Zenit | März 2026 18 Er führte rund 1000 Mitarbeitende und flog jährlich achtmal um die Welt: Dann liess sich der Top-Manager Thomas Bluntschli frühpensionieren und wurde Lokführer – ein anstrengender, kräftezehrender Job. Die Geschichte eines erstaunlichen Wandels. VON ROBERT BOSSART «Meine Frau fragt schon gar nicht mehr, wann ich morgen arbeiten muss.» Thomas Bluntschli sitzt am Tisch in seinem Einfamilienhaus in Schongau, vor sich ein Glas Wasser. Am Nach- mittag verzichtet er auf Kaffee, damit er gut schlafen kann. Entbehrungen nimmt er einige in Kauf wegen seines Jobs als Lokführer bei der Aargau Verkehr AG (AVA). Am Morgen beginnt sein Dienst um halb vier. Zuerst überprüft er die Triebzüge, bevor er losfährt. Jeden Tag startet er zu einer anderen Zeit, etwa 80 ver- schiedene Dienste decken er und seine Kollegen ab. Während der Fahrten ist er hochkonzentriert. «Es gibt tausend Dinge, die es zu beachten gilt, darum musst du jede Sekunde parat sein. Schliesslich trägst du eine grosse Verantwortung», sagt der 60-Jährige. Er fahre stets mit «Hirni», betont er und schmunzelt. Jederzeit könne etwas Unvorhergesehenes passieren. Einen Unfall hat er zum Glück noch nicht erlebt. «Eine gewisse Angst fährt immer mit, das gehört dazu.» Füsse hochlagern? Keine Option Seit rund zwei Jahren fährt Thomas Bluntschli als Lokführer. Eigentlich hätte er genug Erspartes, um die Füsse hochzulegen und das Leben zu genies- sen. Warum tut er sich das an? «Sobald ich aufhöre, mich weiterzuentwickeln, und keine Herausforderungen habe, fühle ich mich alt. Ich möchte ein erfülltes Leben haben, offen sein für Neues und stets etwas lernen. Mein Lebensziel ist es eigent- lich, weise zu sein. Weise durch Erfah- rungen.» Er lächelt und fügt an: «Das Leben geht immer weiter. Ich kann Vom Top-Banker zum Lokführer
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