KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 4/2025

04 / 2025 JAHRESTAGUNG KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 21 Workshop Ärzt:innen: ADHS-Medikation reloaded 13 Die ADHS-Medikation in der pädiatrischen Praxis REFERIERENDER: DR. MED. PETER HUNKELER Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin mit Schwerpunkt Entwicklungspädiatrie, Arkadis Olten und Sanacare Luzern REFERIERENDER/AUTOR: DR. MED. RENÉ KINDLI Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, Dr. Kindli Ärzte GmbH, Mauren (LI) Korrespondenzadresse: rkindli@hin.ch Teil 3: In Fallbeispielen wurde das Gelernte praxisnah vertieft, etwa im Umgang mit schnellen Metabolisierern oder beim Wechsel der Substanzklasse. Hier zeigte sich, wie entscheidend es ist, die individuelle Situation jedes Kindes zu berücksichtigen. ■ Gemeinsam mit Peter Hunkeler gestaltete ich einen 90-minütigen Workshop für Praxispädiater zur ADHS-Medikation. Teil 1: Zu Beginn hat sich Dr. med. Peter Wäffeler aus Motzingen alias Peter Hunkeler zu Wort gemeldet mit den klassischen Vorurteilen, die ich nach bestem Wissen auszuräumen versuchte. Teil 2: Wir zeigten unser Vorgehen bei der medikamentösen Einstellung: Start meist mit Medikinet MR 5 mg, Steigerung alle zwei Tage um 5 mg. Bei Nebenwirkungen Wechsel innerhalb der Methylphenidat-Präparate, dann Elvanse, zuletzt Intuniv mit anderem Wirkmechanismus. Intuniv hat keine Appetitminderung als Nebenwirkung und hilft, die schwierigen Phasen morgens und abends besser abzudecken. Kurz wirksame Präparate können zusätzlich als «Notfallmedikament» dienen. Ein anschaulicher Vergleich mit einer Brille erleichtert Eltern und Kindern das Verständnis. Neben den Medikamenten ist in der ADHS-Behandlung vor allem die Haltung wichtig: Wir sollen nicht die Kinder verändern, sondern unsere Erwartungen an die Kinder. Dies heisst auch, Fehler zu erwarten und zu verzeihen. REFERENT: KD DR. MED. MICHAEL HITZLER Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin mit Schwerpunkt Pädiatrische Pneumologie, Kinderarztpraxis Zug, Médecin Adjoint Kinderspital Zentralschweiz Luzern, Pneumologie und Allergologie MODERATION/ AUTORINNEN: DR. MED. CATHERINE MANASSE Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Praxis bym Törli, Liestal DR. MED. CLAUDIA MÜLLER-WIEDERKEHR Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin mit Schwerpunkt Entwicklungspädiatrie, Kinderpraxis Baden Korrespondenzadressen: manasse@praxisbymtoerli.ch claudia.mueller@hin.ch Workshop Ärzt:innen: Allergologie Immuntherapie reloaded Da es keine offiziell zugelassenen Produkte in der Schweiz gibt, sind diese nur via Magistralrezeptur erhältlich (spezielle Apotheken, Kostengutsprache empfohlen). 4. SLIT: Kombination 2 SLIT-Produkte möglich (gleichzeitig oder mit 30 Min. Abstand). Tipp zur besseren Toleranz bei SLIT: Eiswürfel oder Tiki direkt nach Einnahme. Lokales Kribbeln verschwindet in der Regel nach 2 Wochen. Bei starker Lokalreaktion Versuch mit Antihistaminika 1 Std. vor der Einnahme der Tablette. 5. Milbenallergie: höchste Milbenallergendichte Spätsommer-Herbst. Bei plötzlichem Asthmaanfall ohne Infekt daran denken. Bei Aufdosierung SIT gute Asthmakontrolle wichtig, Inhalation mit Steroiden präventiv empfohlen. 6. Notfallset bei SIT: Antihistaminikum und Steroid, keinen Epipen. Bei starken Reaktionen auf SIT: Antihistaminika Vorabend und 2 Std. vor Injektion empfohlen. Herzlichen Dank an Michi für die praxisrelevanten Inputs! Claudia Müller-Wiederkehr, Catherine Manasse ■ Die Immuntherapie wirft immer wieder Fragen auf und beschäftigt uns perennial im Praxisalltag. Wen und ab wann? SCIT oder SLIT? Präsaisonal versus perennial? Michael Hitzler hat uns in seinem interaktiven Referat über die Immuntherapie anhand von praxisrelevanten Fällen Folgendes vermittelt: 1. Indikation für eine Immuntherapie: Jedes Symptom, das das alltägliche Leben des Kindes beeinträchtigt (Schlaf, draussen spielen, Sport, Konzentration). Früher Beginn der SIT anstreben (Etagenwechsel). Neu sind die Baumpollen und Milbentabletten bereits ab fünf Jahren zugelassen. 2. Nur Hauptallergene bestimmen: Gräserpollen: Phl1/5b (G213); Birkenpollen: Betv1 (T215), Eschenpollen: Ole1 (T224). Bei negativen Hauptallergenen keine SIT. Kein Gesamt-IgE. Mittels Anamnese und Symptomkalender gezielte Diagnostik anstreben. SCIT vs. SLIT: gleichwertige Wirksamkeit angenommen. 3. Allergie auf Baumpollen (Birke, Esche): Pollenflug zeitlich gleich. Hauptallergene Betv1 und Ole1 bestimmen, evtl. nasaler Provokationstest. Bei Eschen SIT zu bedenken: kurze Symptomzeit (2 Wochen).

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