Zenit | März 2026 17 INTERVIEW FOKUS ✺ Emil: Als wir in New York zusam- menkamen, konnte ich fast nicht glauben, wie gut wir harmonierten. Dass die Interessen so übereinstimmten, das kannte ich nicht. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Doch eine Beziehung kann noch so harmonisch sein, sie braucht auch Toleranz. Niccel: Die Zeit in New York war frei, verspielt und verliebt. Doch die Jahre danach haben für mich einen höheren Wert, weil unsere Beziehung tiefer wurde. Wir haben schwierige Phasen gemeinsam gemeistert. Und wir haben sehr viel gearbeitet. Das war herausfordernd: beim Arbeiten stets an die Grenzen zu gehen und doch Sorge zur Beziehung zu tragen. Was hält Sie zusammen? Emil: Die gemeinsame Begeisterung. Vor meinem 80. Geburtstag dachte ich, ein Auftritt im KKL wäre eine schöne Art, mich bei meinen Fans zu bedanken. Meine Frau schaute mich mit grossen Augen an und sagte: tolle Idee. Und wir haben es gemacht – mit einem riesigen Aufwand. Jede andere Frau hätte gesagt: Nein, jetzt machen wir mal Ferien. Niccel: Zum Glück wusste ich damals noch nicht, wie viel Arbeit das war. Ge- meinsame Projekte verbinden uns. Und wir lieben die Menschen – mit all ih- ren Fehlern, die wir selbst auch haben. Im zenit-Interview vor 20 Jahren sagte der damals 72-jährige Emil, er wolle weniger arbeiten. Was ist daraus geworden? Emil (lacht): Das sagte ich schon in der Kunstgewerbeschule. In meinem damaligen Tagebuch steht, ich möchte mal an einer Idee so lange sitzen, bis sie perfekt ist. Aber es kam immer etwas dazwischen. Niccel: Es ist ein ehrlicher Wunsch. Aber etwas Neues zu schaffen war für Emil doch stets reizvoller, als sich zurückzulehnen. geschichten. Vielleicht erzähle ich sie mal auf der Bühne oder es entsteht eine Autobiografie. Und ich möchte Niccel bei ihren Projekten unter- stützen. Niccel: Momentan machen wir eine Auslegeordnung. Konkret ist, dass ich dieses Jahr wieder Lachseminare anbiete. Und ich möchte mehr malen und Ausstellungen realisieren. An- dererseits wäre eine Emil-Biografie natürlich wunderschön. Emil: Jetzt gärt alles wie ein Hefeteig. Die Frage ist nur: Wer braucht wie viel von diesem Teig? Könnte es sein, dass sich der Kreis schliesst und Sie irgend- wann nach Luzern zurückkehren werden? Niccel: Luzern ist eine traumhaft schöne Stadt zum Leben. Aber nach einem Umzug sehne ich mich gerade nicht. Emil: Zum ersten Mal sind wir in Basel ohne grosse Projekte. Jetzt hat unser Zuhause Vorrang. Dort gibt’s auch noch ein Büro, das dringend aufgeräumt werden will. «Gemeinsame Projekte verbinden uns. Und wir lieben die Menschen – mit all ihren Fehlern, die wir selbst auch haben.» Niccel Viele nehmen an, Niccel sei die treibende Kraft in Ihrer Beziehung, vielleicht weil sie jünger ist. Emil: Das musste ich so oft hören: Der hat halt eine junge Frau. Das sind billige Klischees. Niccel: Die auch verletzen können. Ich wollte Emil immer darin unter- stützen, sein Kulturgut und sein Werk zu bewahren. Aber er arbeitet nicht meinetwegen weiter. Wie geht Ihr Leben nach dem «Typisch Emil»-Film weiter? Haben Sie Pläne? Emil: Ich fühle mich wie ein Strassen- wischer, der mal etwas kehren und aufräumen sollte. Im Atelier gibt es einen riesigen Fundus an Zwischen-
RkJQdWJsaXNoZXIy MjYwNzMx