VERNETZUNG 01 / 2026 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 16 DR. MED. MICHAEL ESTEVES PEREIRA PRÄSIDENT UND GRÜNDER VON SAFETOGROW.CH, ASSISTENZARZT PÄDIATRIE, UNIVERSITÄTSKINDERSPITAL UND FLORA KINDERARZTPRAXIS, ZÜRICH, MISTER GAY EUROPE 2025 Korrespondenzadresse: michael.pereira@ safetogrow.ch safetogrow.ch INTERVIEWER: DR. DANIEL F. BRANDL, PhD GESCHÄFTSFÜHRER KINDERÄRZTE SCHWEIZ, DIETIKON Korrespondenzadresse: daniel.brandl@kis.ch Michael Esteves Pereira ist 31 Jahre alt, Kinderarzt in Weiterbildung und lebt seit fünf Jahren im Raum Zürich. Er hat portugiesische Wurzeln, ist in Zermatt aufgewachsen und hat in Bern Medizin studiert. Im Jahr 2025 wurde er zum Mister Gay Europe gewählt – ein Titel, der ihn unerwartet in die Öffentlichkeit rückte und ihm zugleich eine Plattform eröffnete, gesellschaftliche und gesundheitspolitische Themen sichtbar zu machen. Mister Gay Europe 2025: Pädiatrie mit Haltung – SAFE TO GROW lungsdynamik und der engen Begleitung von Familien über Jahre hinweg. Pädiatrie bedeutet für mich nicht nur, Krankheit zu behandeln, sondern Entwicklung zu begleiten. Besonders begeistert mich die Vielschichtigkeit des Fachs: Man behandelt nie nur ein Organ, sondern immer ein Kind in seinem familiären und sozialen Kontext. Gleichzeitig liegt darin auch die Herausforderung. Medizinische Entscheidungen sind oft eng verknüpft mit psychosozialen Faktoren, familiären Dynamiken oder gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Diese Komplexität erfordert fachliche Präzision ebenso wie Empathie und kommunikative Sensibilität. Das klingt fast wie ein Auszug aus dem offiziellen Berufsbild der Kinder- und Jugendärzt:innen. Das stimmt – und viele von uns haben diese Beschreibungen schon oft gehört. Gerade deshalb finde ich es wichtig, sie uns immer wieder bewusst zu machen. Sie erinnern uns daran, worum es in der Pädiatrie im Kern geht und warum wir diesen Beruf gewählt haben. Sichtbarkeit, Identität und Rolle als Vorbild Du trittst offen als schwuler Kinderarzt auf und wurdest im letzten Sommer zum Mister Gay Europe 2025 gewählt. ■ Welche Bedeutung hat diese Sichtbarkeit für dich persönlich – und welche für den Berufsstand der Pädiatrie? Meine Sichtbarkeit als schwuler Kinderarzt ist für mich kein Selbstzweck, sondern Ausdruck von Authentizität. Ich möchte meinen Beruf nicht getrennt von meiner Identität leben. Für den Berufsstand halte ich Sichtbarkeit für wichtig, weil sie Normalität schafft. Wenn junge Kolleg:innen oder auch Patient:innen sehen, dass queere Identität und pädiatrische Medizin selbstverständlich zusammengehören können, kann das Barrieren abbauen – nach innen wie nach aussen. Gerade im pädiatrischen Kontext sind Themen wie Homosexualität oder queere Identitäten historisch mit Unsicherheiten, Vorurteilen und teils schmerzhaften Stereotypen verbunden. Hier geht es nicht um Abwehrhaltungen gegenüber der sexuellen Entwicklung von Kindern oder um aktuelle Debatten wie die Diskussion um Pubertätsblocker, sondern um ein altes, tief sitzendes Vorurteil: die latente Angst, schwule Männer könnten automatisch mit Pädophilie in Verbindung gebracht werden. In diesem Interview spricht Michael Pereira über seinen Weg in die Pädiatrie, darüber, was ihn an diesem Fach fasziniert und wie er seine berufliche Zukunft sieht. Er erzählt von den Reaktionen seines privaten und beruflichen Umfelds auf seine Wahl, von Erfahrungen mit Sichtbarkeit im Gesundheitswesen und davon, wie er als offen schwuler Kinderarzt mit seiner Identität im klinischen Alltag umgeht. Im Zentrum steht zudem sein Herzensprojekt SAFE TO GROW, das Schulungen und forschungsbasierte Ansätze entwickelt, um LGBTQIA+ Kinder, Jugendliche und Regenbogenfamilien langfristig sicher, respektvoll und gleichberechtigt im Gesundheitswesen zu begleiten. Das Gespräch lädt dazu ein, über Haltung, Verantwortung und die Rolle der Pädiatrie in einer vielfältigen Gesellschaft nachzudenken. Persönlicher Hintergrund und Berufsweg ■ Wo stehst du aktuell in deiner Weiterbildung zum Kinder- und Jugendarzt, wo arbeitest du zurzeit – und was hat dich ursprünglich dazu bewegt, Kinderarzt zu werden, beziehungsweise was fasziniert dich an der Pädiatrie und fordert dich im Alltag heraus? Ich befinde mich aktuell im letzten Abschnitt meiner Weiterbildung zum Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. Zurzeit arbeite ich sowohl in einem universitären Setting am Universitäts-Kinderspital Zürich in der Notfallpraxis, als auch – als Teil des Praxiscurriculums – als Assistenzarzt in der Flora Kinderarztpraxis in Zürich. Diese beiden Settings ermöglichen mir zwei unterschiedliche, sich ergänzende Perspektiven auf die Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Kinderarzt zu werden, war für mich früh klar: Mich fasziniert die Kombination aus medizinischer Komplexität, EntwickSAFE TO GROW – mehr Sicherheit, mehr Inklusion SAFE TO GROW setzt sich für ein sicheres und inklusives Umfeld für Kinder, Jugendliche und ihre Familien ein. Auf der Projektwebsite finden sich weiterführende Informationen zum Anliegen sowie die Möglichkeit, das Projekt finanziell zu unterstützen. Erfahren Sie mehr über das Projekt und wie Sie es unterstützen können auf: safetogrow.ch
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