JAHRESTAGUNG 04 / 2025 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 22 Neben der Zusammenfassung des Workshops möchte ich hier auch nochmals auf die wichtigen Punkte und Konzepte von «smarter medicine – choosing wisely» hinweisen. Diese sind für unseren Alltag wichtig und helfen uns, unsere Arbeit durch neue (und alte) Erkenntnisse zu optimieren. Vielen Dank auch an Corinne Wyder für ihr grosses Engagement in dieser Thematik. ■ pädiatrie schweiz «Choosing Wisely» European Academy of Paediatrics EAP «Choosing Wisely» Workshop Ärzt:innen: Allergologie 2 Nahrungsmittelallergien bei Kindern: Abklärung und Management REFERENTIN: PD DR. MED. CAROLINE RODUIT Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin und Allergologie und klinische Immunologie, leitende Ärztin Kinderklinik Insel Spital und Praxis Kinder Allergie Doktor in Zürich MODERATION/AUTORIN: DR. MED. NICOLE HALBEISEN Vorstandsmitglied Kinderärzte Schweiz, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Kinderarztpraxis Fidibus, Ebikon Korrespondenzadresse: nicole.halbeisen@hin.ch lergie bei einer Minderheit persistiert. Oft reagieren diese Kinder schon auf kleine Mengen des Nahrungsmittels mit schweren Reaktionen. Eine Zuteilung in die eine oder andere Gruppe ist anfangs schwierig. Entsprechend wurden die Diagnostik (Prick, spezifisches IgE) sowie das Management und die Verlaufskontrollen intensiv diskutiert. Bei den Nussallergien wurden die Pollen-assoziierte Nahrungsmittelallergien (früher orales Allergiesyndrom genannt) anhand der Haselnuss besprochen und auf die Möglichkeit der komponentenbasierten Allergiediagnostik hingewiesen. Für viele von uns neu war die Möglichkeit der oralen Immuntherapie, welche gerade bei Kindern mit systemischer Erdnussallergie als (aufwändige) Therapieoption zur Verfügung steht, welche jedoch in die Hände der Kinderallergolog:innen gehört. ■ Abklärung und Management Die Zahl der Kinder mit Nahrungsmittelallergien hat in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Derzeit sind etwa 6–10% aller Kinder betroffen. Bei Kindern mit atopischer Dermatitis, insbesondere solchen mit frühem Krankheitsbeginn, treten Nahrungsmittelallergien deutlich häufiger auf. Laut Hautbarriere-Hypothese spielt die Sensibilisierung über die Haut bei der Genese von Nahrungsmittelallergien eine wichtige Rolle. Eine konsequente Therapie der Haut sowie das unverzögerte Einführen von sämtlichen Lebensmitteln, welche in der Familie konsumiert werden, wird empfohlen. Milch- und Eiallergien gehören zu den häufigen Allergien im Kindesalter, bei der Mehrheit der Kinder wächst diese Allergie aus. Wir haben aber gelernt, dass die AlREFERENTIN: L. SUZANNE SUGGS PHD, MSC, BBA AND CHES Professor of Social Marketing, Institute of Communication and Public Policy, University of Lugano MODERATION: DR. MED. CORINNE WYDER Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin und Allgemeine Innere Medizin, Kinder- und Jugendpraxis KurWerk AG, Burgdorf AUTOR: DR. MED. STEFAN ROTH Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Vorstandsmitglied Kinderärzte Schweiz und mfe Haus- und Kinderärzte Schweiz, Liebefeld Korrespondenzadresse: stefan.d.roth@bluewin.ch Workshop Ärzt:innen: Choosing Wisely More, less, different, or stay the same? How to communicate changing and new recommendations Kommunikation im Wandel medizinischer Empfehlungen Vor dem Hintergrund von «smarter medicine – choosing wisely» vermittelte uns Suzanne Suggs, Professorin für Social Marketing an der Universität Lugano und Vizepräsidentin der Swiss School of Public Health, in gewohnt anregender und interaktiver Manier spannende Inputs zur Kommunikation. Der Workshop zeigte praxisnah, wie gute Kommunikation Vertrauen schafft und Unsicherheiten abbaut. Wir setzten uns in Gruppen mit Herausforderungen wie Sprachbarrieren, Informationsflut durch «Dr. Google» oder skeptischen Eltern auseinander. Zwei Kommunikationsstile standen im Fokus: der partizipative Ansatz, der auf offene Gespräche setzt, und der präsumtive Ansatz, bei dem Empfehlungen klar und selbstbewusst formuliert werden. Letzterer gilt als besonders effektiv, wenn er mit aktivem Zuhören und Empathie kombiniert wird. In verschiedenen Gruppenarbeiten übten die Teilnehmenden, wie sie ihre Botschaften klar, wertschätzend und wirksam vermitteln können. Das Ziel: Eltern und Kinder verstehen nicht nur die medizinische Empfehlung, sondern fühlen sich auch ernst genommen. So wurde deutlich: Kommunikation ist keine Nebensache, sondern Kern ärztlicher Qualität – insbesondere dann, wenn sich Medizin verändert.
RkJQdWJsaXNoZXIy MjYwNzMx