Zenit Nr. 1. März 2026

Zenit | März 2026 13 insgesamt positive Entwicklung – wodurch etwa die Lebenszufriedenheit älterer Menschen in den letzten zwan- zig Jahren auf einem hohen Niveau verblieb. Bei jungen Menschen sind – auch als Folge der Covid-19-Pandemie – allerdings die psychischen Belastungen angestiegen. Ebenso hat sich der An- teil an Jugendlichen mit einem über- mässigen Gebrauch digitaler Techno- logie (Handy-Abhängigkeit) erhöht, wogegen bei älteren Menschen eher eine Nichtnutzung der digitalen Mög- lichkeiten negative Auswirkungen aufweist. Insgesamt hat sich in den letzten zwanzig Jahren die Situation vieler Rentner und Rentnerinnen stärker verbessert als die junger Menschen (was angesichts der demografischen Alterung neue Formen intergenera- tioneller Solidaritäten erfordert). Krisen, aber auch positive Trends Auch die Zukunft wird durch ein Nebeneinander von Krisen, Bedrohungen und stillen positiven Trends gekennzeichnet sein. So wird der Klimawandel gerade auch Berg- gebiete negativ berühren, aber ent- scheidend ist auch, wie solidarisch die Schweiz mit Opfern von Klimaschäden umgeht. In krisenbehafteten Zeiten sind Länder, die sich solidarisch und nicht polarisierend organisieren, besser in der Lage, kreativ und innovativ mit aussenpolitischen, klimatischen und digitalen Herausforderungen umzu- gehen. Es ist deshalb für die Zukunft ent- scheidend, die Schweiz weg von einer polarisierenden «Neidgenossenschaft» hin zu einer intergenerationellen Eid- genossenschaft zu steuern. Projekte, welche nachbarschaftliche Kontakte und Generationenbegegnungen über Partei- und Sprachgrenzen fördern, sind gerade in herausfordernden Zeiten zentral. Massenmedien weitgehend unbeachtet – ergeben sich grundlegende und oft positive Gegenentwicklungen. So ist die Lebenserwartung in vielen Regionen der Welt weiter angestiegen. Auch die Säuglings- und Kindersterblichkeit ist in vielen Ländern deutlich gesunken. Weitgehend unbeachtet blieb auch die Tatsache, dass in vielen – wenn auch nicht allen – Ländern die Suizidraten bei jungen wie bei älteren Menschen deutlich gesunken sind. Starker Alkoholkonsum weist rück- läufige Werte auf und bei der älteren Bevölkerung sind Ex-Raucher und ExRaucherinnen zur grössten Gruppe geworden. Mehr Frauen und Männer zeigen ein gesundheitsbewusstes Ver- halten und der Anteil der sportlich Inaktiven ist in den letzten Jahrzehnten deutlich gesunken. Zeitalter der Grossmütter In vielen Ländern – darunter auch der Schweiz – hat sich damit auch die gesunde Lebenserwartung ausgewei- tet, wodurch mehr Frauen und Män- ner von einem langen, gesunden Ren- tenalter profitieren. In diesem Rah- men hat sich weltweit in den letzten Jahrzehnten namentlich die Zahl von Grosseltern (und dabei speziell von Grossmüttern) massiv erhöht. Das bekannte englische Magazin «The Economist» betitelte 2023 unsere Ge- genwart deshalb als «The Age of the Grandma» (Das Zeitalter der Grossmütter). In vielen Ländern haben sich die Kontakte zwischen Grosseltern und Enkelkindern dabei in einer historisch einmaligen Form verbes- sert und intensiviert. Eine durchaus positive Entwicklung ist auch die Bildungsexpansion der letzten Jahrzehnte, wodurch mehr junge Männer und Frauen als früher eine qualifizierte schulische oder berufliche Ausbildung geniessen. Da- mit haben sich die Beschäftigungs- optionen nachkommender Genera- tionen verbessert (und in vielen WISSEN FOKUS ✺ «Generationen begegnungen über Partei- und Sprachgrenzen hinweg sind gerade in herausfordernden Zeiten zentral.» * François Höpflinger, em. Prof. Dr. Studium der Soziologie an der Universität Zürich und langjährige Leitung von Forschungsprojekten zu demografischen und familien- soziologischen Themen. Seit 2009 bis heute: selbstständige Forschungs- und Beratungstätigkeiten zu Alters- und Generationenfragen. europäischen Ländern hat sich die Jugendarbeitslosigkeit in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich reduziert). Der Ausbau der Bildungsmöglichkeiten und der Weiterbildung über das Rentenalter hinaus wirken sich positiv auf die kognitiven Fähigkeiten vieler Menschen aus. Positive Wandlungsprozesse Eine bedeutsame Folge ist, dass zunehmend auch ältere Frauen und Männer innovativ bleiben, sich aktiv engagieren und kreativ sind. Diese neuen bildungsbezogenen Entwicklungen wirken bis ins hohe Alter und sind – neben medizinischen Fortschritten – mit ein Grund, weshalb sich in vielen europäischen Ländern das Risiko einer demenziellen Erkran- kung im Alter reduziert. Eine genaue Analyse der Wandlungsprozesse in der Schweiz weist bei einer grossen Mehrheit junger Familien und der älteren Bevölkerung auf eine Foto: Adobe Stock, zVg

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