04 / 2025 JAHRESTAGUNG KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 45 Workshop MPAs: Kommunikation Stresssituationen meistern – Die Wirkung unserer Kommunikation REFERENTIN: PD DR. NOORTJE VRIENDS Psychologin, Universität Basel MODERATION: BRIGITTE LAURI Medizinische Praxisassistentin, Kinder- und Jugendmedizin Köniz MODERATION/AUTORIN: FABIENNE BÖSCH Medizinische Praxisassistentin, Kinderarztpraxis Landquart Korrespondenzadresse: fabienneboesch@gmx.ch Schwierigkeit, trotz Störungen fokussiert zu bleiben, und machten die Wirkung bewusster Sprache erfahrbar. Kernaussage für den Praxisalltag: Stresslevel bewusst prüfen – schon beim Betreten der Praxis. Wer seine Anspannung regulieren und Auslöser erkennen kann, schützt die eigene Präsenz und verhindert, dass Stress sich unbewusst auf Patienten, Eltern und Team überträgt. ■ Der Workshop von Dr. Noortje Vriends zeigte praxisnahe Strategien für gelingende Kommunikation unter Stress. Die zentrale Botschaft war, Stress frühzeitig zu erkennen (Stressampel Grün–Orange–Rot) und Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. Unter Stress reagiert der Körper mit Kampf, Flucht oder Erstarren – der präfrontale Kortex wird gehemmt, klares Denken «schaltet ab». Bewusste Selbstregulation (z. B. kurze Pause, Atemübungen) schafft Handlungsfähigkeit. Ein Schwerpunkt lag auf der Kommunikation: 80% laufen nonverbal ab. Paraverbale Signale (Tonfall, Tempo) sind ebenso entscheidend wie Worte. Hilfreich sind Ich-Botschaften («Ich fühle …»), um Klarheit zu schaffen und Eskalationen zu vermeiden. Zudem wurde das Konzept des empathischen Neins geübt: Grenzen setzen, ohne Beziehung zu belasten. Übungen verdeutlichten die REFERENT: DR. MED. CHRISTIAN WÜTHRICH Facharzt für Pädiatrie und Kinder- und Jugendpsychiatrie, Bollwerk 21, Bern MODERATION/AUTORIN: SUZAN INAK RÖSSLER Leitende Medizinische Praxisassistentin und Praxiskoordinatorin, körperzentrierte Psychologische Beraterin IKP, Gestalttherapie, Kinderarztpraxis Kilchberg Korrespondenzadresse: s.inak@hotmail.ch Umgang mit Tabuthemen 1. Vorbereitung: Überlegen Sie, warum Sie das Thema ansprechen möchten. Ist es wirklich notwendig und was möchten Sie erreichen? 2. Sensible Einleitung: Beginnen Sie das Gespräch behutsam, indem Sie signalisieren, dass es sich um ein ernsthaftes, aber sensibles Thema handelt. 3. Neutraler Ton: Vermeiden Sie Anschuldigungen. Bleiben Sie ruhig, sachlich und respektvoll. 4. Aktives Zuhören und Ich-Botschaften: Verwenden Sie «Ich fühle...» oder «Ich denke...», anstatt «Du machst immer...». Dies macht das Gespräch weniger anklagend. Grenzen respektieren: Wenn die andere Person das Gespräch beenden möchte, respektieren Sie dies. Niemand sollte gezwungen werden, sich zu öffnen. Der bewusste und respektvolle Umgang mit Tabuthemen ist entscheidend für gesunde Beziehungen und eine offene Kommunikation. ■ Was sind Tabuthemen? Tabuthemen sind sensible oder heikle Angelegenheiten, über die in einer bestimmten sozialen oder kulturellen Gruppe nur ungern oder gar nicht gesprochen wird. Sie sind mit Gefühlen wie Scham, Angst, Verlegenheit oder Unsicherheit verbunden. Tabus sind stark kontextabhängig und variieren je nach Kultur, Religion, Familie und sogar innerhalb von Freundeskreisen. Was in einer Gruppe als akzeptabel gilt, kann in einer anderen ein strenges Tabu sein. Die Vermeidung dieser Themen dient oft dem Schutz von Einzelpersonen oder der Aufrechterhaltung der sozialen Harmonie. Merkmale von Tabuthemen: ■ Emotionale Ladung ■ Soziale Konsequenzen ■ Machtstrukturen ■ Kulturelle Spezifität ■ Wandelbarkeit Workshop MPAs: Kommunikation (MPA) 24 Tabuthemen – Ansprechen, aber wie?
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