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PEOPLE

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UNTERHALTUNG

19

DURST

Nr. 4 | April 2016

DURST: Vor einem Vierteljahrhundert

wurde das Bierkartell aufgehoben. Wie

hat sich die Schweizer Biervielfalt seit

dem Jahr 1991 entwickelt?

Marcel Kreber: Massiv. Alleine die Möglich-

keiten, dass jeder Bier brauen darf, führte

zu mehr Brauereigründungen und somit zu

neuen Bieren. Hinzu kamen Einflüsse aus

dem Ausland wie zum Beispiel die Craft-

bier-Bewegung aus den USA. Es sind aber

auch die Biergeniesser, die zunehmend

nach speziellen Bieren fragen und so die

Biervielfalt fördern. Bier ist längst nicht

mehr einfach «eine Stange». Heute will man

Bier als vielfältiges Kulturgut geniessen und

immer wieder Neues entdecken. Aus die-

sem Bewusstsein heraus ist in den letzten

Jahren in der Schweiz eine richtige Auf-

bruchstimmung entstanden.

Welche neuen Trends erwarten Sie

in der nahen Zukunft?

Die Bewegung ist dank vielen kreativen

Köpfen und Ideen unglaublich intensiv,

davon kann der Schweizer Biermarkt

stark profitieren. Weil die Konsumenten

einen Geschmack für spezielle Biere ent-

wickeln, könnten zum Beispiel traditionell

saure Biere wie Lambic durchaus Chan-

cen haben.

Was trägt Feldschlösschen als grösste

Schweizer Brauerei zu dieser Aufbruch-

stimmung bei?

Feldschlösschen hat in den letzten Jahren

sehr viele neue Biere auf den Markt ge-

bracht und deckt heute wesentlich mehr

Bierstile ab als im letzten Jahrhundert. Als

grösste Brauerei des Landes leistet das

Unternehmen einen wesentlichen Beitrag

für dieWertigkeit des Bieres. Bier ist nämlich

genauso faszinierend wie Wein, sein gros-

ses Spektrum reicht vom Durstlöscher bis

zum Gourmetgetränk.

Lohnt es sich auch für Gastronomen, auf

Bierkultur und Biervielfalt zu setzen?

Absolut! Als Gastronom kann man sich mit

einem grossen Bierangebot von der Kon-

kurrenz abheben und mit Bierkompetenz

neue Gäste gewinnen. Hinzu kommt, dass

Spezialitätenbiere einen Mehrwert haben

und der Wirt an ihnen mehr verdienen kann.

Auf was sollten die Gastronomen beson-

ders achten, wenn sie Spezialitätenbiere

im Angebot haben?

Ganz wichtig ist der aktive Verkauf; dem

Gast zu sagen, wir hätten da auch noch

dieses oder jenes spezielle Bier. Das

Personal sollte die verschiedenen Biere

kennen und sie dem Gast beschreiben kön-

nen. In der Schweiz gibt es mehr als 200

Bier-Sommeliers, die diese Kompetenz ver-

mitteln und als Botschafter des Bieres un-

terwegs sind.

Um die Bierkultur zu fördern, hat der

Schweizer Brauerei-Verband 2012 den

«Tag des Schweizer Bieres» ins Leben

gerufen. Wie sieht Ihre Bilanz aus?

Am «Tag des Schweizer Bieres» eröffnen

wir am letzten Freitag im April die bierige

Saison. Am Ordensfest wird der Bierorden

verliehen, zudem führen viele Brauereien an

diesem Tag Events durch. Feldschlösschen

zum Beispiel lädt die interessierte Öffent-

lichkeit zum «Tag der offenen Tür» aufs

Brauereiareal in Rheinfelden. Was das alles

bewirkt, ist nur schwer messbar, eines aber

ist gewiss: Durch all diese Aktivitäten wird

die Schweizer Braukunst für alle erlebbar.

«Heute will man Bier als Kulturgut

geniessen und Neues entdecken»

AUF EIN BIER MIT MARCEL KREBER

MARCEL KREBER, DIREKTOR

SCHWEIZER BRAUEREI-VERBAND

Der gelernte Jurist leitet den Schweizer

Brauerei-Verband (SBV) seit 2008 als

Direktor. Marcel Kreber ist 47 Jahre alt,

verheiratet und Vater zweier Kinder.

Er wohnt mit seiner Familie in Niederwil

bei Bremgarten.

Marcel Kreber

(links) mit

Ordensträgerin

Kiki Maeder

beim Fass-

anstich am

Bierordensfest

2015 in Zürich.