04 / 2025 BERUFSPOLITIK KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 11 mässige Gespräche. Die medizinische Grundversorgung von Kindern und Jugendlichen ist ein wichtiger Bestandteil der Überlegungen im Rahmen der Agenda Grundversorgung. Unter anderem werden Massnahmen vorgeschlagen, die die Anzahl und die Attraktivität der Aus- und Weiterbildungsplätze in der Pädiatrie und in der Kinder- und Jugendpsychiatrie erhöhen sollen. Ich lege grossen Wert auf alle Elemente, die dazu beitragen können, Ihren Beruf aufzuwerten und den Nachwuchs zu sichern. Auch aus diesem Grund freue ich mich darauf, im kommenden Frühjahr am Kongress der Jungen Haus- und Kinderärzt:innen Schweiz (JHaS) teilzunehmen. Riskiert die Grundversorgung, im Strudel der Kostenneutralität gegenüber der immer teurer werdenden Spitzenmedizin auf der Strecke zu bleiben? Das Risiko besteht tatsächlich, dass die berechtigten Interessen der Kinderärzt:innen durch gewisse forsch auftretende Fachgesellschaften von Spezialist:innen etwas in den Hintergrund gedrängt werden. Aber ich kann Ihnen versichern, dass ich die Kinderärzt:innen und ihre Anliegen sehr ernst nehme. Das neue Tarifsystem für die ambulante Versorgung – mit TARDOC und Pauschalen – soll die Situation in der Pädiatrie durch verschiedene Massnahmen verbessern. Wie es in der Praxis sein wird, werden wir ab dem 1. Januar 2026 sehen. Aber die Vergütung der Leistungen in der Grundversorgung wird im Durchschnitt höher sein als die aktuellen Tarmed-Tarife. Die Zuschläge für Kinder werden bis zu einem Alter von 12 Jahren gelten, anstatt bis 6 Jahren wie heute. Prävention gilt als wirkungsvoller und kosteneffizienter als reine Behandlung – dennoch begünstigt unser derzeitiges System die Vergütung von Krankheitstherapien. Gerade im Bereich der Kinder- und Jugendgesundheit ist die Prävention ein zentrales Anliegen. Welche Änderungen halten Sie für notwendig, um präventiven Leistungen den Stellenwert einzuräumen, den sie verdienen? Es sind in der Vergangenheit zwei Anläufe für ein Präventionsgesetz im Parlament gescheitert. Darum hat der Bund in Sachen Prävention kaum gesetzliche Kompetenzen. Die Kantone sind zuständig, was nationale Präventionsprogramme erschwert. Trotzdem unternehmen wir im Rahmen der Möglichkeiten viel: Zum Beispiel unterstützt die vom Bund eingesetzte Stiftung Gesundheitsförderung Schweiz Projekte im Bereich Prävention mit Geld und Know-how. Die Stärkung der psychischen Gesundheit – insbesondere von Kindern und Jugendlichen – ist ein Schwerpunkt der Strategie 2025–2028 für die Prävention der nichtübertragbaren Krankheiten (NCD-Strategie). Verbesserungen erhoffe ich mir durch die koordinierte Versorgung, zum Beispiel im Rahmen von Netzwerken wie dem «Réseau de l’Arc» im Jurabogen, dem «Gesundes Freiamt» im Kanton Aargau oder dem «Etablissement hospitalier de la Côte» am Genfersee. In solchen Modellen haben alle Akteure, auch die Krankenkassen, ein Interesse daran, in die Prävention zu investieren, um teure Krankheiten zu verhindern. Die einheitliche Finanzierung der Gesundheitsleistungen (EFAS) wird helfen, diese koordinierte Versorgung zu verbessern. KIS feiert dieses Jahr 30 Jahre Bestehen. Was wünschen Sie unserem Berufsverband der Kinderärzt:innen in der Praxis? Ich gratuliere Ihnen zu Ihrem Engagement und wünsche Ihnen, dass sich Ihnen bald viele neue, gut ausgebildete und enthusiastische Mitglieder anschliessen werden. Ich wünsche mir, dass sich Ihre Arbeitsbedingungen spürbar verbessern – und dass die Werte und Überzeugungen, die Sie zu diesem Beruf bewegt haben, auch weiterhin stärker wiegen als die täglichen Herausforderungen. ■ Ich wünsche mir, dass sich Ihre Arbeitsbedingungen spürbar verbessern – und dass die Werte und Überzeugungen, die Sie zu diesem Beruf bewegt haben, auch weiterhin stärker wiegen als die täglichen Herausforderungen Der Austausch unter Berufskolleg:innen, etwa im Rahmen Ihres Verbands, ist wichtig.
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