KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 4/2025

04 / 2025 ERFAHRUNGSBERICHT KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 55 DR. MED. KATJA RÖLLIN GALLIKER FMH KINDER- UND JUGENDMEDIZIN, LUZERN Korrespondenzadresse: Katja.roellin@hin.ch Leora Kuttner, die exzellente, pädiatrische Hypnosetherapeutin aus Vancouver, in Begleitung ihres Schweizer Dream-Teams Camilla Ceppi, Ines Baruffol, Kerstin Berger und Birgitta Thomann bot uns zwei reich gefüllte, unvergessliche Tage in Zürich. Entdeckung von Metapher als Game-Changer Masterclass medizinische Hypnose mit Professor Leora Kuttner 19./20. Juni 2025 Die besten Metaphern kommen meistens vom, von der Patient:in. Zum Beispiel ein Auto im Tunnel, bei einem Kind mit funktionellen Bauchschmerzen – das Kind lernt das Auto zu steuern, zu beschleunigen oder zu bremsen und das Tempo anzupassen. Im Vortrag von Camilla zum Thema «Wie Kinder zu neuen Erfahrungen bewegen» erfuhren wir, wie wichtig die Bewegung für Kinder im Vorschulalter ist. Kinder sind Körperwesen und kommunizieren häufig mit der Körpersprache. So ist die Bewegung ein wichtiges Ausdrucksmittel für Kinder <6 Jahre. Camilla zeigte uns auf, wie sich Bewegung und Metapher verbinden lassen. Bei jüngeren Kindern eignet sich die Lieblingsbewegung gut, um den Zugang zu sich selbst und seinen eigenen Lösungen zu finden. Am zweiten Kurstag tauchten wir ganz in die Welt der Geschichten und Märchen bzw. Heldengeschichten ein. Wir lernten, wie wir diese als indirekte Suggestionen verwenden können. «Es war einmal ein Kind, das eine ähnliche Schwierigkeit hatte wie du und das…» Das Storytelling ist eine Geschichte über ein anderes Kind mit Ähnlichkeiten zum, zur Patient:in und gibt indirekt Vorschläge über Erfahrungen, Lösungen oder alternative Ideen. Die Erfolgsgeschichten verstärken das Interesse, die Motivation, vermitteln Hoffnung und öffnen den Zugang zu den eigenen, inneren Ressourcen des, der Patient:in. Einen ähnlichen Effekt haben Heldengeschichten bei Jugendlichen. Die zwei grossartigen Kurstage gingen viel zu schnell vorbei. Am Schluss gab es eine Standing Ovation für die Referentin Leora Kuttner. Wir bekamen alle einen bunten Blumenstrauss in Konversationshypnose geschenkt, aus dem ich hier nur einige schöne Blumen ausgewählt habe. Nochmals ganz herzlichen Dank an die Organisatorinnen und an Leora Kuttner für diese zwei wundervollen Tage. ■ Vom ersten Augenblick an waren wir gefesselt von der wunderbaren Sprache von Leora. Nach einer Vorstellungsrunde zeigte uns die Referentin Kernpunkte der pädiatrischen Hypnose auf. Folgende Punkte waren ihr wichtig: ■ Hypnose ist Kommunikation. Mit einer bewussten und vorsichtigen Sprache können wir die kindliche Vorstellungskraft gewinnen und positive Veränderungen bewirken. ■ Das Prinzip der Aufmerksamkeit: Fokussierung bewirkt eine Verstärkung/Erweiterung: «We get what we focus on.» ■ Die Wichtigkeit einer einladenden und erlaubenden Sprache zeigte uns Leora sehr bildlich auf. Das Gegenüber solle sich als Gast fühlen: «Please take a seat, do you want a coffee or a tea?» Einladungen wirken ermutigend und bilden das Grundgerüst der Zusammenarbeit zwischen Kind/ Jugendliche:m und Therapeut:in. Leora führte uns tiefer in das Thema Konversationshypnose ein, für die es im Gegensatz zur formalen Hypnose keine Einwilligung braucht. Zuerst lernten wir die Metapher als Form der hypnotischen Suggestion kennen. Die Metapher als Brücke zwischen der Domäne der inneren Bilder und des wirklichen Lebens. Take-Home-Messages ■ Wichtig sind Keywords – Schlüsselwörter, die vom Kind selbst kommen; das fördert den Kontakt, das Vertrauen und ist die Basis unserer Arbeit in medizinischer Hypnose ■ Konversationshypnose als Hypnoseform, für die es keine Einwilligung braucht, kann jederzeit angewendet und einfach in den Praxisalltag integriert werden ■ Bewegung/Lieblingsbewegung als möglicher Zugang für Kinder im Vorschulalter ■ Storytelling: eine wunderbare Möglichkeit bei scheuen Kindern, die Kinder müssen nichts aktiv tun

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