7 Zenit | März 2026 IM ZENIT VON ROBERT BOSSART Ja, das letzte Jahr sei grossartig gewesen. «Ein Kollege sagte mir, der ESC sei ein Altersgeschenk. Und ich dachte mir, o.k., bin ich in meinem Alter bereits abgeschrieben?» Sandra Studer sitzt zu Hause an einem Tisch, an dem problemlos ein Dutzend Menschen Platz haben und der auch oft gut besetzt ist. Die 56-Jährige liebt es, mit ihrer Familie und Freunden zusammenzusitzen – das Spiel Brändi Dog liegt noch vom Vorabend auf dem Tisch. Ein bisschen recht habe ihr Freund schon gehabt mit seiner Bemerkung, fährt sie fort. «Es war nicht selbstverständlich, dass bei einem Format, bei dem Jugendlichkeit und Frische im Vordergrund stehen, auf eine Mittfünfzigerin gesetzt wird. Damit war ich übrigens die älteste Moderatorin, die je durch einen ESC-Final geführt hat.» Gefreut über die Anfrage, den Anlass zu moderieren, hat sie sich aber nicht wegen des Altersrekords, sondern weil sich für sie damit ein Kreis schliesst. Mit knapp 20 Jahren trat sie das erste Mal selber für die Schweiz auf. «Es war damals ein Zufall, ich habe einfach gerne gesungen», erinnert sich Sandra Studer. Seither sei kein Artikel mehr über sie geschrieben worden, in dem nicht auch der ESC erwähnt worden sei. Kein Wunder, schliesslich hat sie in ihrer Karriere immer wieder Berührungspunkte mit der Show gehabt. Zehn Jahre lang hat sie für die Schweiz moderiert und immer war es ein grosser Wunsch, dass die Schweiz den Eurovision Song Contest wieder einmal gewinnt. Grosser Erfolg am ESC Und sie gibt offen zu, dass es ein Traum von ihr war, einmal den ESC in der Schweiz auf der Bühne moderieren zu dürfen. «Hätte mich jemand vor ein paar Jahren gefragt, was ich beruflich noch machen möchte, wäre meine Antwort der ESC gewesen. Ich habe diesem Anlass so viel zu verdanken, deshalb empfand ich es als Geschenk, in Basel auf der Bühne stehen zu dürfen.» Sandra Studer erfüllte sich nicht nur einen Traum, sie erledigte ihre Aufgabe mit Bravour: «Das Duo begeistert Europa und die Welt», schrieb etwa die «Süddeutsche Zeitung» über Hazel Brugger und Sandra Studer. Am Fi- nale am 17. Mai, vor 150 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern, war zudem Michelle Hunziker mit von der Partie. Das Ganze sei sehr intensiv gewesen und mit viel Arbeit verbunden, gibt Sandra Studer zu. «Aber es war eine unglaubliche Zeit. Und dass sich daraus mit Hazel eine so enge und schöne Freundschaft ergeben hat, ist die Kirsche auf der Sahnetorte.» Kein Tag wie der andere Die Frage, wie denn ihr Alltag aussieht, ist nicht so einfach zu beantworten. Ihr ganzes Berufsleben lang sei kein Tag wie der andere gewesen. Mal ist es eine Moderation, die sie vorbereitet, dann hat sie abends eine Theatervorstellung und muss tagsüber Texte auswendig lernen. Schliesslich sind da auch noch der Haushalt und ihre gemeinnützige Arbeit. «Mein Leben ist ein Mischmasch aus vielen verschiedenen Elementen.» Aktuell sieht das in etwa so aus: Am Theater am Rigiblick spielt sie beim Musiktheater «Ds Lied vo de Bahnhöf» bereits in der zehnten Saison mit, moderiert grosse Anlässe, etwa in der Tonhalle, und bereitet sich auf ihre Musical-Hauptrolle in der Schweizerdeutschen Version von «Mamma Mia» vor. «Ich mache gerade jeden Tag sehr konsequent Stimmübungen.» Langweilig wird ihr also sicher nicht. Deshalb erstaunt es auf den ersten Blick, dass sie sich auch gemeinnützig engagiert, etwa in der Kinderspitex. Sandra Studer steht seit über 30 Jahren in der Öffentlichkeit. 2025 führte sie durch den Eurovision Song Contest (ESC) – als älteste Mode- ratorin in der Geschichte der grössten Musikshow der Welt. Sie hält nicht viel davon, sich um jeden Preis «jungzubügeln», vielmehr plädiert sie dafür, zum Älterwerden zu stehen. Und sichtbar zu bleiben. „Gut alt werden? Bei sich bleiben!“ Fotos: Raphael Hünerfauth
RkJQdWJsaXNoZXIy MjYwNzMx