KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 2/2025

02 / 2025 FORTBILDUNG: THEMENHEFTTEIL KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 33 DR. MED. STEFANIE GISSLER WYSS FACHÄRZTIN FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN, MITGLIED DER REDAKTIONSKOMMISSION, NEUENDORF Korrespondenzadresse: s.gissler@hin.ch Fallvorstellung Myokarditis me waren ebenfalls deutlich über der Norm bei ausgeglichener BGA. (Troponin 2898ng/l, CK-MB 78.5 ug/l, NT-pro BNP 8423ng/l.) Im Nasenabstrich war die PCR auf SARS-CoV-2 positiv. In der Abdomensonografie wurde neben einer leichten Splenomegalie zufallsbefundlich ein schmaler Perikarderguss gesichtet. Im EKG zeigte sich eine «low-voltage», was zu einer Perikarditis passte. Klare Zeichen einer Myokarditis bestanden im EKG ausser einer leichten Tachykardie in Ruhe bis 128/min nicht. Bei zunehmender Verschlechterung des Allgemeinzustandes in den folgenden Stunden mit Hypotonie und Tachykardie wurde bei hochgradigem Verdacht auf eine Perimyokarditis eine rasche Verlegung in der Nacht in eine Universitätskinderklinik beschlossen. Auf eine Echokardiografie wurde verzichtet, um die Verlegung nicht zu verzögern. In der Zentrumsklinik bestätigte sich die Verdachtsdiagnose echokardiografisch sowie im KardioMRI mit zirkulärem Perikarderguss und eingeschränkter linksventrikulärer Funktion (EF um 45%). Der Patient wurde auf die Intensivstation aufgenommen, und eine diuretische Therapie mit Furosemid und Spironolacton wurde begonnen. Es erfolgte eine einmalige IVIG-Gabe (2mg/kg). Laborchemisch zeigten sich die deutlich erhöhten Herzenzyme nach kurzem weiterem Anstieg in den folgenden Tagen abfallend. Die erweiterte Diagnostik infektiologisch und rheumatologisch blieb neben dem positiven SARS-CoV2-Nachweis unauffällig. Die Befunde und die Beschwerden waren unter der genannten Therapie innert einer Woche praktisch vollständig regredient. Die Echokardiografie vor Austritt zeigte eine normale linksventrikuläre Funktion. Die diuretische Therapie wurde ambulant eine weitere Woche fortgeführt und konnte dann gestoppt werden. In den ambulanten kardiologischen Nachkontrollen einen und drei Monate nach Symptombeginn zeigten sich keine Hinweise auf eine kardiale Problematik. Ein Belastungs-EKG Ende August war normal und die initial verordnete Sportdispens konnte aufgehoben werden. In der abschliessenden Beurteilung wurde die Diagnose einer Perimyokarditis im Rahmen einer Covid-Infektion gestellt. ■ Anfang Mai 2024 stellte sich ein damals knapp 12-jähriger, normalerweise sehr aktiver Knabe in unserer Praxis vor, mit Kopf- und Gliederschmerzen seit 2–3 Tagen. Er klagte über Schmerzen in den Beinen beim Gehen, Schnupfen und fühlte sich müde. Klinisch war er in gutem Allgemeinzustand (AZ), afebril, Sauerstoffsättigung 98% und im Status konnten keine klar pathologischen Befunde festgestellt werden. Es wurde die Diagnose eines viralen Infektes gestellt, differentialdiagnostisch aufgrund der damaligen epidemiologischen Lage eine Covid-Infektion in Betracht gezogen, aber wegen fehlender Konsequenzen nicht weiter abgeklärt. Im Verlaufe des gleichen Tages zeigte er neu eine subjektive Dyspnoe und thorakale Schmerzen bei tiefer Inspiration sowie periorbitale Schwellungen. Dem Vater fiel eine Anisokorie auf. Es erfolgte eine Vorstellung am Abend auf der Notfallstation der nächsten Kinderklinik. Dort war er weiter afebril, in gutem AZ, hatte normale Vitalparameter und im allgemeinpädiatrischen und neurologischen Status normale Befunde bis auf leichte periorbitale Ödeme und eine Anisokorie von 1–2mm rechts>links mit regelrechter direkter und indirekter Pupillenreaktion, welche im Verlauf regredient war. Im Labor wurde eine Nephropathie ausgeschlossen, die Entzündungsparameter zeigten sich unauffällig (Lc 6.08G/l, CRP 12mg/l). Es wurde wiederum eine virale Infektion postuliert mit parainfektiösen periorbitalen Ödemen, welche nach 50mg Prednisolon rückläufig waren. Es wurde eine ambulante ophthalmologische Kontrolle am Folgetag aufgrund der Anisokorie vereinbart sowie eine Kontrolle in unserer Praxis in den nächsten Tagen empfohlen, bevor der Patient entlassen wurde. Die Augenkontrolle am nächsten Tag zeigte unauffällige Befunde. Aufgrund zunehmender AZ-Reduktion und intermittierendem Schwindel, einer leichten Ptosis sowie persistierenden Gliederschmerzen suchte die Familie mit ihrem Sohn 3 Tage später nochmals den Notfall auf. Auf den wenigen hundert Metern vom Parkplatz ins Spital musste er mehrmals stehen bleiben. Bei Eintritt waren die Vitalparameter weiterhin stabil und er wurde initial in ordentlichem AZ beschrieben. Im ausgedehnten Labor zeigten sich dann erhöhte Transaminasen und eine deutlich erhöhte Creatinkinase (6391U/l). Die HerzenzyEchokardiografie des Patienten nach Eintritt in die Zentrumsklinik. Bild: Marc Wildbolz

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