02 / 2025 ERFAHRUNGSBERICHT KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 47 Das Enten-Lego-Experiment: Wir durften unter akustischer Belastung und Zeitdruck aus einem für alle gleichen Legobausatz eine Ente zusammensetzen. Ihr seht im Bild eine Auswahl der Ergebnisse. Wer genau hinschaut, erkennt, «jede Ente ist anders». Das Ergebnis war ein Gänsehautmoment für die ganze Gruppe! DR. MED. ANNA BEWER SILVESTRI FACHÄRZTIN FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN, THALWIL Korrespondenzadresse: a.bewer@hin.ch Autismus-Spektrum-Störungen (ASS) in der Praxispädiatrie 6./7. Februar 2025 Logopäd:innen, Ergotherapeut:innen, Autismusbegleiter:innen haben aus ihrem Alltag erzählt und Videosequenzen gezeigt; sie haben die beziehungsorientierte und individuell flexible Haltung betont. Diese Haltung unterstützt eine achtsame Koregulation zwischen Kind und Umfeld – ein zentrales Ziel im Alltag mit neurodivergenten Kindern. Diese ist in der DIRFloortime® Entwicklungsleiter dargestellt. Fazit? Autismus ist eine neurobiologische Divergenz, es ist ein Spektrum. Diese Kinder nehmen ihre Umwelt sehr intensiv war. Sie leiden still oder können hoch auffällig sein. Sie zu erkennen ist essenziell. Es ist eine klinische Diagnose und die wird beim Erstgespräch in der kinderärztlichen Praxis gestellt! Komorbiditäten zu kennen, ist eine ärztliche Verantwortung. Bei grossem Unterstützungsbedarf braucht es eine offizielle Diagnosestellung und auch IV-Anmeldung, damit das Kind ausreichende Hilfsmittel in Anspruch nehmen kann, um sich selbstwirksam zu entwickeln. Je früher das Kind erkannt und benannt ist, desto früher setzt die Selbstregulation ein, je besser die Autoregulation funktioniert, desto weniger Komorbiditäten. Die Begleitung ist immer interdisziplinäres Teamwork. ■ An zwei Tagen durften wir von einem interdisziplinären Dozententeam einiges lernen in der Erkennung und im Umgang mit Autismus. Kursleiterinnen waren die Praxispädiaterin Sara Klingenfuss und die Sonderpädagogin Sandra Kamm Jehli, welche auch Mutter von autistischen Kindern ist. Matthias Huber (Kinder- und Jugendpsychologe) und selber Autist, hat uns in einer verbal detaillierten Art die autistische Wahrnehmung geschildert. Bettina Tillmann (Pädiaterin) gab uns einen wissenschaftlichen Überblick über den aktuellen Stand. Die aktuelle Inzidenz von 1–2/100 Kinder macht klar, dieses Wissen gehört in die Praxispädiatrie. Die frühe Diagnosestellung verbessert nachweislich die Lebensqualität. Wer diese Kinder rechtzeitig erkennt, ermöglicht ihnen Teilhabe und Entwicklung ihrer Stärken. Irja Zuber (Rechtsanwältin Procap Schweiz) hat betont, dass Procap Schweiz betroffene Familien im Umgang mit der IV unterstützt, eine Mitgliedschaft lohnt sich. Sie zeigte praxisnah auf, wie Kinderärzt:innen Familien beim IV-Prozess konkret unterstützen können. Elena Meyer Rocchia (Kinder- und Jugendpsychiaterin) hat geklärt, warum es eine Diagnosestellung braucht: Damit das Kind und seine Bedürfnisse verstanden werden und sich das System auf das Kind einstellen kann. Wichtig ist es, Komorbiditäten zu kennen. Foto: Anna Bewer Silvestri Illustration: DIRFloortime®
RkJQdWJsaXNoZXIy MjYwNzMx