Zenit Nr. 1. März 2026

Zenit | März 2026 42 Edith Vogel VON MONIKA FISCHER Nach 20-jähriger Tätigkeit als Chef- ärztin Gynäkologie und Geburtshilfe am Spital Wolhusen geniesst Edith Vogel (74) die Zeit mit Familie und Freunden, liest neben dem Stricken gerne spannende Bücher und enga- giert sich bei Beratungen im «amm Café Med» in Luzern. «Mein Leben habe ich nicht geplant. Vieles hat sich einfach so ergeben. Doch habe ich lange gerne Medizin gemacht und schätze jetzt den Alltag in meiner geräumigen Wohnung», erklärt Edith Vogel mit Blick auf die Baukräne beim Spital Wolhusen. In Schüpfheim mit zwei älteren Schwes- tern und einem Zwillingsbruder auf- gewachsen, prägt das gute Verhält- nis in der Familie ihr Leben. «Schon im Kindergarten wollte ich Ärztin werden, wohl wegen dem Nachbar, der Hausarzt war», erzählt sie lachend. Trotz der Warnung, es gebe zu viele Ärzte und sei schwierig, eine Assistenzstelle zu bekommen, studierte sie in Bern Medizin. Schon drei Jahre vor ihrem Staatsexamen wurde ihr am Spital in Stans eine Assistenzstelle im Bereich Chirurgie zugesichert. Das strenge Jahr als Assistentin auf der Gy- näkologie am Kantonsspital Luzern bei Professor Hauser bezeichnet sie im Ver- gleich mit ihrem Bruder als ihre per- sönliche RS. «Die Spezialisierung in Gynäkologie und Geburtshilfe an der A-Klinik in Winterthur hat sich ebenso ergeben wie der Arbeitsort Wolhusen. Denn Eduard Meyer beförderte mich schon nach zwei Jahren Arbeitstätigkeit zur Oberärztin», hält sie fest und berichtet, wie sie nach der Kündigung des Chefarztes in Sursee dort sieben Monate die Stelle hüten musste: «Ich wurde einfach hineingeworfen und machte, was ich konnte.» Es war zentral, dass die Frauen Ver- trauen hatten. Rückblickend ist sie glücklich über den vielseitigen Fach- bereich, bei dem sie mit Frauen aller Altersstufen zu tun hatte. Sie leitete Geburtshilfe, begleitete Frauen bei gynäkologischen Beschwerden und konnte in ihrem Fachgebiet auch Ope- rationen durchführen. Als Entlebucherin liebte sie die ländliche Atmosphä- re in Wolhusen und zeigt auf: «Ich war verantwortlich, dass das Geschäft gut läuft und wir genug Geburten hatten.» Dies konnte sie mit ihrer Sprechstunde mit der Betreuung vieler schwangeren Frauen steuern, die dann auch zum Gebären nach Wolhusen kamen. Es war für sie zentral, dass die Patientinnen Vertrauen zu ihr hatten und sie ihnen eine möglichst humane Geburt ermöglichen konnte. «Ich gab mich stets voll hinein und konnte mich im Beruf weiterentwickeln.» Dazu trugen neben der guten Atmosphäre im klei- nen Spital mit Mitarbeitenden aller Sparten ebenfalls die schweizweiten Weiterbildungen in ihrem Fachbereich bei, wo sie oft als einzige Frau stets respektiert und gut aufgenommen war. Dasein und zuhören. Nach ihrer Pen- sionierung vor zehn Jahren unterstütz- te sie nach einer Reise ihre Schwester bei der Pflege ihres an ALS erkrankten Mannes und half auch sonst als einzige ledige Tante in der Familie aus, wo es nötig war. Bei einem ihrer regelmässigen Besuche mit Freunden im Café im Städtchen Willisau traf sie das Kollegen- paar Ursula und Frank Achermann, die sie zur Mitarbeit im Café Med (www.menschenmedizin.com) gewin- nen konnten. Ein gutes und sinnvolles Angebot. «Es geht vor allem darum, da zu sein, zuzu- hören, zu erklären, wenn etwas nicht verstanden ist, und mitzuhelfen, Ent- scheide zu fällen. Zudem schätze ich den Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen, bei dem wir viel voneinander lernen, um medizinisch dranzubleiben. Ich wünsche mir, dass vermehrt Men- schen vom Land vorbeikommen.» EHEMALIGE CHEFÄRZTIN Sie verbringt seit ihrer Pensionierung gerne Zeit beim Stricken von Schals und Waschlappen aus Baumwolle als Geschenke für Familie und Freunde. ZU BESUCH BEI Foto: Monika Fischer

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