Zenit | März 2026 23 Simon A. Zihlmann, 85 Schüpfheim «Einmal Pfarrer, immer Pfarrer. Als ich das AHV-Alter erreichte, hatte das für mich keine Bedeutung. Im Gegenteil. Mit 64 übernahm ich nochmals eine neue Aufgabe als Kaplan im Pastoralraum oberes Entlebuch. Mit den Jahren reduzierte ich mein Pensum. Heute stehe ich etwa einmal wöchent- lich im Einsatz. Die katholische Kirche hat sich in den letzten Jahren fundamental verändert. Viele Menschen haben keinen Bezug mehr zum Glau- ben. Umso wichtiger ist es mir, offen auf sie zuzugehen, einen persönlichen Kontakt herzustellen und ihnen in einer Predigt etwas für den Alltag mitzugeben. Jesus hat mich gesandt, zu säen. Die Ernte überlasse ich ihm. Aber ich bin überzeugt: Es wächst mehr, als wir meinen. Ich bin dankbar für meine gute Gesundheit. Und doch räume ich auf. Ich habe mein Testament verfasst und Personen bestimmt, die mir beistehen, wenn ich nicht mehr selber entscheiden kann. Das gibt mir Freiheit und Gelassenheit für die Zukunft. Einbringen will ich mich aber weiterhin – beispielsweise indem ich Leserbriefe schreibe, wenn ich mit einem Zeitungsartikel nicht einverstanden bin. Manchmal ernte ich da- mit Zustimmung, manchmal Kritik. Ich lasse mich gerne herausfordern.» Der Eintritt ins Rentenalter hatte für Kaplan Simon A. Zihlmann keine Bedeutung: «Einmal Pfarrer, immer Pfarrer», sagt er. MENSCHEN FOKUS ✺ Vreni Meyer, 85 Kriens «Die letzten zehn Jahre vor meiner Pensionierung arbeitete ich als Seelsorgerin in den Krienser Alters- und Pflegeheimen. Als ich 2002 in den Ruhestand ging, war mein Berufsleben abgerundet. Das Nicht-mehrMüssen war für mich die schönste Erfahrung in der Pension. Die letzten 24 Jahre sind rassig vergangen und ich geniesse meine Freiheiten nach wie vor. Doch mein Alltag hat sich auch verändert. Mit dem Älterwerden tritt ein normales Kürzertreten ein, das fast unbemerkt geschieht. Heute erledigt eine Nichte meinen Zahlungsverkehr. Und meine langjährige Mitbewohnerin Marianne und ich haben seit wenigen Monaten eine Putzfrau. Abgeben ist nicht einfach, gleichzeitig ist die Unterstützung eine wunderbare Erleichterung. Ich kann nicht 85 werden und erwarten, dass alles bleibt wie mit 20. Veränderung gehört zum Leben. Ich kann dem nachtrauern, doch ich wähle das Akzeptieren. Vieles ist weiterhin möglich und ich gönne es mir bewusst: eine schöne Zugfahrt, einen interessanten Vortrag, eine kleine Wanderung, Beziehungen pflegen oder ein Mittagessen im Restaurant. Das Leben ist schön.» Manches ist schwieriger geworden mit zunehmendem Alter, doch vieles geht noch. Und das geniesst Vreni Meyer doppelt.
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