35 Zenit | März 2026 DEMENZ PRO SENECTUTE ❉ Noëlle Burkard spricht im Interview über die verschiedenen Anfor- derungen und Bedürfnisse, welche die Infostelle Demenz erfüllen muss. Noëlle Burkard: Wenn Sie auf den Kanton Luzern blicken – welche Situationen begegnen Ihnen bei Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen besonders häufig? Angehörige von demenzbetroffenen Personen wenden sich mit verschiedenen Fragen und Unsicherheiten an uns. Nebst rechtlichen Fragestellungen wie zum Beispiel dem Vorsorgeauftrag oder der Patientenverfügung werden auch finanzielle Themen be- sprochen. Dazu gehören etwa die Hilflosenentschädigung oder Ergän- zungsleistungen zur Rente. Viele Angehörige suchen zudem Rat im Umgang mit den Veränderungen der erkrankten Person. Einige möch- ten ihre persönliche Situation in einem vertraulichen Gespräch erörtern. Dies geschieht immer mit einer Fachperson unserer Beratungsstelle. Solche Gespräche helfen, die eigene Situa- tion neu zu ordnen. Sie unterstützen auch dabei, passende Entlastungs- angebote anzunehmen. Wo spüren Sie in Ihrem Beratungsalltag den grössten Unterstützungs- bedarf? Bei einer fortgeschrittenen Demenz kann es zu anspruchsvollen Situatio- nen kommen. Zum Beispiel, wenn der Ehepartner oder die Ehepartnerin plötzlich verunfallt und die Betreuung der erkrankten Person nicht mehr übernehmen kann. Deshalb ist es wichtig, frühzeitig einen persönlichen Notfallplan zu erstellen. Angehörige sollten wissen, wo sie welche Unter- stützung erhalten können. Auch ist es wichtig, dass Angehörige an sich selbst denken. Eine Demenzerkrankung eines nahestehenden Menschen ist oft ein einschneidendes Ereignis. Sie erfordert viel Zeit und Energie. Die tägliche Verantwortung und Fürsorge sind enorm. Deshalb ist es besonders wichtig, auf die eigenen Bedürfnisse zu achten. Pausen und Erholung sind entscheidend, um neue Kraft zu schöpfen. Weshalb ist eine starke, gut ver- netzte Anlaufstelle heute wichtiger denn je? Eine Demenzerkrankung betrifft viele Lebensbereiche. Das gilt für die erkrankten Menschen ebenso wie für ihre Angehörigen. Neben medizi- nischen Fragen gibt es auch recht- liche, finanzielle und pflegerische Themen. Besonders wichtig ist ein einfühlsamer Umgang mit den er- krankten Personen. Eine gut vernetzte Anlaufstelle bündelt Informationen, koordiniert die Unterstützung und sorgt dafür, dass Hilfe bedarfsgerecht ankommt. Welche Rolle spielt dabei die Kommunikation? Im Umgang mit Menschen mit De- menz spielt die Art der Kommunikation eine zentrale Rolle. Sie orientiert sich an den Bedürfnissen und Fähig- keiten der erkrankten Person. Viele Angehörige müssen Teile dieser angepassten Kommunikationstechniken erst erlernen. Dabei kann die Info- stelle Demenz von Pro Senectute Kanton Luzern gute Unterstützung leisten oder entsprechende Weiter- bildung vermitteln Was ist Ihnen im persönlichen Umgang mit Betroffenen und Angehörigen in Ihren Beratungen besonders wichtig? Ich habe grossen Respekt vor Men- schen mit Demenz und ihren Ange- hörigen. Wie sie mit ihrer persönlichen Situation umgehen, ist oftmals sehr beeindruckend. Ein offener Austausch ist mir in den Beratungsgesprächen wichtig. Alle Themen sollen angesprochen werden kön- nen. Genauso wichtig sind aufmerk- sames Zuhören sowie eine kompetente Unterstützung bei konkreten Fragen. Gibt es eine Botschaft, die Sie den Leserinnen und Lesern des zenit mitgeben möchten? Sprechen Sie über Demenz – niemand sollte damit allein sein. Diese Krankheit hat sich kein Mensch aus- gesucht. Auch wenn Sie oder Ihre Familie nicht direkt betroffen sind, können kleine Gesten der Unter- stützung viel bewirken. Dies hilft den Angehörigen und Menschen mit Demenz in Ihrem erweiterten Umfeld sehr. INTERVIEW: ESTHER PETER «Niemand sollte mit einer Demenz allein sein» Noëlle Burkard arbeitet seit 2017 für Pro Senectute Kanton Luzern und leitet seit 2026 die Infostelle Demenz von Pro Senectute Kanton Luzern.
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