198 Sei es für das Bearbeiten der Feuersteine zum Faustkeil oder – verlängert mit Eibenholzstiel – zur Streitaxt; sei es zum Schmelzen von Bronze und anderen, über die Jahrhunderte immer perfekter gewordenen Metalle; sei es, wie in unseren Tagen, zum Unterbringen von automatisierten Fabrikationsstrassen – Werkstätten waren und sind der Dreh- und Angelpunkt für gewerbliche und industrielle Tätigkeiten. Und mindestens so lange wie es Werkstätten gibt, gibt es auch die Aufteilung und Spezialisierung der einzelnen Arbeitsgänge: – Feuersteinsucher = Minerologe/Geologe – Zuschneider von Feuersteinen = Schmied – Holzstielmacher = Wagner – Händler von Faustkeilen = Kaufmann Doch verlassen wir die Urgeschichte und wenden uns der neueren Zeit, den firmeneigenen Werkstätten zu. Die erste HESS-Werkstatt wurde 1882 an der Bielstrasse 48 in Solothurn von Heinrich Hess eingerichtet. Der Firmengründer konnte dort den Westteil eines mächtigen Hauses, mit Stallungen für Pferde der Lohnkutscher, mieten. An dieser Hauptverkehrsachse von Solothurn nach Biel war ostseitig, im nächsten Haus, auch die bekannte Wirtschaft «zum Pflug» zu finden. Und keine 500 Meter entfernt steht das Bieltor, der Haupteingang zur Stadt. Ein idealer Platz also für eine Werkstatt, die, fast wie ein moderner Garagenbetrieb, unter einem Dach alles bot, was damals für Fuhrleute wichtig war: Gelegenheit zum Bier trinken, Stallungen für die Pferde und Reparaturmöglichkeiten für die Räder und Holzgestelle der Lieferwagen. 1918, nach Kriegsende, schaffte die Motorisierung des Privatverkehrs den Durchbruch und brachte neue Betätigungsfelder für den Wagnerbetrieb. Arnold Hess, 29-jährig, erkannte diese Gunst der Stunde. Er erwarb die westlich anschliessende Liegenschaft mit Wohnhaus, mit der Schnapsbrennerei Grolimund und mit der alten Ziegelei (inkl. riesigem Trocknungsschopf) von Füeg-Grolimund. Im Hinterhof wurde eine für damalige Zeiten moderne, stützenfreie Halle von 20 3 30 m GrundVon oben nach unten: «Werkstatt» um 1920, wenn kein Platz im Gebäude, dann eben auf der Bielstrasse. Grundstück mit Gebäude wird 1920 erworben (Schnapsbrennerei Fueg- Grolimund und Ziegelhütte). Städt. Archiv Solothurn. fläche gebaut. Der Trockenschopf war eine mächtige, vier Etagen hohe Eichenbalkenkonstruktion, nach 3 Seiten geöffnet. Sie diente bis 1948 als Bretter und Balkenlager (1975 abgebrochen). Direkt an der Bielstrasse stand das Ziegeleigebäude aus einer rudimentären Holzkonstruktion, die bereits 1923 durch ein modernes Wohn- und Geschäftshaus mit Glasvordach ersetzt wurde. Im Parterre wurde die Malerei eingerichtet. Ein übergrosser Abluftventilator an der Rückwand blies (sehr zum Ärger von Sattlermeister Vaterlaus) Lacknebel und Lösungsmittel Richtung Sattlerei, die gegenüber, im Holzschopf, untergebracht war. Als Filter diente Holzwolle, die mehr oder weniger oft ausgewechselt wurde. Eine grosse Neuerung war das sauber geordnete Kleinteilelager, 10 3 8 Meter gross, mit Abholschalter, Rufklingel, Bezugsscheinblock und Quittungsblock für Barbezüge. Herr Liborio war dort der umsichtige Ordnungshüter.
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