KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 4/2025

04 / 2025 JAHRESTAGUNG KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 29 Workshop Ärzt:innen: Masterclass Pneumologie 9 Einfluss von Luftschadstoffen auf die Entwicklung der kindlichen Lunge REFERENT: PROF. DR. MED. URS FREY MD UND PHD Ärztlicher Direktor Universitäts-Kinderspital beider Basel (UKBB) und Professur für Pädiatrie Universität Basel, Facharzt Pädiatrische Pneumologie MODERATION: DR. MED. SANDRA BURRI Vizepräsidentin Kinderärzte Schweiz, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Kinder- und Jugendpraxis am Bollwerk, Bern AUTORIN: DR. MED. NICOLE ANDREA HAGLEITNER-MÜLLER Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Praxis am Stadtrand, Dübendorf Korrespondenzadresse: nicole.hagleitner@gmail.com Für den Praxisalltag zentral: Eltern fragen häufig nach Zusammenhängen zwischen Luftqualität und Asthma. Die Evidenz ist eindeutig: Kinder in belasteten Umgebungen haben häufiger respiratorische Symptome, die zu Asthma (auch im Erwachsenenalter) und COPD führen können. Stillen schützt hier nicht wesentlich, Rauchen in der Schwangerschaft oder zu Hause erhöht das Risiko dagegen deutlich. Wichtig: Ungeborene sind in der Schwangerschaft nicht vor Umweltschadstoffen geschützt. Kernaussagen für die Praxis ■ Besonders kritisch: Schwangerschaft und 1. Lebensjahr ■ Asthma, Bronchitis und Lungenfunktionsstörungen (inkl. COPD im Erwachsenenalter) sind klar mit Luftschadstoffen assoziiert ■ Verbesserte Luftqualität ➝ besseres Lungenwachstum, weniger Probleme bis ins Erwachsenenalter ■ Politisches Engagement bleibt notwendig – auch im Hinblick auf die Klimaerwärmung ■ Luftverschmutzung bleibt auch in der Schweiz ein relevantes Thema für die Pädiatrie. Säuglinge und Kleinkinder sind besonders vulnerabel: Sie atmen schneller, spielen näher am Boden und sind dadurch den Abgasen stärker ausgesetzt; zudem sind sie körperlich aktiver, und ihre Lunge entwickelt sich bis ins Jugendalter. Studien zeigen, dass die Schadstoffexposition in der Schwangerschaft und im ersten Lebensjahr das Risiko für Asthma, Bronchitis und langfristig COPD erhöht. Besonders kritisch wirken Feinstaub, NO2 und Ozon. Indoor-Belastungen wie Tabakrauch oder offene Feuerstellen sind ebenfalls bedeutsam. Eine gute Nachricht: In Europa nimmt die Umweltverschmutzung ab. Weltweit jedoch übersteigt die Mortalität durch Umweltschadstoffe jene durch Infektionen bei Kindern, dies vor allem in Asien, Afrika und Indien. Auch in Europa zeigen Daten, dass das Lungenwachstum in belasteten Regionen schlechter verläuft – eine Verbesserung der Luftqualität hingegen bringt messbare Erholung. REFERENTIN: DR. MED. ELVIRA TINI Fachärztin für Kinder-und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Universitätsklinik Zürich MODERATION: DR. MED. JESSICA BONHOEFFER TEMPLETON Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin (Schwerpunkt Entwicklungspädiatrie & Psychosomatik), Youkidoc Kindergesundheit Basel AUTORIN: DR. MED. ANJA MÜNST Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Praxis am Schanzweg, Rüti Korrespondenzadresse: anja.muenst@hin.ch Workshop Ärzt:innen: Psychopharmakologie Psychopharmaka in der pädiatrischen Praxis – eine Notfalllösung bei Fachkräftemangel? Quetiapin (in hohen Dosen antidepressiv) und Dipiperon werden bei Angespanntheit oder Schlaflosigkeit zeitlich begrenzt eingesetzt. Atypische Antipsychotika wie Risperidon und Aripiprazol zeigen gute Evidenz bei Wut, Aggressionen und Zwängen, insbesondere auch bei ASS. Da viele Psychopharmaka im Kindesalter off Label use sind, wird eine schriftliche Einwilligung der Eltern empfohlen. ■ Wer von uns kennt das Gefühl der Hilflosigkeit nicht, wenn wir für Kinder und Jugendliche mit psychischen Problemen keine Unterstützung in Form von Therapieplätzen anbieten können? Im sehr hilfreichen Workshop Psychopharmakologie wurden medikamentöse Therapien besprochen, die wir bei Bedarf bereits in der Praxis überbrückend anbieten können, bis eine psychotherapeutische Intervention – immer erste Wahl – beginnen kann. Das Ziel einer medikamentösen Therapie sollte ein Mildern der aktuell am stärksten belastenden Symptome sein. Diese gilt es herauszufiltern und dabei mögliche negative Einflüsse von Lifestyle anzusprechen. Als erste Option können dann pflanzliche Produkte wie Johanniskraut oder Baldrian in Erwägung gezogen werden. Bei fehlendem Ansprechen oder ausgeprägten Symptomen sind im Kinder- und Jugendalter vor allem SSRI bei Ängsten, Depressionen und Zwängen gut untersucht und deren Wirksamkeit und Verträglichkeit gut belegt. Wichtig ist eine deutlich tiefere Startdosis und ein langsameres Einschleichen als in der Erwachsenenmedizin, sowie natürlich ein engmaschiges Begleiten der Therapie (cave: Suizidalität in den ersten Wochen).

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