02 / 2025 FORTBILDUNG: THEMENHEFTTEIL KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 37 den ganzen Körper. Die Herz-Sonne-Analogie ist sowohl in der Antike bei Azteken mit ihren Herzopfern also auch in der Moderne bei Harvey, dem Beschreiber des modernen Blutkreislaufs, wiederzufinden. Der Plexus Solaris hat hier seine bildliche und semantische Bedeutung. Das Herz hat aber auch eine magische Kraft: In der Mythologie ist das Herz sehr bildhaft mit der Lebenskraft verbunden, Alchimisten sehen es als Samen für das Wachstum, während Hexen gar Herzen «gefressen» haben sollen, um mehr Lebensenergie zu bekommen. Das Herz ist aber auch Urquell der Religiosität. Nur ein ruhiges Herz kann über die 7 Kontemplationsstufen zum Tao finden. Im Buddhismus ist es die Herzschule, welche zur Einheit von Buddha und Herz führt. Im Islam finden sich dann drei Herz-Aspekte: galb = Glauben, fuad = Erkenntnis und lubb = Herzenstiefe. Ähnliches wurde in der christlichen Bibel ausgeschmückt, vertieft und religionsphilosophisch weiter erörtert. Nicht zuletzt hat aber das Herz in Literatur und Kunst einen wichtigen und bedeutsamen Platz. Sei es mit jubilierenden Gedichten von Gottfried Keller (einem romantischen «Herztroubadour») oder dunklen Seiten, wie von Friedrich Nietzsche erlebt und in Worte gefasst bis zu Hermann Hesse, dem es schlicht das Herz zerreisst. Auch die moderne Lyrik ist voll vom «Herzthema», denken wir an Elton John mit «Don’t break my heart» oder Celine Dion mit dem Klassiker «My heart will go on». In diesem Sinn sollen wir die Herzleiden unserer Patient:innen nicht nur kardiologisch, sondern auch kordiologisch betrachten. Nicht selten «bricht das Herz» nicht wegen der falschen Ernährung und «stolpert das Herz» nicht über eine Rhythmusstörung, sondern der ganze Mensch leidet mit seinem Herzen. Nicht ganz von ungefähr hat ein mit mir befreundeter Rhythmologe nach 10 Jahren in der Praxis eine psychotherapeutische Weiterbildung gemacht und betreut nun seine Patienten umfassend kardio- und kordiologisch. Ob uns dies auch in der pädiatrischen Praxis gelingt, ist unserer Sensibilität für das Thema geschuldet und unserem Willen, kordiologische Anteile einer Herzthematik wahrnehmen und behandeln zu wollen. ■ LITERATUR 1 Antoine de Saint-Exupéry Der kleine Prinz 1950/2014 Karl Rauch Verlag 2 Frank Nager, Das Herz als Symbol 1991 Edition Roche S. 27 ff Tänzerin Joan Miró 1925 Quelle: Alamy Aus Antoine de Saint-Exupéry: «Der kleine Prinz» 1950 Quelle: Wikimedia Commons
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