KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 4/2025

04 / 2025 FÜR SIE GELESEN KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 59 DR. MED. STEFANIE GISSLER WYSS MITGLIED REDAKTIONSKOMMISSION, NEUENDORF Korrespondenzadresse: s.gissler@hin.ch Verlag: Hogrefe Publikationsjahr: 2025 ISBN: 978-3-456-86356-6 Anzahl Seiten: 160 Lösungsorientierte Maltherapie mit Kindern und Jugendlichen Wie Bilder Entwicklungsschritte ermöglichen, 1. Auflage Simone Riner/Jörg Merz sche oder Farben ausgelöst und versetzen die Person erneut in eine Stressreaktion. In der LOM-Traumaarbeit werden erinnerte Szenen gemalt. Häufig werden für Sinnes- oder Körperempfindungen Metaphern gewählt (Tiere, Früchte, Süssigkeiten, Spielzeug, Alltagsgegenstände etc.). In einem zweiten Schritt werden die Bilder dann «in Ordnung» gebracht, d. h. so übermalt, dass sie der Realität entsprechen. Durch das langsame Übermalen des emotional aufwühlenden Bildes wird die alte Erinnerung überschrieben und die aktuelle Situation neu abgespeichert (vergleichbar mit der EMDR [Eye Movement Desensitization and Reprocessing] in der Psychotherapie). Im Buch werden verschiedene weitere Formen der Therapie beschrieben, z. B. mit Porträts oder Selbstporträts oder sogenannten System-Metaphern. Ich muss gestehen, dass ich als Kinderärztin mit schulmedizinischem Hintergrund nicht alles nachvollziehen konnte. Die diversen Fallgeschichten aber beschreiben Verläufe, die ich mir bei meinen Patient:innen mit Ängsten, Essstörungen, Schulverweigerung, Selbstverletzungen etc. zum Teil wirklich wünschen würde. Das Kennenlernen dieser Methoden hat mich dazu bewegt, die kritische Haltung gegenüber alternativen Therapieformen zu überdenken. Letzte Woche habe ich einer traumatisierten Jugendlichen mit psychosomatischen Beschwerden und abgebrochener bzw. verweigerter Psychotherapie die Maltherapie empfohlen. Nach kurzer Bedenkzeit hat sie mich nun um eine Überweisung gebeten. Vielleicht kann ich ihre Geschichte auch in der Zukunft in die Reihe der Fallbeispiele mit erfreulichem Verlauf einordnen. Anmerkung: Kunsttherapeut:innen bzw. LOMTherapeut:innen, die eine anerkannte Ausbildung haben, können meist über die Zusatzversicherung abrechnen (Suche über EMR-Register. Eine Nachfrage bei der Krankenkasse oder ein Antrag für eine Kostengutsprache ist zu empfehlen.). ■ Bis zur Lektüre dieses Buches von Simone Riner, einer Kunsttherapeutin mit eigener Praxis, und Jörg Merz, Psychotherapeut mit klassischer Ausbildung in klinischer Psychologie, welcher die Methode der lösungsorientierten Maltherapie mit entwickelte, wusste ich nicht viel über Kunst- oder Maltherapie. Es war mir einzig bekannt, dass diese Therapieform in verschiedenen Kliniken, z. B. auch auf psychosomatischen Stationen der Kinderspitäler, eingesetzt wird. Wie unser pädiatrischer Kollege Ronny Jager im Vorwort beschreibt, zeigt dieses Buch, wie «Kinder und Jugendliche durch das lösungsorientierte Malen (LOM) eine neue Form von Kommunikation finden und dadurch positive Veränderungen in ihrem Leben erfahren. Denn oft fällt es jungen Menschen schwer, ihre Gefühle, Bedürfnisse und Gedanken in Worte zu fassen.» Es spielt keine Rolle, ob jemand gerne malt oder gut malen kann. LOM wird als Ergänzung zu einer konventionellen Psychotherapie eingesetzt oder auch als alleinige Therapieform, gerade wenn jemand nicht sprechen mag oder kann. In der neuropsychologischen Forschung wurde die Wirkung des Malens unter anderem auf das Stressverarbeitungssystem, das Impulskontrollsystem, das Selbstberuhigungssystem sowie auf die Realitätswahrnehmung und das Bindungsverhalten beschrieben. Im Buch wird der LOM-Ansatz als eine Form der Kunsttherapie vorgestellt. Die Therapieform wird bei verschiedensten Schwierigkeiten und Belastungssituationen in der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen (und auch bei Erwachsenen) eingesetzt, wie in den zahlreichen Fallbeschreibungen, die den Hauptteil des Buches ausmachen, von verschiedenen Kunsttherapeut:innen geschildert wird. Dabei wird nach einem definierten Schema gearbeitet. In einem ersten Schritt wird mit verschiedenen Fragen das Anliegen bzw. das Problem der malenden Person erfasst. Es werden Skalen-Werte für die momentane Belastung sowie für die Stimmigkeit einer positiven Kognition (als Zielsetzung) bestimmt. Die Veränderung wird im Verlauf des Therapieprozesses regelmässig erfasst. LOM wird vor allem auch in der Traumatherapie eingesetzt. Traumatische Erfahrungen äussern sich häufig in Flashbacks: wiederkehrende Bilder des Erlebnisses oder auch nur Bruchstücke davon werden meist unbewusst durch einen Trigger wie Gerüche, Atmosphären, GeräuBild: Hogrefe Verlag

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