KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 4/2025

04 / 2025 JAHRESTAGUNG KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 35 REFERENTIN: DR. SC. MED. REGULA OTT Ethikerin der Gruppe zu den Variationen der Geschlechtsmerkmale, Kinderspital Zürich, Lehrbeauftragte Medizinethik und Wissenschaftsjournalistin SRF MODERATION/AUTORIN: DR. MED. SILVIA SCHMID Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, spez. Kinderendokrinologie und Kinderdiabetologie, Medizinisches Zentrum gleis d, Chur Kinderpraxisklinik Juliett & Mike, Dübendorf Korrespondenzadresse: s.schmid@mez-chur.ch Teamworkshop Ärzt:innen und MPAs: Gendermedizin 16 Gender in der Sprechstunde – wie können wir alle Kinder stärken? Ein anschauliches, von der Referentin mitgestaltetes SRFErklärvideo wurde gezeigt und ist online zu finden mit: SRF-Video, Kurz erklärt: Das bedeutet LGBTIQ+. Fazit: Mit Wissen, Offenheit und Zeichen der Unterstützung können wir alle Kinder stärken – unabhängig von Geschlecht oder Orientierung. ■ SRF-Video: Kurz erklärt: Das bedeutet LGBTIQ+ Der Workshop vermittelte Grundlagen zu Sex, Gender und LGBTIQ+ sowie konkrete Ansätze für eine inklusive medizinische Praxis. Zentrales Hilfsmittel war der Geschlechterradar, der fünf Dimensionen unterscheidet: 1. Körperliches Geschlecht (endo- oder intergeschlechtlich, inkl. non-binär) 2. Geschlechtsidentität (z. B. cis, trans) 3. Geschlechterausdruck (Auftreten, Kleidung, Verhalten) 4. Sexuelle/romantische Orientierung (z. B. homo-, hetero-, pan-, oder asexuell) 5. Geschlechterrollen (gesellschaftliche Erwartungen) Praktische Tipps für mehr Offenheit in der Sprechstunde: Fragen wie «Bist du verliebt?» statt Annahmen über Heterosexualität, eigene Pronomen nennen, Regenbogenflagge aufstellen, Kinderbücher mit Vielfalt im Wartezimmer (z. B. Tipps bei Vor.Bilder.Buecher auf Instagram). Wichtig im Umgang mit trans Kindern/Jugendlichen: Vor einer Therapie (Pubertätsblockade, geschlechtsangleichende Hormontherapie) braucht es eine Indikation durch eine psychologisch oder psychiatrisch erfahrene Fachperson. Teamworkshop Ärzt:innen und MPAs: Kinderchirurgie 17 Wunderbar behandelt: Wundbehandlung in der pädiatrischen Praxis REFERENT: DR. MED. MARC SCHUMACHER Facharzt für Kinderchirurgie, Leitender Arzt Kinderchirurgie, Kinderklinik, Stadtspital Zürich Triemli MODERATION/AUTOR: DR. MED. MARTIN RÖSSLER Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Kinderarztpraxis, Kilchberg Korrespondenzadresse: mroessler@hin.ch ■ Verbrennungen: Kühlen mit kühlem, nicht eiskaltem Wasser. Die Wundtiefe (2a=rosa, 2b=weisslich) wird initial unterschätzt. Die Ausdehnung (Handfläche des Kindes ≈1%) wird überschätzt. Als Verband initial Silikon-Schaum, keine Brandsalben. ■ Traumata von Fingern/Zehen: Bei Hämatomen unter Nägeln erfolgt eine Trepanation. Offene Quetschwunden an Zehen sollten primär nur verbunden werden. Nach einer Nagelluxation ist keine Nagelreposition nötig. Fazit für den Praxisalltag Eine optimale Wundbehandlung basiert auf der korrekten Einschätzung von Wundtyp, Tiefe und Ausdehnung. In Zweifelsfällen, besonders bei tiefen Handverletzungen, Katzenbissen oder Radspeichenverletzungen, ist eine kinderchirurgische Beurteilung ratsam. ■ Eine fachgerechte Wundversorgung kann gerade bei Kindern oft in der Kinderarztpraxis erfolgen. Spezielle Wundtypen und Versorgung: ■ Kritische Stellen: Bei Lippenwunden auf eine exakte Rekonstruktion der Ränder des Lippenrots achten. Bei Schnittwunden an den Händen besteht die Gefahr für Verletzungen tiefer liegender Strukturen (Sehnen, Nerven). ■ Augenbraue und -lid: Vorsicht beim Kleben im Bereich des Auges. Lid muss selten versorgt werden. ■ Zunge: Braucht fast nie genäht zu werden (ausser: Zungenspitze, Klaffen der im Mund liegenden Zunge). ■ Ohrmuschel: Freiliegender Knorpel braucht Antibiotikum. ■ Lokalanästhesie mit LET-Gel: Einwirkzeit und Auflage beachten. Lachgas: Gutes Mittel, hat aber auch Nachteile (Kosten, treibhausschädlich). ■ Tierbisse: Hundebissen sieht man die Schwere meist an und sie landen selten in der Praxis. Katzenbisse sehen oft harmlos aus, können aber gefährliche Keime in tiefe Schichten bringen.

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