KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 4/2025

JAHRESTAGUNG 04 / 2025 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 24 REFERIERENDE: DR. MED. ANDREAS GEISER Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Lehrpraktiker Universität Zürich, Praxis für Kinder- und Jugendmedizin, Schlieren NAEMI BAPTISTA Dipl. Fachperson für Menschen im AutismusSpektrum, Klassenassistentin, Autistin mit ADHS sowie Mutter eines Kindes mit Autismus und ADHS, Oetwil a.d.L. AUTORIN: DR. MED. MAJA TRÜCK Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Swiss Medi Kids Zürich Korrespondenzadresse: maja.trueck@swissmedikids.ch Workshop Ärzt:innen: Neurodivergenz Was braucht es, um sich in verschiedenen Welten zurechtzufinden? App), visuelle Regeln (Sticker auf Boxen), Unterstützung der Eigenwahrnehmung des Kindes durch Visualisierungen und verständliche Kommunikation (Metacom-Icons). Spezielle Schmerzskalen helfen, da neurodivergente Menschen oft andere Wahrnehmungen haben können. Die Broschüre «Endlich klappt der Arztbesuch für Menschen im Autismus-Spektrum» empfehlen wir dem ganzen Praxisteam. Um betroffenen Kindern in der Sprechstunde zu helfen, können Fidget Toys, Belohnungen und das Eingehen auf Spezialinteressen unterstützen; Reizregulation gelingt mit schweren Decken, Thera-Band, Gewichtstier, Kopfhörern oder Schaukelstuhl/Wackelhocker besser. Mit einem guten Gefühl und vielen praktischen Tipps ging ich nach Hause. ■ Das Wichtigste gleich zuerst: Es war ein hervorragender Workshop, geprägt von der Ehrlichkeit und Präsenz von Naemi Baptista als Betroffene sowie dem Einfühlungsvermögen des Praxispädiaters Andreas Geiser. Hauptinhalt war nicht die theoretische Abhandlung des Themas Neurodivergenz, sondern zuzuhören, was sich neurodivergente Familien wünschen und was wir als Kinderärzt:innen tun können, damit sie sich und wir uns im Umgang besser fühlen. Wie können wir Betroffene im Praxisalltag unterstützen, vom ersten Verdacht bis zum Ankommen im Leben eines neurodivergenten Menschen? Wie können wir Eltern in Phasen von Verneinung, Trauer und dem Leben mit einem neurodivergenten Kind unterstützen und verstehen? Zur Neurodivergenz gehören Autismus, ADHS, Dyslexie, Dyskalkulie, Tourette und weitere. Eine Diagnose wird essenziell, wenn finanzielle oder andere Unterstützung nötig ist. Oft ist auch ein Elternteil betroffen, weshalb Empathie und ein wertfreier Raum wichtig sind. Eltern und Kinder wünschen sich Sicherheit und Orientierung im Praxisablauf: Safe Places zur Reizabschirmung, feste Routinen, Zeitmanagement (Sanduhren, TimerTex, Mouse REFERENT: DR. MED. FLORIAN BAUDER Kinder- und Jugendmedizin, spez. Neuropädiatrie, Leitender Arzt Neuropädiatrie, Sozialpädiatrisches Zentrum, Kantonsspital Winterthur, 8401 Winterthur MODERATION/AUTORIN: DR. MED. SABINE BENZ-AESCHLIMANN Kinder- und Jugendmedizin, Winterthur Korrespondenzadresse: sabine.benz@hin.ch Workshop Ärzt:innen: Neuropädiatrie 7 Kopfweh, Anfall und andere häufige neurologische Fragestellungen in der pädiatrischen Praxis Ein weiterer häufiger Vorstellungsgrund sind mögliche epileptische Anfälle. Auch hier steht die Anamnese im Vordergrund, Videoaufnahmen sind besonders wertvoll. Das EEG wird oft überschätzt: Ein normales EEG schliesst Epilepsie nicht aus, epileptiforme Muster zeigen jedoch auch bis zu 5% der gesunden Kinder. Häufig sind auch Fieberkrämpfe, wobei meist keine Abklärungen nötig sind; wichtiger ist die Aufklärung über Gutartigkeit, Rezidivrisiko und sinnvolle Massnahmen. Nicht-epileptische Phänomene wie Schlafmyoklonien, Reflux, shuddering attacks, Affektkrämpfe, Tics oder dissoziative Anfälle lassen sich oft gut anhand von Videos diagnostizieren, wovon wir viele Beispiele sehen und mit Mentimeter beurteilen konnten. Herzlichen Dank an Florian Bauder für den praxisnahen Workshop! ■ Der häufigste Grund für eine neuropädiatrische Vorstellung sind Kopfschmerzen, die 10–15% der Kinder und Jugendlichen betreffen. Meist sind es primäre Kopfschmerzen (Spannungskopfschmerzen, Migräne oder Mischformen). Entscheidend ist die Anamnese, gefolgt von der neurologischen Untersuchung. Wichtige Fragen sind: Erkennen die Eltern die Beschwerden? Wie verhält sich das Kind dabei? Treten Kopfschmerzen auch am Wochenende oder in den Ferien auf? Gibt es Begleitsymptome oder Veränderungen? Zudem müssen Warnsymptome («red flags») für sekundäre Ursachen erfragt werden. Bildgebung ist nur selten erforderlich. Ziel ist die Klassifikation nach der International Headache Society, wobei Besonderheiten im Kindesalter (z. B. kürzere oder beidseitige Migräneattacken) berücksichtigt werden. Therapieempfehlungen bietet die Schweizerische Kopfwehgesellschaft. Wichtig ist die Edukation, etwa mit Materialien des Deutschen Kinderschmerzzentrums: deutsches-kinderschmerzzentrum.de/ ueber-uns/videos/migraene

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