01 / 2026 BERUFSPOLITIK KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 9 Der Berufsverband mfe setzt sich mit Nachdruck dafür ein, diese Korrekturmechanik zu überarbeiten und die Grundversorgung wirksam zu schützen. Konkret muss das allgemein anerkannte Ziel der tarifarischen Aufwertung der Grundversorgung noch klarer dokumentiert und im Rahmen der Korrekturmechanismen auch geschützt werden. Klar ist: Eine nachhaltige Stärkung der Kinder- und Jugendmedizin darf nicht an rein technischen Steuerungsmechanismen scheitern. Tarif-Schulungen im März 2026: Update und Stolperfallen Die Einführung von TARDOC hat gezeigt, dass neben der politischen Ebene vor allem die praktische Anwendung im Alltag entscheidend ist. mfe bietet deshalb im März 2026 erneut Online-Schulungen für Mitglieder an. Im Fokus stehen dieses Mal die wichtigsten Stolperfallen aus der Praxis. Die Teilnehmenden erhalten konkrete, praxisnahe Hinweise zur sicheren Anwendung des Tarifs und können sich direkt mit Tarifspezialist:innen der Tarifkommission austauschen. Dieser Dialog ist zentral, um Unsicherheiten zu klären und Rückmeldungen systematisch aufzunehmen. Tarif-Version 2027 in Sicht Bereits absehbar sind Anpassungen des neuen Tarifs: Per 1. Januar 2027 werden voraussichtlich diverse Verbesserungen im TARDOC für die Kinder- und Jugendmedizin in Kraft treten. Ziel ist es, erkannte Schwachstellen zu beheben und die Tarifstruktur weiter zu optimieren. mfe wird im Herbst 2026 umfassend über die geplanten Änderungen informieren. Fazit TARDOC ist Realität – mit spürbaren Verbesserungen für die Kinder- und Jugendmedizin, aber auch mit offenen Baustellen. Die Praxen haben die Einführung mit grossem Engagement gemeistert. Nun gilt es, die erreichte Aufwertung politisch zu sichern, technische Mängel konsequent zu beheben und die Anwendung weiter zu professionalisieren. ■ TARDOC ist da – und was nun? Die Einführung von TARDOC ist vollzogen – und die ersten Rückmeldungen aus euren Praxen sind insgesamt positiv. Die Umstellung bedeutete für alle Beteiligten einen erheblichen Mehraufwand. Prozesse mussten überprüft, Software angepasst, Teams geschult werden. Umso erfreulicher ist, dass es in unseren Praxen zu relativ wenigen wesentlichen Problemen kam. Dieses Resultat ist nicht selbstverständlich und verdient Anerkennung: Das Engagement in euren Praxen war ausserordentlich! Ganz reibungslos verlief der Start dennoch nicht. Schwierigkeiten traten vor allem in der praktischen Umsetzung mit der IT auf – diverse Fehler in der Praxissoftware, aber auch im Tarif selbst, wurden entdeckt. Nur ein Beispiel ist die aktuell nicht mögliche Kombination der Hüftsonografie-Wechselzeit mit der Vorsorgeuntersuchung. Solche Probleme sind ärgerlich und führen im Alltag zu Mehraufwand. Ihre Korrektur braucht Zeit – nicht zuletzt, weil jede Tarifanpassung (auch offensichtliche Fehlerkorrekturen) eine Genehmigung durch den Bundesrat brauchen. Hier zeigt sich: Ein neuer Tarif ist mit seiner Einführung nicht abgeschlossen, sondern ein dynamischer Prozess. Alarm: Aufwertung in Gefahr Mit TARDOC wurde jetzt hoffentlich endlich eine längst überfällige Aufwertung der kinder- und jugendmedizinischen Versorgung erreicht (offizielle Zahlen dafür liegen noch nicht vor). Diese Errungenschaft ist jetzt aber schon wieder ernsthaft gefährdet. Politisch vorgegeben ist mit dem Tarifwechsel eine kostenneutrale Phase. mfe fordert seit Monaten eine «separate Steuerung» der Grundversorgung. Nur so kann die gewollte und notwendige tarifarische Aufwertung nachhaltig gesichert werden. In den aktuellen Steuerungskonzepten zu TARDOC und den ambulanten Pauschalen ist diese Forderung jedoch weiterhin nicht ausreichend berücksichtigt. Die derzeit vorgesehenen Mechanismen zur Sicherstellung der Kostenneutralität sehen zwar formal eine separate Steuerung vor, doch schützen sie unsere aktuell erreichte Aufwertung nicht. Die Konsequenz ist brisant: Durch die technische Umsetzung der sogenannten dynamischen Kostenneutralität könnten die verbesserten Tarife für die Grundversorgung schon bald wieder relativiert werden – faktisch eine Abwertung durch die Hintertür. DR. MED. DANIELA BERGER VORSTANDSMITGLIED MFE, ZUSTÄNDIGKEIT TARIFE UND PÄDIATRIE, ZÜRICH Korrespondenzadresse: daniela.berger@ hausaerzteschweiz.ch DR. MED. STEFAN ROTH VORSTANDSMITGLIED MFE, ZUSTÄNDIGKEIT PÄDIATRIE, VORSTANDSMITGLIED KINDERÄRZTE SCHWEIZ, LIEBEFELD Korrespondenzadresse: stefan.roth@ hausaerzteschweiz.ch
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