ERFAHRUNGSBERICHT 02 / 2025 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 46 meine-kopfsache.com REFERENTINNEN: DR. MED. BIGNA BÖLSTERLI DR. MED. ANETTE LANG-DULLENKOPF TEAM ÄRZTE ZENTRUM FÜR KINDERNEUROLOGIE, ENTWICKLUNG UND REHABILITATION (KER), OSTSCHWEIZER KINDERSPITAL ST. GALLEN DR. MED. KATRIN LENGNICK DR. MED. ANJA LEIBER DR. MED. OLIVER MAIER DR. MED. URSULA SPECKLE OSTSCHWEIZER KINDERSPITAL KURSLEITUNG UND MODERATION: DR. MED. ANTJE HUGI MAIER FACHÄRZTIN KINDER- UND JUGENDMEDIZIN, FRAUENFELD DR. MED. OLIVER MAIER LEITER KER-ZENTRUM, OKS ST. GALLEN AUTORIN: DR. MED. SERAINA BAY FACHÄRZTIN FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN, FRAUENFELD Korrespondenzadresse: seraina.bay@ schlossberg-aerzte.ch Fortbildung «Neurologische Themen in der Praxis» vom 16. Januar 2025 Über Kopfschmerz, Epilepsie, Tics, Schlafstörungen und handicapierte Kinder Kinder mit Behinderungen Dr. med. Anette Lang thematisierte Haltung, Sprache und Rollenverständnis bei komplexen Familiensituationen. Die Teilnehmenden betonten, dass es zur ärztlichen Aufgabe gehört, Schwierigkeiten offen anzusprechen und Familien zu begleiten. ■ Der Fortbildungstag widmete sich praxisrelevanten neurologischen Themen wie Kopfschmerzen, Tics, Epilepsie, Schlafstörungen und Kindern mit Behinderungen – anschaulich, interaktiv und eng an den Alltag in der Pädiatriepraxis angelehnt. Unter der Leitung von Dr. med. Antje Hugi Maier (Frauenfeld) und Dr. med. Oliver Maier (St. Gallen) ging es direkt in die klinische Praxis. Kopfschmerzen Dr. med. Katrin Lengnick präsentierte Daten: 80% aller Kinder erleben Kopfschmerzen, häufig Spannungstyp oder Migräne. Entscheidende Red Flags sowie ein gezielter Einsatz von Bildgebung («choosing wisely») wurden thematisiert. Der Hüpftest hilft bei der Unterscheidung zwischen Migräne (verstärkt durch Bewegung) und Spannungskopfschmerz. Psychoedukation, Bewegung, Entspannung und Stressbewältigung sind zentrale therapeutische Bausteine. Bei Migräne ist eine frühzeitige Gabe von Ibuprofen (15 mg/kg) empfohlen; bei Jugendlichen ggf. Sumatriptan nasal. Epilepsie und Status epilepticus Dr. med. Bigna Bölsterli und Dr. med. Oliver Maier erläuterten Diagnostik und Therapie. Besonders betont wurde die Bedeutung der schnellen Therapieeinleitung («Time is brain»). Erste Wahl: Midazolam buccal oder Diazepam rektal. Bei protrahiertem Status Weiterbehandlung im Spital. Häufige Epilepsienachahmer sind Schlafmyoklonien, Synkopen, Tics, Parasomnien. Diagnostik: EEG nach erstem afebrilem Anfall – auch bei Kindern ohne klinische Anfälle können Epilepsiepotenziale vorliegen, insbesondere bei ADHS/ASS. Ziel der Therapie: Anfallsfreiheit mit möglichst geringer Medikation. Tics Dr. med. Anja Leiber erinnerte an die Einteilung in motorisch vs. vokal, einfach vs. komplex. Meist ist keine Abklärung nötig – Psychoedukation ist zentral. Bei Leidensdruck: Verhaltenstherapie, Pharmakotherapie bleibt offlabel. Neu: funktionelle «TikTok-Tics» bei Jugendlichen. Schlafstörungen Dr. med. Ursula Speckle stellte das Zürcher 3-StufenModell vor: Rhythmisierung, Schlafbedarf evaluieren, selbstständiges Einschlafen fördern. Schlafstörungen im Jugendalter können Hinweise auf psychische Belastungen sein. Take-Home-Message ■ Anamnese, körperliche Untersuchung und ggf. Videoaufnahmen sind essenziell. ■ Psychoedukation ist bei Spannungskopfschmerzen erste Therapie. ■ Time is brain beim epileptischen Spasmensyndrom. ■ Haltung und Kommunikation sind entscheidend – besonders bei komplexen Fällen. swisspainsociety.ch deutsches-kinderschmerzzentrum.de/ ueber-uns/videos/migraene/ epi.ch/ueber-epilepsie/einstieg/ erste-hilfe-bei -einem-anfall/ youtu.be/-Ao4_eM-pPc (Video Schweizerische Epilepsie-Liga: «Was tun bei einem epileptischen Anfall?») epi-suisse.ch Nützliche Links
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