sklerose, der Pityriasis alba (kein Pilz, sondern Ekzem) oder der Lichen striatus diskutiert. ■ Take home messages Schwarz ■ Kleine und mittelgrosse CMN haben ein sehr kleines Malignitätsrisiko ■ Das Risiko steigt mit der Grösse (v. a. ab 60 mm Erw.-Grösse) und Zahl! ■ Melanome bilden sich oft im ZNS ➞ ein frühes MRT hilft, die Prognose abzuschätzen Sonstige Flecken Flecken sind Ausdruck verschiedenster Erkrankungen mit geringerer oder grösseren Signifikanz. Eine gute Anamnese und Verlaufsbeobachtungen helfen, infektiöse/transiente Ursachen von syndromalen Erkrankungen zu unterscheiden. Fluktuierende rote Flecken im Gesicht sind suggestiv für ein Erythema migrans. Illustration: Agnes Schwieger-Briel

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