KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 2/2025

NACHHALTIGKEIT IN DER PÄDIATRIE 02 / 2025 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 40 Bild: klimatopf.ch Als Kinderärzt:innen tragen wir die Verantwortung, sowohl die individuelle Gesundheit unserer Patient:innen als auch die planetare Gesundheit zu schützen. Eine klimasensible Ernährung verbindet beide Ziele und ist somit ein sogenannter Co-Benefit. Dieser Artikel soll konkrete Handlungsoptionen aufzeigen und somit dem Gefühl der Ohnmacht, welches viele Personen gegenüber dieser Thematik verspüren, entgegenwirken. Wie sehen die Wechselwirkungen zwischen der Gesundheit von Kindern und der Umwelt aus? 1. Gesunde Ernährung als Prävention: • Kinder und Jugendliche, welche an Übergewicht und deren Folgen leiden (Diabetes, Herz-KreislaufErkrankungen), beschäftigen uns tagtäglich in unserer Praxis. Eine ausgewogene Ernährung sowohl als therapeutischer Schritt sowie als Prävention ist dabei essenziell1. • Der hohe Fleischkonsum (Schweiz 2022: 51 kg/Person/Jahr = fast 1 kg/Woche) steht im Widerspruch zu nationalen und internationalen Ernährungsempfehlungen (2–3×/Woche 100–120g)2. • Eine vorwiegend pflanzliche Kost mit einem massvollen Anteil an tierischen Produkten versorgt Kinder und Jugendliche mit den nötigen Vitaminen/ Nährstoffen und hat einen nachhaltigen positiven Einfluss auf das Klima3. 2. Klima- und Umweltauswirkungen: • 30% der globalen Treibhausgasemissionen entstehen durch die Lebensmittelproduktion4. • Ein pflanzenbetonter Ernährungsstil entlastet die Umwelt und das Klima stark. Der Fussabdruck der Ernährung einer durchschnittlichen Schweizer:in reduziert sich um 24 Prozent, wenn sie auf vegetarische Ernährung umstellt. Ernährt sie sich vegan, sind es sogar 40 Prozent4. Was sind nun Handlungsimpulse für den Praxisalltag? 1. Vorbildfunktion der Kinderärzt:innen: • Eigene Ernährung reflektieren: Die neue SGELebensmittelpyramide ohne Fleisch/Fisch zeigt, dass verschiedene Proteinquellen eine gesunde Ernährung ermöglichen5. 2. Familien beraten und sensibilisieren: • Der Fleischkonsum soll kritisch hinterfragt werden. Fleisch soll in deutlich reduzierten Mengen und bewusst konsumiert werden. Auch die Herkunft und Produktionsbedingungen sollten wenn möglich berücksichtigt werden. DR. MED. ANNA STEPPACHER FACHÄRZTIN FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN PRAXISPÄDIATERIN KINDERMEDIZIN AN DER OPER, ZÜRICH Korrespondenzadresse: anna.steppacher@hin.ch Pflanzenbasierte Ernährung ist in aller Munde. Dieser Artikel möchte aufzeigen, warum es sich lohnt, uns gegenüber dieser Thematik zu öffnen und unser Wissen darüber auszubauen. Klimasensible Ernährung für Kinder Warum wir Kinderärzt:innen unsere Verantwortung wahrnehmen sollten • Die Einführung der Beikost könnte hierfür ein guter Zeitpunkt sein, um das Thema aufzugreifen. (Bsp. 6-Monats-Kontrolle: «Es gibt auch pflanzliche Alternativen, um Fleisch zu ersetzen, wie Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte, bestimmte Gemüsesorten oder Tofu») • Vermeidung hochverarbeiteter Produkte und unnötiger Verpackung. • Kinder aktiv einbinden: gemeinsames Kochen, Gartenprojekte, spielerisch ökologische Zusammenhänge erfahren. • Die Arbeitsgruppe Nachhaltigkeit von KIS hat einen Flyer zum Thema «Gesunde und klimafreundliche Ernährung» entworfen. Ziel ist es, das Thema mit den Eltern aufzugreifen. Zusätzlich gibt es bereits sehr nützliches Informationsmaterial der SGE zur vegetarischen Ernährung bei Kindern. Der Flyer und weitere Unterlagen sind erhältlich auf der KISWebsite unter der Rubrik «Links/Hilfreiche Materialien für die Praxis» (Kapitel «Ernährung»). 3. Vegane Ernährung: • Auch die vegane Ernährung im Kindesalter kann – wenn korrekt durchgeführt und unter Berücksichtigung einer adäquaten Substitution – als sicher und gesund betrachtet werden. Aktuelle wissenschaftliche Daten und Ernährungsrichtlinien aus anderen Ländern (e.g. USA, Australien) dürfen berücksichtigt werden6,7. Systemische Verantwortung – Handabdruck vergrössern: Neben oben genannten Massnahmen können Kinderärzt:innen noch einen Schritt weiter gehen und sich als Expert:innen für Kindergesundheit zusammen mit Kitas und Tagesschulen auch dort für eine gesunde und nachhaltige Ernährung einsetzen. Die Verbindung von Prävention und Nachhaltigkeit macht Kinderärzt:innen zu zentralen Akteuren in der Klimagesundheitsdebatte. Lasst uns diese Chance nutzen! ■ Hier gehts zum Flyer «Gesunde und klimafreundliche Ernährung»

RkJQdWJsaXNoZXIy MjYwNzMx