HESS - 1882-2007

71 Rechts: Ein 12-m-HESS- Niederflurbus für die Verkehrsbetriebe Schaffhausen mit Chassis von Volvo. Bei Linien, die vor 1972 in Betrieb genommen worden waren, berappten die PTT weiterhin die vollen ungedeckten Kosten; bei den seither eröffneten Linien waren die Kantone nun zur Mitfinanzierung verpflichtet worden – nach dem Motto, wer Leistungen begehrt, muss sich diese auch etwas kosten lassen (Bestellerprinzip). Das neue Gesetz bewirkte ferner, dass die Postautos Konkurrenz durch andere Transportunternehmungen erhielten. Und um günstig einkaufen zu können, wurde bei Neuanschaffungen vorallem nur auf den eigentlichen Einkaufspreis eines Busses geachtet und weniger auf die Life-cycle-costs (LCC). Logisch, dass ein qualitativ hochstehendes Langzeitprodukt, wie es von HESS angeboten wird, unter dieser verzerrten Optik weniger Chancen hatte als ein Billigprodukt. Niederflurtrend prägt Busbranche Hinzu kam, dass neu auch die Behindertenverbände bei der Wahl des Rollmaterials ihre Wünsche anbrachten: Man erwartete besser zugängliche Busse, die Niederflurphilosophie – von Deutschland her kommend – erhielt dadurch immer stärkeres Gewicht. Diese Vorstösse führten letztlich zu der ab 2004 geltenden Verordnung über die behindertengerechte Gestaltung des öffentlichen Verkehrs. Die Niederderfluridee beinhaltet Fahrzeuge, die einen Wagenboden von nur wenig mehr als 30 cm über der Fahrbahnoberfläche besitzen. In diese Busse kann praktisch ebenerdig eingestiegen werden, was Mobilitätsbehinderten die Benützung der öffentlichen Verkehrsmittel stark erleichtert. Der Niederflurtrend war für die Busbauer eine grosse Herausforderung. Mechanische Komponenten und Chassisrahmen, welche über Jahrzehnte ihren Platz und ihre Berechtigung hatten, mussten im Zuge des Niederflur-Trends radikal umkonstruiert werden. Waren die Chassislängsträger bis anhin quasi das Rückgrat des Fahrzeugs, so sind sie bei Niederflurfahrzeugen noch die Fussbodenauflage. An eine Überführung eines solch schwachen Chassis mit grosser Heck- und Frontlast von der Chassisproduktionsstätte zum Carrosseriebauer war nicht mehr zu denken. In der Folge entwickelten die Chassishersteller Module für Front und Heck, welche von den jeweiligen Busbauern in den tragenden Wagenkasten eingebaut werden können. Busse

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