ERFAHRUNGSBERICHT 04 / 2025 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 54 MED. PRACT. ZOË NOCITO FACHÄRZTIN FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN, PRAXIS AM LINDBERG, WINTERTHUR Korrespondenzadresse: zoe.nocito@hin.ch Nach dem grossen Erfolg der letztjährigen «Best-of»-Fortbildung von Sepp Holtz haben sich dieses Jahr alte und neue Hasen und Häsinnen zum zweiten Teil im Alterszentrum Hottingen zusammengefunden. Die «kleine» Entwicklungspädiatrie – «Best-of …» Teil 2 vom 5. Juni 2025 Ein sehr eindrückliches Video einer Vorsorgeuntersuchung thematisierte die Wichtigkeit des «Energiebarometers» der Eltern. Besonders aufschlussreich ist es, die Eltern ihr Energielevel gegenseitig einschätzen zu lassen. Was braucht es, um im Energiebarometer einen Punkt aufzusteigen? So können sich Gespräche entwickeln, die es den Eltern ermöglichen, sich selbst und einander besser zu helfen, oder sich vielleicht extern Hilfe zu suchen. Schliesslich diskutierten wir noch über Vorsorgeuntersuchungen mit Jugendlichen. Die Eltern in einem gesunden Mass miteinzubeziehen und gleichzeitig den Jugendlichen ihren Raum zu geben, ist ein Balanceakt. Es sollte immer die Möglichkeit geben, einen Teil der Untersuchung ohne die Eltern durchzuführen. Dann kann die Frage «Was denkst du – über welche Themen könnte man besser ohne Eltern sprechen?» Türen öffnen. Ein interessiertes, wohlwollendes Setting zeigt: «Ich möchte, dass es dir gut geht.» Mit vielen aufgefrischten und neuen Ideen haben wir die diesjährige Fortbildung abgeschlossen. Und wer Lust auf eine Fortsetzung hat: Teil 3 folgt am 26. Juni 2026! ■ Zum Aufwärmen und Kennenlernen liess uns Sepp erst einmal ein paar soziometrische Aufstellungen durchlaufen. Wer schon einmal eine seiner Fortbildungen besucht hat, der, die weiss, dass man sich hier nicht zurücklehnt, sondern das Programm aktiv mitgestaltet – Müdigkeitsattacken haben keine Chance! Wie schon letztes Jahr durften wir somit auch diesmal wieder diejenigen Themen auswählen, die uns am meisten interessierten. Dazu zeigte uns Sepp dann jeweils ein Video. Im Anschluss entwickelten sich lebhafte Diskussionen, beispielsweise über den «idealen» Ablauf einer Vorsorgeuntersuchung. Wenn ein Termin unerwarteterweise plötzlich aufwändiger wird als geplant, kann das unsere Agenda schnell durcheinanderbringen. Trotzdem wollen wir den Bedürfnissen der Kinder und ihren Eltern gerecht werden. Wird der Zeitrahmen der Untersuchung klar kommuniziert, hilft das allen Beteiligten, den Fokus auf das Wesentliche zu legen. Scheinbare Kleinigkeiten wie das Anbieten einer Sitzgelegenheit signalisieren: «Ich nehme mir Zeit.» Kommen sehr viele verschiedene Themen auf, hilft es oft, einen Folgetermin zu vereinbaren und den Eltern vorzuschlagen, ihre Fragen aufzuschreiben. Die Frage «Was war heute das Wichtigste, das Sie von diesem Termin mitnehmen?» zeigt, wo der Fokus der Familie liegt (nicht immer deckt er sich mit unserem!). Fotos: Beatrice Kivanc
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