KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 1/2026

01 / 2026

In der Druckausgabe befindet sich auf dieser Seite ein Hinweis für medizinische Fachpersonen.

KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 3 © Kinderärzte Schweiz ■ HABEN SIE ANREGUNGEN, KRITIK ODER LOB? Dann schicken Sie uns eine E-Mail an: info@kis.ch Wir freuen uns. 01 / 2026 INHALT / IMPRESSUM EDITORIAL 5 A uf der Welle bleiben – Mind Body Medicine im Praxisalltag PINNWAND 6 L esenswertes aus dem KIS Vorstand, unseren Arbeitsgruppen und dem Rest der Welt INTERN 8 Viva Camilla!! BERUFSPOLITIK 9 mfe 10 Impulsatelier 2026: APN – they care! DIE MPA SEITE 15 Mein erstes, aber sicher nicht letztes Mal am SVA Davoser Kongress für MPAs VERNETZUNG 16 Mister Gay Europe 2025: Pädiatrie mit Haltung – SAFE TO GROW FORTBILDUNG: THEMENHEFTTEIL 21 Selbstfürsorge in der Kinderarztpraxis 24 Die Angst an die Leine nehmen 28 Atem 30 Wie das Unbewusste helfen kann, kluge Entscheidungen zu treffen 33 Kleine Schritte ins Glück 35 Mind Body Medicine entdecken BEZIEHUNG – ERZIEHUNG 38 Urvertrauen schafft Beziehung NACHHALTIGKEIT IN DER PÄDIATRIE 40 Für die Gesundheit – durch Klimaschutz JAHRESTAGUNG 41 «Lebenswelt Schule: Pädagogik und Pädiatrie im Dialog» KURSE/WORKSHOPS/FORTBILDUNGEN 42 Kurse KIS 43 Veranstaltungskalender 43 Die gute Fortbildung ERFAHRUNGSBERICHTE 44 ADHS-Vertiefungskurs: Mehr als nur Theorie und Vorträge 45 Überforderte Säuglinge – überforderte Eltern? DAS GUTE KINDERBUCH FÜR DIE PRAXIS 46 Ich und der Zauberwürfel 47 Das Farbenmonster – Doktor für Gefühle FÜR SIE GEHÖRT UND GESEHEN 48 Gut informiert – gut begleitet IMPRESSUM REDAKTIONSTEAM: Dr. med. Matthias Ferretti, Winterthur; Dr. med. Stefanie Gissler Wyss, Neuendorf; Dr. med. Raffael Guggenheim, Zürich; Dr. med. Irmela Heinrichs, Uster (Leitung); Dr. med. Nadia Sauter Oes, Winterthur; Dr. med. Martin Schmidt, Rheinfelden; Dr. med. Jürg C. Streuli, Uznach; Dr. Daniel Brandl, PhD, Geschäftsführer, Dietikon HERAUSGEBER: Kinderärzte Schweiz, Löwenstrasse 17, 8953 Dietikon ABO: 4 Ausgaben/Jahr: Fr. 48.– inkl. Porto (für Mitglieder inklusive) Spezialpreis für MPAs, Mütter- und Väterberatungsstellen sowie Nonprofit-Organisationen im Bereich Kinder- und Jugendgesundheit: Fr. 32.– inkl. Porto FOTOS / ILLUSTRATIONEN: Ina Blanc, Kinderärzte Schweiz, Katarzyna Said, Tanja Contreras, Kai König, Iris Bachmann Holzinger, Daniel Brandl, Stillförderung Schweiz, Michael Rieder Photography, Rainer Schmid Detail Studios, srf.ch, Beatrice Kivanc, Katrin Fasnacht, SVA/Joana Ulmer, Rowin Dreef, iStock/LaylaBird, 11-jähriges Mädchen, Dr David Postlethwaite, 10-jähriges Mädchen, 11-jähriger Junge, 7 ½-jähriges Mädchen, iStock, 10-jähriger Junge, Adobe Stock, ZRM®plus Visionsgenerator/Institut für Selbstmanagement und Motivation (ISMZ), Fidea Design, Kösel-Verlag, Adrian Verlag, Top Support GmbH, Klett Kinderbuch, Hogrefe, Carl-Auer Verlag, Nord-Süd- Verlag, Verlagshaus Jacoby & Stuart, Body2Brain, American Academy of Pediatrics, Science Photo Library, Shutterstock, Cyril Lüdin, klimadocs.de, Georg Bohn, KlettCotta, NordSüd Verlag. KORRESPONDENZ: Kinderärzte Schweiz Löwenstrasse 17, 8953 Dietikon Telefon 044 520 27 17 info@kis.ch, www.kis.ch INSERATE: Kinderärzte Schweiz, Dr. Daniel Brandl, PhD und Beatrice Kivanc, info@kis.ch GRAFIK, SATZ UND DRUCK: Vogt-Schild Druck AG, CH-4552 Derendingen Auflage: 1250 Exemplare Nächste Ausgabe: 02/2026 Redaktionsschluss: 23. März 2026 ISSN 2296-2549 (Print) ISSN 2673-4656 (Online) Gendergerechte Sprache: Wir achten in unserer Kommunikation auf eine moderne, gendergerechte Sprache. Das heisst, wir beziehen Frauen, Männer und nicht binäre Menschen gleichermassen in unsere Texte ein, denn Sprache beeinflusst unser Denken und Handeln. Präferenziell wird eine genderneutrale Sprache verwendet. Das Genderwörterbuch www.geschicktgendern.de dient als Inspiration, passende genderneutrale Alternativen zum generischen Maskulinum zu finden. Wenn dies nicht möglich ist, benützen wir wegen der einfachen Lesbarkeit den Doppelpunkt (z. B. Moderator:innen), um alle Geschlechter anzusprechen. In Ausnahmefällen ist die schwerfällige Beidnennung männlich/weiblich möglich; diese versuchen wir jedoch zu vermeiden. Drucksache myclimate.org/01-26-431572

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01 / 2026 EDITORIAL KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 5 Liebe Kolleg:innen Wir hoffen, ihr habt die ersten hohen Wellen der TARDOC-Brandung erfolgreich gesurft – und findet nun wieder etwas Raum für euch selbst. Noch hilfreicher wäre es allerdings, gerade in stürmischen Zeiten achtsam mit den eigenen Kräften umzugehen und auf eine gut bestückte Selbstfürsorge-Werkzeugkiste zurückgreifen zu können. Dieses Heft steht deshalb ganz bewusst im Zeichen derjenigen, die wir im Alltag so leicht vernachlässigen: uns selbst. Mind Body Medicine lädt uns ein, innezuhalten, wahrzunehmen und gezielt Ressourcen zu stärken – nicht erst, wenn die Wellen brechen, sondern idealerweise, bevor sie sich auftürmen. Vielleicht entdeckt ihr beim Lesen das eine oder andere Werkzeug, das euch künftig sicherer durch bewegte Zeiten trägt. Mind Body Medicine bedeutet dabei weit mehr als ein Schlagwort: Noortje Vriends zeigt eindrücklich, weshalb Selbstfürsorge kein Luxus, sondern Voraussetzung für tragfähige Teamkultur und langfristige Leistungsfähigkeit ist. Camilla Ceppi Cozzio nimmt die Angst «an die Leine» und verbindet entwicklungspsychologisches Wissen mit konkreten Mind Body Methoden. Regula Ziegler-Bürgi erinnert uns daran, dass der Atem – jederzeit verfügbar – ein ebenso einfaches wie kraftvolles Instrument in Praxis und Alltag sein kann. Julia Weber führt uns mit dem Zürcher Ressourcen-Modell vor Augen, wie kluge Entscheidungen entstehen, wenn Verstand und Unbewusstes zusammenspielen. Und Ina Blanc zeigt spielerisch, wie Kinder Selbstwert und Selbstwirksamkeit entwickeln können – eine Fähigkeit, die auch uns Erwachsene durch herausfordernde Phasen trägt. Abgerundet wird diese Ausgabe durch eine kuratierte Auswahl von Büchern, einer App sowie einem wissenschaftlichen Beitrag, die zum Weiterdenken, Ausprobieren, Vertiefen und zur evidenzbasierten Einordnung einladen. Der Beitrag «Für Sie gehört und gesehen» bietet eine sorgfältig zusammengestellte Auswahl hörens- und sehenswerter Inhalte für Eltern und Fachpersonen und ist bewusst so gestaltet, dass er zum Heraustrennen und Aufhängen im Wartezimmer geeignet ist. Ein besonderer Dank geht an Ina Blanc, die uns eine ihrer inspirierenden Illustrationen als Titelbild zur Verfügung gestellt hat: Das Mädchen auf dem Surfbrett – voller Dynamik, Balance, Kraft und Vertrauen – bringt die Essenz dieses Themenhefts auf wunderbare Weise zum Ausdruck. Zur inneren Balance gehört jedoch nicht nur Selbstfürsorge, sondern auch Haltung. In unserem Interview mit Michael Esteves Pereira – Kinderarzt, Gründer von SAFE TO GROW und Mister Gay Europe 2025 – geht es um Sichtbarkeit, Verantwortung und die Frage, wie wir als Pädiater:innen Vielfalt im Gesundheitswesen konkret leben können. Irmela Heinrichs berichtet über das diesjährige KIS-Impulsatelier, in dem ein hochaktuelles Thema im Zentrum stand: die Rolle der Advanced Practice Nurse in der pädiatrischen Praxis – zwischen Versorgungsrealität, interprofessioneller Zusammenarbeit und zukünftigen Modellen der Grundversorgung. Zudem freuen wir uns, euch unsere neue Rubrik «Beziehung – Erziehung» vorzustellen. Cyril Lüdin eröffnet diese für vier Ausgaben geplante Reihe und widmet sich der Frage, wie frühe – bereits vorgeburtliche – Bindungserfahrungen Vertrauen, Selbstregulation und Beziehungsfähigkeit prägen und Entwicklung nachhaltig beeinflussen. Wir wünschen euch viel Lesevergnügen und freuen uns auf eure Rückmeldungen, Gedanken und Anregungen. Für die Redaktionskommission Nadia Sauter Oes, This Ferretti und Camilla Ceppi Cozzio PS: Massgeblich und mit grossem Engagement mitgestaltet wurde diese Ausgabe von unserer Co-Editorin Camilla Ceppi Cozzio. Sie setzt nicht nur hier wertvolle Akzente, sondern prägt das Heft auch an anderer Stelle – und das mit viel Kompetenz und Herzblut. HERZLICHEN DANK, liebe Camilla! Auf der Welle bleiben – Mind Body Medicine im Praxisalltag DR. MED. NADIA SAUTER OES CO-EDITORIN, MITGLIED REDAKTIONSKOMMISSION, FACHÄRZTIN FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN, WINTERTHUR Korrespondenzadresse: nadia.sauter@oes.ch DR. MED. THIS FERRETTI CO-EDITOR, MITGLIED REDAKTIONSKOMMISSION, FACHARZT FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN, WINTERTHUR Korrespondenzadresse: m.ferretti@hin.ch DR. MED. CAMILLA CEPPI COZZIO CO-EDITORIN, FACHÄRZTIN FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN, FÄHIGKEITSAUSWEISE PSYCHOSOMATISCHE UND PSYCHOSOZIALE MEDIZIN (SAPPM) UND MEDIZINISCHE HYPNOSE (SMSH), DÜBENDORF Korrespondenzadresse: c.ceppi@hin.ch Die Themen der folgenden Hefte sind: News 02/2026: Post-Covid News 03/2026: Pneumologie News 04/2026: Jahrestagung News 01/2027: Adoleszenten-Medizin

Lesenswertes aus dem KIS Vorstand, unseren Arbeitsgruppen und dem Rest der Welt Pinnwand Studie Versorgung ukrainischer Flüchtlingskinder in der Praxis: Umsetzung nationaler Empfehlungen Wie gut werden die nationalen Empfehlungen zur medizinischen Betreuung ukrainischer Flüchtlingskinder in der Schweiz in der pädiatrischen Grundversorgung umgesetzt? Dieser Frage ging eine aktuelle Studie unter Leitung unseres Mitglieds Fabienne Jäger mit der Referenzgruppe Migration von pädiatrie schweiz nach. In einer Umfrage unter Kinder- und Jugendärzt:innen zeigte sich: Die meisten Praxen betreuen ukrainische Kinder regelmässig und sind mit den Empfehlungen vertraut. Sehr häufig erfolgen Akutbehandlungen sowie Impf-Checks. Weniger konsequent wurden die Empfehlungen betreffend Eintrittsuntersuchungen und die systematische Abklärung psychosozialer bzw. psychischer Belastungen umgesetzt. Auf die präventive Beratung wurde öfter verzichtet. Als grösste Herausforderungen nannten die Befragten insbesondere die Sprachbarriere, den Zeitmangel, unterschiedliche Vorstellungen zur Gesundheit und Gesundheitsversorgung, die Organisation von mentaler Gesundheitsversorgung und das Verweigern von Impfungen. Die Studie wurde im Januar 2026 im Journal Frontiers in Public Health veröffentlicht und von Kinderärzte Schweiz zusammen mit pädiatrie schweiz finanziell gefördert. Der Artikel ist open access verfügbar und kann hier heruntergeladen werden: frontiersin.org/journals/ public-health/articles/10.3389/fpubh.2025.1666753 (Text: KIS-DFB/Illustrationen: Frontiers in Public Health/Wikimedia Commons) U.S. National Pediatric Hypnosis Training Institute NPHTI: Online-Meeting 29. April und Workshop 15.–17. Oktober 2026 Beim Mid-Year Online Meetup Pädiatrische Hypnose vom 29. April 2026 steht das Thema Storytelling in der Hypnose im Fokus. Gastreferentin ist Dr. Maren O. Lindheim, klinische Psychologin am Universitätsklinikum Oslo und international ausgewiesene Expertin für narrative und ressourcenorientierte Ansätze in der Arbeit mit schwer erkrankten Kindern und Jugendlichen. Die vierstündige Fortbildung kombiniert Theorie und praktische Übungen in Kleingruppen und eröffnet neue Perspektiven für die hypnotherapeutische Arbeit im pädiatrischen Kontext. Mehr Informationen und Anmeldung auf der NPHTI Website: nphti.org SAVE THE DATES: NPHTI Jahres-Workshops 2026 • St. Charles (bei Chicago) • 15.–17. Oktober 2026 • The Q Center im Fox River Valley • Workshops mit internationalen Expert:innen, Levels abgestimmt auf Kenntnisse, inklusive CEUs (Text/Logo: U.S. National Pediatric Hypnosis Training Institute NPHTI/KIS-DFB) Choosing Wisely: Top-5-Liste Kinderchirurgie Die Top-5-Liste der Schweizerischen Gesellschaft für Kinderchirurgie bietet nicht nur praxisnahe Empfehlungen für Kinderchirurg:innen, sondern stellt auch ein wertvolles Instrument für alle Kinderärzt:innen dar. Drei der fünf Empfehlungen betreffen häufige Vorstellungsgründe in der pädiatrischen Praxis – Phimose, Nabelhernie und Poplitealzyste. Gerade diese führen oft zu Überweisungen in die Kinderchirurgie, obwohl dies nicht in allen Fällen notwendig ist. Da die Empfehlungen zusätzlich in verständlicher Laiensprache formuliert sind, eignen sie sich zur direkten Aufklärung von Eltern und Patient:innen. Sie helfen aufzuzeigen, weshalb in bestimmten Situationen bewusst keine Zuweisung an eine Spezialistin oder einen Spezialisten erfolgt. Die beiden weiteren Empfehlungen – Klavikulafrakturen im Kindes- und Adoleszentenalter sowie der Einsatz eines Ganzkörper-CTs bei Kindern mit Hochenergietrauma – richten sich primär an Kolleginnen und Kollegen in Spitälern. smartermedicine.ch/de/ top-5-listen/kinderchirurgie (Text: Schweizerische Gesellschaft für Kinderchirurgie, PD Dr. med. Luca Mazzone / Logo: smarter medicine – Choosing Wisely Switzerland) Die Referenzgruppe Migrationsgesundheit von pädiatrie schweiz sucht ein bis zwei engagierte Praxispädiater:innen als neue Mitglieder. Damit sollen die Perspektive und die Erfahrungen der Grundversorgung, insbesondere in der Betreuung von Asylsuchenden und Migrant:innen, in der Gruppe weiterhin gut vertreten sein. Da Mitglieder aus verschiedenen Landesteilen mitwirken, sind Kenntnisse in Englisch und/oder Französisch wichtig. Der zeitliche Aufwand ist überschaubar, die Mitarbeit jedoch sehr bereichernd. Kontakt: fabienne.jaeger@hin.ch Präventionsposter «Bildschirmfrei bis 3» Um Eltern frühzeitig über die Risiken der digitalen Mediennutzung in den ersten Lebensjahren zu informieren, haben die Heilpädagoginnen Katarzyna Said und Tanja Contreras das Cartoon-Poster «Bildschirmfrei bis 3» entwickelt. Es wirkt freundlich und betont die Bedeutung von Interaktion, Blickkontakt und Beziehung für eine gesunde Entwicklung. Mittels eines QR-Codes werden weitere Informationen bereitgestellt. Die Autorinnen sind mit einem breiten interdisziplinären Netzwerk aus Pädiater:innen, Logopäd:innen, Kinderpsychiater:innen, Schulpsycholog:innen, Gynäkolog:innen, Kitas, Kindergärten sowie Fachstellen vernetzt und arbeiten mit der gleichnamigen deutschen Initiative zusammen. Ein Poster allein genügt nicht, um Eltern zu erreichen; es braucht sensibilisierte Fachpersonen, die das Thema proaktiv ansprechen: Kinderärztliche und gynäkologische Praxen spielen bei der Verbreitung des Posters eine Schlüsselrolle, da sie nahezu alle Familien erreichen. Die frühzeitige Sensibilisierung der Eltern durch Fachpersonen ist dringend nötig. Das Poster kann über diesen QR-Code von der KIS-Webseite im Format A3 heruntergeladen werden. (Text/Illustration: Katarzyna Said und Tanja Contreras/KIS-DFB)

Redaktionskommission: Abschied Cyril Lüdin und Verlag am 14. November 2025 Die «Kinderärzte Schweiz NEWS» wurden von 1998 bis 2022 vom Verlag Praxispädiatrie herausgegeben. Im Jahr 2022 wurde der Verlag in die Strukturen von Kinderärzte Schweiz integriert und 2024 schliesslich aufgelöst. Cyril Lüdin hat Kinderärzte Schweiz seit den Anfängen entscheidend mitgeprägt (vgl. Artikel in KIS News Nr. 3/25, S. 7). Um seinen Abschied – und zugleich das Ende des Verlags Praxispädiatrie – würdig zu markieren, luden KIS-Präsident Marc Sidler, Vizepräsidentin Sandra Burri und Geschäftsführer Daniel Brandl die Gründungsmitglieder des Verlags Henriette Hug, Cyril Lüdin und Jakob von Känel zu einem Apéro in Kleinbasel und einem gemeinsamen Abendessen im «Rostigen Anker» im Basler Rheinhafen ein. (Text/Foto: KIS-DFB) Rechte Reihe von hinten nach vorne: Sandra Burri, Cyril Lüdin, Henriette Hug. Linke Reihe von hinten nach vorne: Jakob von Känel, Marc Sidler. Podcast-Tipp für die Praxis: Dr. Schnodder & Co. Ein Podcast für Eltern und Betreuungspersonen rund um Kindergesundheit: Die Kindernotfallmedizinerin Iris Bachmann Holzinger und der Kinderarzt Kai König beantworten die häufigsten Fragen – fundiert, verständlich und mit einer Prise Humor. Praxis-Plakat beigelegt – ideal zum Aufhängen und Weiterempfehlen an Eltern. Mehr zum Podcast und weitere Empfehlungen finden Sie auf Seite 49 in diesem Heft. (Text/Illustration: Dr. Schnodder & Co. [Kai König & Iris Bachmann Holzinger]/KIS-DFB) 25 Jahre Stillförderung Schweiz – Jubiläum mit Blick nach vorn Am 10. November 2025 feierte Stillförderung Schweiz ihr 25-jähriges Bestehen mit rund 50 geladenen Gästen, darunter auch Irmela Heinrichs vom Vorstand von Kinderärzte Schweiz. Im Zentrum des Abends stand die Präsentation der Ergebnisse der Swiss Infant Feeding Study (SWIFS) 2024. Die Studie liefert aktuelle und wertvolle Einblicke in die Säuglingsernährung in der Schweiz und zeigt unter anderem: • wie sich Stillbeginn und Stilldauer in den letzten Jahren entwickelt haben, • welche sozialen, strukturellen und gesundheitlichen Faktoren das Stillen fördern oder erschweren, • und wie wichtig eine frühe, kontinuierliche und gut abgestimmte Unterstützung von Eltern ist – sowohl im Gesundheitswesen als auch im gesellschaftlichen Umfeld. Beim anschliessenden Apéro wurde gemeinsam auf das Jubiläum angestossen. Stillförderung Schweiz blickt auf 25 Jahre engagierte Arbeit zurück – und gleichzeitig nach vorn: auf neue Herausforderungen und die weiterhin partnerschaftliche Zusammenarbeit zur nachhaltigen Förderung des Stillens in der Schweiz. (Text: Stillförderung Schweiz/KIS-DFB / Illustration: Stillförderung Schweiz) Lehrgang-Tipp: «Wenn das (ungeborene) Kind stirbt» Die Fachstelle kindsverlust.ch bietet einen spezialisierten Lehrgang zur Begleitung in Krise, Verlust und Trauer rund um den Tod eines Kindes während Schwangerschaft, Geburt und erster Lebenszeit an. Der Lehrgang richtet sich an Fachpersonen aus der Geburtshilfe, die (werdenden) Eltern mitten in dieser Ausnahmesituation zur Seite stehen. Vermittelt wird fundiertes Fachwissen zu Verlustsituationen während der Schwangerschaft und rund um die Geburt. Der interdisziplinäre Lehrgang befähigt im Umgang mit Krisen, bildet in Trauerbegleitung weiter und vertieft Gesprächsführungs- und Beratungskompetenzen. Er stärkt die professionelle Haltung, fördert Selbstfürsorge und unterstützt Fachpersonen darin, betroffene Familien achtsam und sicher zu begleiten. kindsverlust.ch/ informationen/lehrgangg/ Ein Flyer mit weiteren Informationen zum Lehrgang ist diesem Heft beigelegt. (Text/Logo: kindsverlust.ch/KIS-DFB) Jahresausflug und Planungssitzung der Redaktionskommission Der Jahresausflug der Redaktionskommission ist längst eine schöne Tradition – als Dank für das grosse Engagement über das ganze Jahr hinweg und als wichtiger Fixpunkt für den Blick nach vorn. Am 4. Dezember 2025 traf sich das Team in Baden: Nach einem gemeinsamen Foxtrail durch die Altstadt und einem GlühweinApéro am Weihnachtsmarkt folgte im Hotel Blume die Planungssitzung für die KIS NEWS des Jahres 2027. In konzentrierter, konstruktiver Atmosphäre wurden Themenschwerpunkte diskutiert, neue Ideen entwickelt und Verantwortlichkeiten festgelegt. Den Abschluss bildete ein gemeinsames Abendessen – Gelegenheit für Austausch, Rückblick und Vorfreude auf die kommenden Ausgaben. Ein herzliches Dankeschön an alle Mitglieder der Redaktionskommission für ihre kontinuierliche, engagierte Arbeit! (Text/Foto: KIS-DFB) v.l.n.r.: Irmela Heinrichs, Stefanie Gissler Wyss, Matthias Ferretti, Daniel Brandl, Martin Schmidt, Nadia Sauter Oes, Raffael Guggenheim. Nicht auf dem Foto: Jürg Streuli SIGIP – Schweizerische Interessengruppe für Integrative Pädiatrie Die SIGIP organisiert halbjährlich spannende Fortbildungen zu Themen der komplementären und integrativen Medizin in der Praxis. Zuletzt am 30. Oktober 2025 mit Dr. med. Astrid Fiegenbaum, D-Lüneburg, Fachärztin Dermatologie, zu «Die Haut als Sinnesorgan – Diagnostik und Therapie mit Anthroposophischer Medizin». Hier die wichtigsten Quick-Infos: • Die Zellerneuerung der Haut dauert 28 Tage – wie der Mondzyklus. • Anthroposophische Arzneimittel haben sich bei vielen Hauterkrankungen als nützliche Ergänzung oder Alternative bewährt. So hat Dr. Fiegenbaum der Zuhörerschaft ein kompaktes Skript mit Vorschlägen zur innerlichen und äusserlichen Behandlung von 26 Hauterkrankungen ausgehändigt. • Buchempfehlungen: «Hautkrankheiten ganzheitlich heilen» von Lüder Jachens, «Kranke Haut – Organische und seelische Ursachen» von Olaf Koob. Bei Fragen und Interesse an einer Mitgliedschaft einfach melden unter: integrativepaediatrie@gmail.com Informationen zu zukünftigen Fortbildungen auf der Website: https://sigip.org/de/veranstaltungen/ (Text/Logo: Schweizerische Interessengruppe für Integrative Pädiatrie SIGIP)

INTERN 01 / 2026 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 8 Für unsere «Queen of Words» einen Artikel schreiben zu dürfen, ist eine Ehre. Ich bin dankbar, ist mir diese Aufgabe zuteil geworden. Mit einem grossen «Camilla- Fan-Team» als Unterstützung im Rücken entstanden diese Zeilen. Zuerst ein paar wichtige Fakten: Wisst ihr, dass Camilla sieben Jahre die Leitung unserer fantastischen KIS-Jahrestagung innehatte? Dass sie und ihr Team während der Pandemie die Jahrestagung in kürzester Zeit «online» aus dem Hut zauberten und damit gleichsam für uns die Frühlingstagung ins Leben riefen? Und noch dazu wirkte sie sechs Jahre im KIS-Vorstand! Ihre Freude an Verkleidungen wurde für uns im letzten September spürbar: wir verdanken es ihr, dass wir so viele Stars und Sternchen an der perfekt organisierten Party erleben durften. Verkleidungen sind wie Metaphern, welche Camilla mit einer genialen Leichtigkeit findet und damit alle Freunde der medizinischen Hypnose inspiriert. Camilla hat so viele Begabungen und Talente, dass ich mich lange gefragt habe, welche ich nenne und welche Reihenfolge ich wähle. Sie hat die Gabe, Menschen zu berühren – mit der authentischen Präsenz ihres Daseins, ihren sorgsam gewählten Worten und ihrer ruhigen und besonnenen Art, die sofort Vertrauen entstehen lässt. Sie hat die Gabe, Menschen ehrlich zuhören zu können, ihnen Raum zu geben und sie dort abzuholen, wo sie es gerade brauchen. Dabei steht für sie immer das Gegenüber im Vordergrund – nie sie selbst und ihre Bedürfnisse. Camilla nimmt neue Ideen auf, hinterfragt diese kritisch und zugleich respektvoll und äussert ihre Gedanken klar, fair und präzise. Gleichzeitig hat sie eine sehr vernetzte Art zu denken, weit über medizinische Belange hinaus. Sie handelt immer im Dienst der gemeinsamen Sache und behält den Blick auf das Wesentliche. In Gesprächen findet sie Worte, die echte Wertschätzung ausdrücken – für Kolleg:innen und Weggefährt:innen. Die kleinen Aufmerksamkeiten, mit denen sie viele von uns bedacht hat, werden uns immer in Erinnerung bleiben. Nie hat sie jemanden im Team vergessen. DR. MED. MERCEDES OGAL FACHÄRZTIN FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN, INTEGRATIVE MEDIZIN INNERSCHWEIZ AG, BRUNNEN Korrespondenzadresse: mercedes@ogal.ch Viva Camilla!! Eine stille Superkraft, die Grosses schafft. Über die wunderbare Gabe, ein Herz mit Worten und Präsenz zu erhellen. Und natürlich gibt es diese Momente, die dem Vorstand unvergesslich bleiben werden – wie der unfreiwillige Kurzausflug nach Oensingen, der bei jedem Insider ein Lächeln ins Gesicht zaubert, oder die Hauptreferentin, die im falschen Pfäffikon gelandet war. Camilla hat eine führende Rolle in unserem KIS-Ausbildungsteam zur medizinischen Hypnose über- nommen. Nicht laut oder drängend, sondern souverän, wohlüberlegt und mit einer Zuverlässigkeit, die uns allen guttat. Es war und ist ihr ein Herzensanliegen beziehungsweise ihre Passion, die medizinische Hypnose und insbesondere die hypnotische Sprache und Konversationshypnose in die Welt hinauszutragen – zu den ärztlichen Kolleg:innen, den Kindern und Jugendlichen sowie deren Eltern. Inzwischen ist sie seit mehreren Jahren als sehr geschätzte Referentin des National Pediatric Hypnosis Training Institute (NPHTI) tätig und reist dafür jährlich in die USA. Beruflich steht Camilla für die grundversorgende Pädiatrie mit einem hohen Berufsethos ein. Sie arbeitet gewissenhaft, kompetent, mit einem fundierten Fachwissen und gleichzeitig hohem Einfühlungsvermögen. Noch dazu ist sie ein Familienmensch und einfach einer dieser «Gutmenschen», für die es sich lohnt, zu leben und sie zu treffen. Kennt ihr die Geschichte vom Zaunkönig und vom Adler, erzählt von Jane Goodall? Der kleine Zaunkönig fliegt im Gefieder des Adlers mit und fliegt sogar noch ein Stückchen höher (wie in der Fabel). Doch bei Jane Goodall gibt es keine Sieger und Verlierer, sondern die Erkenntnis, dass man gemeinsam am höchsten fliegen und am meisten erreichen kann. Sie schreibt: «Niemand kann aus eigener Kraft sehr hoch fliegen. Wir brauchen alle einen Adler. Wir brauchen die Hilfe anderer …». Für uns bist Du, liebe Camilla, so ein Adler, der andere Leute hoch trägt und sie fliegen lässt. Mit Deinem Rücktritt verliert der KIS-Vorstand eine inspirierende Denkerin und tragende Kraft. Danke, liebe Camilla, dass Du uns allen weiterhin als engagierte Kinderärztin, geschätzte Kollegin und vor allem als Mensch verbunden bleibst! Gerne möchte ich mich von Herzen beim «Camilla-FanTeam» – dem gesamten Vorstand, der Geschäftsleitung und Birgitta Thomann – fürs Mitwirken bedanken. Eure Zeilen haben mich sehr berührt und inspiriert. ■ Foto: Rainer Schmid Detail Studios Foto: Michael Rieder Photography Foto: Daniel Brandl Foto: Rainer Schmid Detail Studios Foto: srf.ch Foto: Beatrice Kivanc Foto: Rainer Schmid Detail Studios

01 / 2026 BERUFSPOLITIK KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 9 Der Berufsverband mfe setzt sich mit Nachdruck dafür ein, diese Korrekturmechanik zu überarbeiten und die Grundversorgung wirksam zu schützen. Konkret muss das allgemein anerkannte Ziel der tarifarischen Aufwertung der Grundversorgung noch klarer dokumentiert und im Rahmen der Korrekturmechanismen auch geschützt werden. Klar ist: Eine nachhaltige Stärkung der Kinder- und Jugendmedizin darf nicht an rein technischen Steuerungsmechanismen scheitern. Tarif-Schulungen im März 2026: Update und Stolperfallen Die Einführung von TARDOC hat gezeigt, dass neben der politischen Ebene vor allem die praktische Anwendung im Alltag entscheidend ist. mfe bietet deshalb im März 2026 erneut Online-Schulungen für Mitglieder an. Im Fokus stehen dieses Mal die wichtigsten Stolperfallen aus der Praxis. Die Teilnehmenden erhalten konkrete, praxisnahe Hinweise zur sicheren Anwendung des Tarifs und können sich direkt mit Tarifspezialist:innen der Tarifkommission austauschen. Dieser Dialog ist zentral, um Unsicherheiten zu klären und Rückmeldungen systematisch aufzunehmen. Tarif-Version 2027 in Sicht Bereits absehbar sind Anpassungen des neuen Tarifs: Per 1. Januar 2027 werden voraussichtlich diverse Verbesserungen im TARDOC für die Kinder- und Jugendmedizin in Kraft treten. Ziel ist es, erkannte Schwachstellen zu beheben und die Tarifstruktur weiter zu optimieren. mfe wird im Herbst 2026 umfassend über die geplanten Änderungen informieren. Fazit TARDOC ist Realität – mit spürbaren Verbesserungen für die Kinder- und Jugendmedizin, aber auch mit offenen Baustellen. Die Praxen haben die Einführung mit grossem Engagement gemeistert. Nun gilt es, die erreichte Aufwertung politisch zu sichern, technische Mängel konsequent zu beheben und die Anwendung weiter zu professionalisieren. ■ TARDOC ist da – und was nun? Die Einführung von TARDOC ist vollzogen – und die ersten Rückmeldungen aus euren Praxen sind insgesamt positiv. Die Umstellung bedeutete für alle Beteiligten einen erheblichen Mehraufwand. Prozesse mussten überprüft, Software angepasst, Teams geschult werden. Umso erfreulicher ist, dass es in unseren Praxen zu relativ wenigen wesentlichen Problemen kam. Dieses Resultat ist nicht selbstverständlich und verdient Anerkennung: Das Engagement in euren Praxen war ausserordentlich! Ganz reibungslos verlief der Start dennoch nicht. Schwierigkeiten traten vor allem in der praktischen Umsetzung mit der IT auf – diverse Fehler in der Praxissoftware, aber auch im Tarif selbst, wurden entdeckt. Nur ein Beispiel ist die aktuell nicht mögliche Kombination der Hüftsonografie-Wechselzeit mit der Vorsorgeuntersuchung. Solche Probleme sind ärgerlich und führen im Alltag zu Mehraufwand. Ihre Korrektur braucht Zeit – nicht zuletzt, weil jede Tarifanpassung (auch offensichtliche Fehlerkorrekturen) eine Genehmigung durch den Bundesrat brauchen. Hier zeigt sich: Ein neuer Tarif ist mit seiner Einführung nicht abgeschlossen, sondern ein dynamischer Prozess. Alarm: Aufwertung in Gefahr Mit TARDOC wurde jetzt hoffentlich endlich eine längst überfällige Aufwertung der kinder- und jugendmedizinischen Versorgung erreicht (offizielle Zahlen dafür liegen noch nicht vor). Diese Errungenschaft ist jetzt aber schon wieder ernsthaft gefährdet. Politisch vorgegeben ist mit dem Tarifwechsel eine kostenneutrale Phase. mfe fordert seit Monaten eine «separate Steuerung» der Grundversorgung. Nur so kann die gewollte und notwendige tarifarische Aufwertung nachhaltig gesichert werden. In den aktuellen Steuerungskonzepten zu TARDOC und den ambulanten Pauschalen ist diese Forderung jedoch weiterhin nicht ausreichend berücksichtigt. Die derzeit vorgesehenen Mechanismen zur Sicherstellung der Kostenneutralität sehen zwar formal eine separate Steuerung vor, doch schützen sie unsere aktuell erreichte Aufwertung nicht. Die Konsequenz ist brisant: Durch die technische Umsetzung der sogenannten dynamischen Kostenneutralität könnten die verbesserten Tarife für die Grundversorgung schon bald wieder relativiert werden – faktisch eine Abwertung durch die Hintertür. DR. MED. DANIELA BERGER VORSTANDSMITGLIED MFE, ZUSTÄNDIGKEIT TARIFE UND PÄDIATRIE, ZÜRICH Korrespondenzadresse: daniela.berger@ hausaerzteschweiz.ch DR. MED. STEFAN ROTH VORSTANDSMITGLIED MFE, ZUSTÄNDIGKEIT PÄDIATRIE, VORSTANDSMITGLIED KINDERÄRZTE SCHWEIZ, LIEBEFELD Korrespondenzadresse: stefan.roth@ hausaerzteschweiz.ch

BERUFSPOLITIK 01 / 2026 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 10 Eingeladen in den Tagungsraum der Geschäftsstelle in Dietikon waren wie jedes Jahr interessierte KIS- Mitglieder, der Vorstand und geladene Referent:innen zu diesem zukunftsorientierten Thema. APNs bieten grosses Potenzial, die Versorgungsqualität und Versorgungssicherheit zu stärken, aber die fehlende gesetzliche Grundlage und die nicht geregelte Abrechenbarkeit im KVG sind aktuell Hindernisse auf dem Weg zu einer interprofessionellen Zusammenarbeit und innovativen Modellen der Grundversorgung in der Pädiatrie. Was ist eine APN? Eine Advance Practice Nurse ist ein:e akademisch ausgbildete:r Pflegeexpert:in mit postgradualem Abschluss. Voraussetzung sind ein Bachelorstudium in Pflege und ein Master of Science in Pflegewissenschaften, welche an verschiedenen Hochschulen in der Schweiz angeboten werden. «Gemäss den heute bestehenden gesetzlichen Grundlagen im Bundesgesetz über Krankenversicherung können Pflegeexpert:innen APN aktuell ausschliesslich Pflegeleistungen gegenüber der obligatorischen Krankenpflegeversicherung oder anderen Sozialversicherungen abrechnen. Im Auftrag des Bundesrates prüft das BAG bis Mitte 2026, ob und wie Pflegeexpert:innen APN zukünftig auch Leistungen abrechnen können, die ihren erweiterten Kompetenzen entsprechen.», so der Wortlaut des Bundesamtes für Gesundheit BAG heute.1 Mit Hintergrundwissen, Erfahrung und Berichten aus dem Alltag waren daher drei APNs für den Nachmittag eingeladen. Gestartet hat Dr. Anna-Barbara Schlüer, Pflegeexpertin klinische Pflegewissenschaft, Co-Modul-Leiterin des Master of Science in Pflege an der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften Winterthur mit Lehrtätigkeit im Schwerpunkt Pädiatrie, sowie tätig als APN im Inselspital Bern und in der Kinderspitex Bern. Das APN-Konzept unterscheidet fliessend zwischen DR. MED. IRMELA HEINRICHS VORSTANDSMITGLIED KINDERÄRZTE SCHWEIZ, LEITERIN REDAKTIONSKOMMISSION, USTER Korrespondenzadresse: iheinrichs@hin.ch Das Thema des traditionellen Impulsateliers vom 22. Januar 2026 wurde hochaktuell und kontrovers diskutiert: «Die APN (Advanced Practice Nurse) in der pädiatrischen Praxis: Chancen und Grenzen nicht-ärztlicher Fachkräfte.» Impulsatelier 2026: APN – they care! Clinical Nurse Specialists (CNS) mit Fokus auf pflegewissenschaftlicher Expertise und Nurse Practitioners (NP) mit Fokus auf Patient:innenenversorgung, inklusive teilweiser Übernahme von ärztlichen Tätigkeiten. International ist diese Rolle schon lange etabliert, vor allem im englischsprachigen Raum und in nordeuropäischen Ländern. In der Schweiz arbeiten APNs seit ungefähr 20 Jahren. In einzelnen Kantonen (VD, NE, VS) sind die Tätigkeiten seit 2022 tariflich abrechenbar, in verschiedenen anderen Kantonen gibt es Pilotprojekte (siehe unten). Nun werden in der Agenda Grundversorgung die APNs erwähnt, um die regulatorische und rechtliche Situation festzulegen. Als Hauptdiagnosen aus ihrem Alltag berichtet AnnaBarbara Schlüer von Kindern mit ASS, ADHS, Schulabsentismus sowie Angststörungen. In ihrer Aufgabe in der Kinderspitex beobachtet sie, je weiter ländlich die pädiatrischen Patient:innen wohnen, desto weniger ist die Betreuung durch Kinderärzt:innen oder andere medizinische Institutionen gegeben. Aufsuchende Betreuung beim Kind in seiner häuslichen Situation ist daher sehr hilfreich. Die Anmeldung erfolgt oft direkt über die Familien, aber auch über Haus- und Kinderärzt:innen oder zum Beispiel die KESB. Die Aufgaben der APN sind: Assessment, Diagnostik, Beratung hinsichtlich Medikation sowie die Unterstützung der schulischen und beruflichen Integration. Was sagt die Wissenschaft? Eine Cross-Case-Analyse konnte zeigen, dass Kinderärzt:innen die APNs als positive Unterstützung in der Grundversorgung ansehen und von der interprofessionellen Zusammenarbeit profitieren. Eine fundierte Ausbildung, die Analyse der Praxisorganisation und der Rollenbilder werden als notwendig erachtet, um eine Entlastung und qualitative Bereicherung im Praxisalltag zu erzielen.2 Weltweit arbeiten aktuell geschätzt 6000 Nurse Practitioners in der Pädiatrie, zwei davon in der Praxis kindermedizin an der oper in Zürich. Prof. KD Dr. med. Katrin Fasnacht stellte diese beiden APNs vor: Seraina Brooks und Dr. Corinne Brunner. Seit knapp einem Jahr teilen sich beide eine 100%- Stelle, gefördert für 3 Jahre von der Gesundheitsdirektion des Kantons Zürich als Pilotprojekt: «Advanced Practice Nurses in der pädiatrischen Grundversorgung». Die interdisziplinäre Zusammenarbeit hat sich jetzt schon Abbildung: Katrin Fasnacht APN – they care! Pilotprojekt «Advanced Practice Nurses» in der pädiatrischen Grundversorgung

01 / 2026 BERUFSPOLITIK KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 11 so gut bewährt, dass sich alle Seiten gar nicht mehr vorstellen können, zukünftig ohne APNs in der Kinderarztpraxis zu arbeiten. Bisher konnten 253 Patientenkontakte gezählt werden. Vorgestellt wurden drei definierte Einsatzbereiche: ■ Kinderhaut: 58% ■ ADHS / psychosoziale Probleme: 11 % ■ Notfälle: 31 % Die umfassende dermatologische Betreuung erfolgt durch eine APN mit langjähriger Erfahrung in der Pflege in der Dermatologie im Kinderspital Zürich. Im Bereich ADHS sind die APNs unter anderem bei der Diagnosestellung und der Beratung involviert. Vor allem bei zeitlich intensiven Beratungen (Adipositas, Obstipation, Scheidungssituationen) kann durch die Beratung und Betreuung der APNs zeitnah und ganzheitlich eine Therapie gewährleistet werden. Was sagt die Wissenschaft? ■ APNs können korrekte Diagnosen stellen3 ■ APNs führen zu niedrigeren Kosten im Gesundheitssystem4 ■ Teamwork Ärzt:in und APN auf pädiatrischen Notfallstationen klinisch sehr effizient; sogar schneller als Assistenzärzt:in, Oberärzt:in und Team bei gleichem Outcome5 Die Abrechnung in dem Pilotprojekt erfolgt unter ärztlichen Tarifen unter Supervision, der Jahreslohn wird mit CHF 99000 bis CHF 128000 angegeben, entsprechend einem assistenzärztlichen Gehalt im Kanton Zürich. Nach der Kaffeepause erzählte Seraina Brooks aus ihrem Alltag. Sie arbeitet in der MediX Praxis Pizol Care in Sargans sowie 25 % in der Praxis kindermedizin an der oper in Zürich. Sie selbst bringt einen jahrelangen Erfahrungsschatz aus der Pädiatrie mit: Ausbildung als Pflegefachfrau HF in der Kinder- und Jugendmedizin, Master of Science in Nursing und 20 Jahre in der pädiatrischen Notfallabteilung sowie 8 Jahre Erfahrung als APN im Kinderspital. Der Beginn ihrer Arbeit in der Praxis in Sargans war ein Bottom-up-Projekt mit definiertem, begrenztem Rahmen und regelmässiger Evaluation. Der Bedarf für pädiatrische Patient:innen ist in Sargans sehr gross. Ein wichtiger Teil im Alltag sind Vorsorgeuntersuchungen nach den Leitlinien von pädiatrie schweiz mit dem uns allen bekannten Vorsorgekoffer. Als «School Nurse» im Tandem mit einer MPA führt sie präventive Untersuchungen im Kindergarten, der 5. Klasse und der Oberstufe durch, inklusive Visusprüfung, Hörtest, Vitalparameter, Grösse, Gewicht, Bodymassindex und Untersuchung der Grobmotorik und der Wirbelsäule. Der zweite grosse Aufgabenbereich sind Notfallpatient:innen: Am Telefon werden die Kinder und Jugendlichen nach dem 5-Stufen-Dringlichkeitssystem triagiert und alle Patient:innen mit Stufe 4 und 5 der APN zugeteilt. Regelmässige Supervision und enge Zusammenarbeit mit den Praxiskolleg:innen sind üblich. Nach drei spannenden Inputs aus dem Praxisalltag verschiedener APNs haben die Referentinnen betont, dass sich unser Gesundheitssystem im Wandel befindet und es sich lohnt, offen zu sein für neue Möglichkeiten. Fragen aus dem Publikum waren unter anderem: ■ «Was bleibt die ärztliche Kernkompetenz?» ■ «Können APNs dort in die Lücken springen, wo es nicht genug Kinderärzt:innen gibt?» ■ «Wie gross ist die Bereitschaft von APNs, in abgelegenen Gebieten zu arbeiten, falls es dauerhaft mehr Stellen für sie gibt?» ■ «Welches ist der Benefit auf ärztlicher Ebene?» ■ «Wie sieht es rechtlich aus in der Arztpraxis – wer haftet am Ende?» ■ «Wie können wir die Fort- und Weiterbildung in der Praxis garantieren für APNs, neben der Ausbildung für Studierende und Assistenzärzt:innen?» neu gefördertes Pilotprojekt Gesundheitsdirek on Kanton Zürich 3 Jahre welche Bedingungen für welche Leistungen Machbarkeit und Akzeptanz Umstrukturierung in der Grundversorgung Anpassung des Tarifsystems neues Versorgungsmodell Pilotprojekt APN Abbildung: Katrin Fasnacht Foto: Daniel Brandl

BERUFSPOLITIK 01 / 2026 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 12 ■ Auf politischer Ebene stellt sich die Frage: «Wer ist am günstigsten? Was hat das für Auswirkungen für uns Kinderärzt:innen?» ■ «Wie können wir die interprofessionelle Arbeit klar definieren?» ■ «Im Moment gibt es viele APNs mit jahrelanger Erfahrung im Gesundheitsbereich, sogar in der Pädiatrie, die sehr engagiert sind. Wie wird es, wenn die APNs direkt ihr Masterstudium ohne jahrelange Vorerfahrung absolvieren?» ■ «Wie viel Zeit wird in der Praxis für Übergaben notwendig? Sind diese abrechenbar? Stellen beide Seiten eine Rechnung?» ■ «Wie zufriedenstellend ist die Arbeit dauerhaft für die APNs?» ■ «Verdoppeln sich die Kosten, wenn jede APN über den ärztlichen Tarif abrechnet?» ■ «Wo sehen wir die Rolle von unseren MPAs versus APNs? Übernehmen unsere MPAs nicht derzeit viele dieser Aufgaben?» Damit die Kinderärzte Schweiz NEWS auch künftig lebendig, relevant und nah am Praxisalltag bleibt, suchen wir engagierte Kolleg:innen, die Lust haben, sich in der Redaktionskommission einzubringen. Was Dich erwartet • Mitarbeit an der inhaltlichen Planung der Zeitschrift • Anfrage, Begleitung und Redaktion von Beiträgen • Austausch im Team zu aktuellen pädiatrischen Themen • Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen oder einzelne Ausgaben mitzugestalten • Zusammenarbeit mit Autor:innen, Geschäftsleitung und Vorstand Was Du mitbringst • Freude am Schreiben, Lesen und Redigieren • Interesse an praxispädiatrischen Fragestellungen • Stilsicherheit, Kommunikationsfreude und Teamgeist • Kreativität und Organisationstalent • Motivation, den Verband aktiv mitzugestalten Zeitaufwand • 4 Online-Sitzungen pro Jahr (je ca. 1½ Std.) • 1 jährliche Planungssitzung (½ Tag) • ca. 3–4 Stunden pro Ausgabe • Optional: Co-Editoriat eines Heftes (ca. 10 Std.) Dann freuen wir uns auf Deine Kontaktaufnahme – auch unverbindlich. Dr. med. Irmela Heinrichs iheinrichs@hin.ch 044 940 25 00 Dr. Daniel F. Brandl, PhD daniel.brandl@kis.ch 044 520 27 12 Kinderärzte Schweiz sucht Verstärkung für die Redaktionskommission Neugierig? Hat Dich dieser Artikel inspiriert? Dann gestalte die Kinderärzte Schweiz NEWS aktiv mit! Diese Problemstellungen bleiben noch unbeantwortet; aktuell stehen im Vordergrund noch die Aspekte der rechtlichen Grundlage und der Abrechnung. Zum Abschluss noch eine Frage von unserem Präsidenten Marc Sidler an die Referentinnen: «Was wünschen sich die APNs von unserem Berufsverband?» Diese Frage kann einstimmig beantwortet werden: Der Wunsch ist ein Grundverständnis für APNs unter Kinderärzt:innen; Praktikastellen in Praxen; im Dialog bleiben und Stärkung der pädiatrischen Grundversorgung durch Interprofessionalität. Diese Entwicklung wird auch in der Schweiz nicht aufzuhalten sein; es ist immer besser, offen und innovativ zu sein. Wir hoffen, das diesjährige Impulsatelier und dieser Artikel können dazu beitragen. ■ Foto: Daniel Brandl

01 / 2026 BERUFSPOLITIK KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 13 QUELLEN 1 https://www.bag.admin.ch/de/pflege-berufliche-entwicklung- foerdern (abgerufen am 18. Februar 2026) 2 van Kleef, Pascale; Schlüer, Anna-Barbara; Baenziger, Oskar, Die Advanced Practice Nurse in Schweizer Kinderarztpraxen, bisher nicht publizierte Studie der ZHAW Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften. 3 Vedanayagam, Mario; Buzak, Martina; Reid, Duncan, et al. «Advanced practice physiotherapists are effective in the management of musculoskeletal disorders: a systematic review of systematic reviews». Physiotherapy. 2021;113:116-130. 4 Lafrance Simon; Demont, Anne; Thavorn, Kieran, et al. «Economic evaluation of advanced practice physiotherapy models of care: a systematic review with meta-analyses». BMC Health Serv Res. 2021;9;21(1) und Martin-Misener, Ruth; Harbman, Patricia; Donald, Faith, et al. «Cost-effectiveness of nurse practitioners in primary and specialised ambulatory care: systematic review». BMJ Open, 2015;5. 5 McDonnell, William; Carpenter, Pamela; Jacobsen, Kammy, et al. «Relative productivity of nurse practitioner and resident physician care models in the pediatric emergency department». Pediatr Emerg Care. 2015;31(2):101.

01 / 2026 DIE MPA SEITE KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 15 Mein erstes, aber sicher nicht letztes Mal am SVA Davoser Kongress für MPAs Seit mehreren Jahren hat mein Chef Raffael Guggenheim mich immer wieder auf den Davoser Kongress aufmerksam gemacht, dieses Jahr habe ich endlich teilgenommen. Die grösste Motivation war natürlich, dass das Thema im Jahr 2025 «Pädiatrie» war und ich mit grosser Vorfreude, aber ohne grosse Erwartungen an den Kongress ging. Schon bei der Anmeldung Wochen vorab habe ich gestaunt, wie viele Referate/Workshops ausgeschrieben waren, und die Entscheidung, wo ich teilnehmen soll, fiel mir sehr schwer. SARAH SCHAMAUN MEDIZINISCHE PRAXISASSISTENTIN UND DOULA, KINDERARZTPRAXIS FRIESENBERG, ZÜRICH Korrespondenzadresse: kinderarztpraxis.friesenberg@ hin.ch deckung. Was für ein grossartiges Angebot dieser Stiftung – sogar Hausbesuche können organisiert werden. Alle Teilnehmenden haben auch tolle Produkte sowie Schminktipps für Krebspatient:innen bekommen. Ebenso in bester Erinnerung blieb mir der Workshop «Wie trauern Kinder und Jugendliche?» von Anita Finger (wietrauern.ch). Dies war für mich besonders von privatem Interesse, da meine Kinder die letzten Jahre immer wieder mit dem Tod konfrontiert wurden und der Verarbeitungsprozess meiner zwei Jungs nicht unterschiedlicher sein könnte. Die Referentin hat praktische Beispiele genannt, Rituale gezeigt und vor allem vermittelt, dass jegliche Art von Trauer okay ist. Der dritte Vortrag, welcher für mich als Doula von besonderem Interesse war, war der von Roger Mäder, FASD Schweiz (fasd-schweiz.ch) über die immer noch sehr unbekannte und auch tabuisierte Krankheit FASD. FASD steht für «Fetal Alcohol Spectrum Disorders» (Fetale Alkoholspektrumstörungen). Es betrifft Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft Alkohol trinken. Diese Krankheit ist absolut verhinderbar und müsste überhaupt nicht sein. Auch ist sie nicht heilbar und wird sehr oft mit ADHS verwechselt. Diese Fortbildung war für mich ungemein bereichernd. Am Abend nahm ich dann am Dinner der SVA teil: sehr feines Essen, ein lustiges Programm mit Comedian und anschliessend ein Tänzchen und «Schlumi» an der Bar. Die Stimmung war sehr gut, neue Bekanntschaften konnten geschlossen werden und viele werde ich sicher nächstes Jahr wiedersehen. Am Sonntagmorgen gab es noch ein paar letzte Referate, unter denen ich besonders das Abschlussreferat von Dr. med. Ruedi Grüring aus Interlaken erwähnen möchte. Dr. Grüring hat über seine Zeit als Kinderarzt erzählt – auf eine so witzige und erfrischende Art, dass er trotz Müdigkeit meine volle Aufmerksamkeit hatte, und ich mir das Lachen nicht verkneifen konnte. Als Fazit kann ich nur sagen: supergute, interessante Fortbildung, profitiert als MPA, als Mutter und als Doula. Für mich ist klar: Nächstes Jahr werde ich wieder in Davos sein – «Da vos schön ist …» ■ P.S. Vielleicht ist Ihnen der Begriff Doula nicht geläufig. In einer früheren Ausgabe der «KIS NEWS» (Nr. 3/2019, S. 14) habe ich über meinen zweiten Beruf und die Rolle einer Doula berichtet: epaper.vsdruck.ch/kinderaerzteschweiz/kis201903/14/ Fotos: SVA / Joana Ulmer Das Check-in am Freitag verlief reibungslos. Ich besuchte die ersten Industriestände und liess mir gleich einen Glucosesensor am Oberarm montieren. Nach der offiziellen Begrüssung ging es dann schon los mit den ersten Referaten und Workshops. Der Nachmittag verging im Nu, die Zeiten zwischen den Vorträgen konnten genutzt werden für weitere Besuche in der Industrieausstellung. Viele wertvolle Informationen, brauchbare Muster, grosszügige Gadgets, Verpflegung, Wettbewerbe und Networking, alles war vorhanden. Unsere Praxis bekam ab dem 1. Januar 2026 ein neues Zeiterfassungssystem; dieses wurde an einem Stand vorgestellt. Am Freitagabend genoss ich ein tolles Essen im Waldhotel, eingeladen von unserem Labor LG1. Viele Mitarbeitende kannte ich bis anhin bloss vom Telefon; die Gesichter nun dazu zu bekommen, war sehr schön und das Essen bündnerisch und sehr gut. Der zweite Tag war gefüllt mit vielen weiteren Referaten und Workshops. Ich fand es vor allem sehr vielseitig, konnte praktisch aus jeden 40 Minuten etwas Sinnvolles mitnehmen. Vieles an Fachwissen war mir schon bekannt, ein Refresher ist aber immer gut. Es gab aber auch viele neue Informationen, in besonderer Erinnerung blieben mir drei Workshops bzw. Referate: Ein Workshop war von «Look Good Feel Better» (lgfb.ch). Diese Stiftung bietet kostenlose Workshops für krebskranke Menschen an. Neben dem Gefühl, «nicht alleine zu sein» zu vermitteln, bot der Workshop auch praktische Tipps zur Hautpflege, Make-up und Kopfbe-

VERNETZUNG 01 / 2026 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 16 DR. MED. MICHAEL ESTEVES PEREIRA PRÄSIDENT UND GRÜNDER VON SAFETOGROW.CH, ASSISTENZARZT PÄDIATRIE, UNIVERSITÄTSKINDERSPITAL UND FLORA KINDERARZTPRAXIS, ZÜRICH, MISTER GAY EUROPE 2025 Korrespondenzadresse: michael.pereira@ safetogrow.ch safetogrow.ch INTERVIEWER: DR. DANIEL F. BRANDL, PhD GESCHÄFTSFÜHRER KINDERÄRZTE SCHWEIZ, DIETIKON Korrespondenzadresse: daniel.brandl@kis.ch Michael Esteves Pereira ist 31 Jahre alt, Kinderarzt in Weiterbildung und lebt seit fünf Jahren im Raum Zürich. Er hat portugiesische Wurzeln, ist in Zermatt aufgewachsen und hat in Bern Medizin studiert. Im Jahr 2025 wurde er zum Mister Gay Europe gewählt – ein Titel, der ihn unerwartet in die Öffentlichkeit rückte und ihm zugleich eine Plattform eröffnete, gesellschaftliche und gesundheitspolitische Themen sichtbar zu machen. Mister Gay Europe 2025: Pädiatrie mit Haltung – SAFE TO GROW lungsdynamik und der engen Begleitung von Familien über Jahre hinweg. Pädiatrie bedeutet für mich nicht nur, Krankheit zu behandeln, sondern Entwicklung zu begleiten. Besonders begeistert mich die Vielschichtigkeit des Fachs: Man behandelt nie nur ein Organ, sondern immer ein Kind in seinem familiären und sozialen Kontext. Gleichzeitig liegt darin auch die Herausforderung. Medizinische Entscheidungen sind oft eng verknüpft mit psychosozialen Faktoren, familiären Dynamiken oder gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Diese Komplexität erfordert fachliche Präzision ebenso wie Empathie und kommunikative Sensibilität. Das klingt fast wie ein Auszug aus dem offiziellen Berufsbild der Kinder- und Jugendärzt:innen. Das stimmt – und viele von uns haben diese Beschreibungen schon oft gehört. Gerade deshalb finde ich es wichtig, sie uns immer wieder bewusst zu machen. Sie erinnern uns daran, worum es in der Pädiatrie im Kern geht und warum wir diesen Beruf gewählt haben. Sichtbarkeit, Identität und Rolle als Vorbild Du trittst offen als schwuler Kinderarzt auf und wurdest im letzten Sommer zum Mister Gay Europe 2025 gewählt. ■ Welche Bedeutung hat diese Sichtbarkeit für dich persönlich – und welche für den Berufsstand der Pädiatrie? Meine Sichtbarkeit als schwuler Kinderarzt ist für mich kein Selbstzweck, sondern Ausdruck von Authentizität. Ich möchte meinen Beruf nicht getrennt von meiner Identität leben. Für den Berufsstand halte ich Sichtbarkeit für wichtig, weil sie Normalität schafft. Wenn junge Kolleg:innen oder auch Patient:innen sehen, dass queere Identität und pädiatrische Medizin selbstverständlich zusammengehören können, kann das Barrieren abbauen – nach innen wie nach aussen. Gerade im pädiatrischen Kontext sind Themen wie Homosexualität oder queere Identitäten historisch mit Unsicherheiten, Vorurteilen und teils schmerzhaften Stereotypen verbunden. Hier geht es nicht um Abwehrhaltungen gegenüber der sexuellen Entwicklung von Kindern oder um aktuelle Debatten wie die Diskussion um Pubertätsblocker, sondern um ein altes, tief sitzendes Vorurteil: die latente Angst, schwule Männer könnten automatisch mit Pädophilie in Verbindung gebracht werden. In diesem Interview spricht Michael Pereira über seinen Weg in die Pädiatrie, darüber, was ihn an diesem Fach fasziniert und wie er seine berufliche Zukunft sieht. Er erzählt von den Reaktionen seines privaten und beruflichen Umfelds auf seine Wahl, von Erfahrungen mit Sichtbarkeit im Gesundheitswesen und davon, wie er als offen schwuler Kinderarzt mit seiner Identität im klinischen Alltag umgeht. Im Zentrum steht zudem sein Herzensprojekt SAFE TO GROW, das Schulungen und forschungsbasierte Ansätze entwickelt, um LGBTQIA+ Kinder, Jugendliche und Regenbogenfamilien langfristig sicher, respektvoll und gleichberechtigt im Gesundheitswesen zu begleiten. Das Gespräch lädt dazu ein, über Haltung, Verantwortung und die Rolle der Pädiatrie in einer vielfältigen Gesellschaft nachzudenken. Persönlicher Hintergrund und Berufsweg ■ Wo stehst du aktuell in deiner Weiterbildung zum Kinder- und Jugendarzt, wo arbeitest du zurzeit – und was hat dich ursprünglich dazu bewegt, Kinderarzt zu werden, beziehungsweise was fasziniert dich an der Pädiatrie und fordert dich im Alltag heraus? Ich befinde mich aktuell im letzten Abschnitt meiner Weiterbildung zum Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. Zurzeit arbeite ich sowohl in einem universitären Setting am Universitäts-Kinderspital Zürich in der Notfallpraxis, als auch – als Teil des Praxiscurriculums – als Assistenzarzt in der Flora Kinderarztpraxis in Zürich. Diese beiden Settings ermöglichen mir zwei unterschiedliche, sich ergänzende Perspektiven auf die Versorgung von Kindern und Jugendlichen. Kinderarzt zu werden, war für mich früh klar: Mich fasziniert die Kombination aus medizinischer Komplexität, EntwickSAFE TO GROW – mehr Sicherheit, mehr Inklusion SAFE TO GROW setzt sich für ein sicheres und inklusives Umfeld für Kinder, Jugendliche und ihre Familien ein. Auf der Projektwebsite finden sich weiterführende Informationen zum Anliegen sowie die Möglichkeit, das Projekt finanziell zu unterstützen. Erfahren Sie mehr über das Projekt und wie Sie es unterstützen können auf: safetogrow.ch

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