Zenit | März 2026 38 Wer täglich Farbe auf den Teller bringt, sich regelmässig bewegt, Stress vermeidet und sich selber Gutes tut, beugt Krebs vor und trägt wesentlich zu seiner Lebensqualität bei. VON DANIELA WEILER * Als Leitende Ärztin in der Medizinischen Onkologie am Luzerner Kan- tonsspital werde ich oft gefragt, was man selbst für die eigene Gesundheit tun kann. Diese Frage berührt mich, weil sie den Wunsch nach Eigenverant- wortung und Zuversicht ausdrückt. Lange galt Krebs als reines Schicksal. Heute wissen wir, dass unser täglicher Lebensstil einen spürbaren Unterschied macht. Es geht nicht um Verzicht oder Perfektion, sondern um die Richtung. Diese Richtung heisst Farbe auf dem Teller, Bewegung im Alltag und ein freundlicher Umgang mit sich selbst. Kleine, machbare Schritte Wir alle wünschen uns ein langes, gutes Leben und haben mehr Einfluss darauf, als wir oft annehmen. Kleine, machbare Schritte in Ernährung, Be- wegung und Stressbewältigung sum- mieren sich zu einem starken Schutz. Diese drei Bereiche gehören zusammen wie die Beine eines Hockers. Wird eines stabiler, wird der ganze Hocker sicherer. Stärken wir alle drei, trägt er uns zuverlässig durchs Leben. Als junge Ärztin sprach ich vor allem über medizinische Möglichkeiten. Mit den Jahren und durch meine eigene Lebensgeschichte lernte ich, dass Gesundheit auch am Küchentisch, im Park und im Kopf entsteht. „Es zählen die kleinen Schritte“ In meiner Familie traten Autoimmunerkrankungen auf, und wir stellten unsere Ernährung um. Aus einer fleischbetonten Kost wurde Schritt für Schritt eine pflanzenreiche Ernährung. Anfangs befürchtete ich Verzicht, doch stattdessen eröffnete sich mir eine neue Welt. Ich entdeckte Gewürze, Hülsenfrüchte, bunte Salate und die Süsse von Früchten. Vor allem spürte ich, wie gut es tut, für sich selbst zu sorgen. Entscheidend ist nicht ein einzelnes Superfood, sondern das Gesamtbild. Eine pflanzenbetonte, vollwertige Ernährung mit viel Gemüse, Früchten, Vollkorn und Hülsenfrüchten unterstützt den Stoff- wechsel und dämpft unterschwellige Entzündungen. Sie liefert Ballast- stoffe, die kein Ballast, sondern Lebens- elixier sind. Im Zentrum steht unser Darm mit seinem Mikrobiom, einer riesigen Gemeinschaft unsichtbarer Helfer. Ich stelle mir dieses Mikrobiom als inneren Garten vor. Vielfalt bedeutet Balance. Je vielfältiger die Bakterien, desto ausgeglichener das Immunsystem und desto geringer die Neigung zu chronischen Entzündungen. Unsere Darmbakterien produzieren aus Fasern kurzkettige Fettsäuren, die Darmwand und Abwehr stärken. Damit werden die leisen Entzündungen, welche über Jahre zur Entstehung von Krankheiten wie Krebs, HerzKreislauf-Erkrankungen, Autoimmun- erkrankungen und Diabetes beitragen, gehemmt. Niemand muss perfekt sein Ich lade Sie ein, den Teller zu einem kleinen Garten zu machen. Die Hälfte Gemüse und Salat, ergänzt mit Voll- korn, Hülsenfrüchten, Nüssen, Kräu- tern und Leinsamen. Mit der Farbe kommen die schützenden Pflanzenstoffe. Gleichzeitig lohnt es sich, stark verarbeitete Produkte, Süssgetränke sowie grosse Mengen an rotem und verarbeitetem Fleisch zu reduzieren. Niemand muss perfekt sein, aber kleine Schritte zählen. Bewegung ist der natürliche Verbündete dieser Ernährung. Es braucht keine sportlichen Höchstleistungen. Spaziergänge, Treppensteigen, Velo- DEN TELLER ZUM KLEINEN GARTEN MACHEN: beispielsweise mit viel buntem Gemüse, Beeren, Kräutern und Hülsenfrüchten. *Daniela Weiler Dr. med. Daniela Weiler Leitende Ärztin, medizinische Onkologie, Lifestyle-Beratung, Kantonsspital Luzern
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