KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 2/2025

FORTBILDUNG: THEMENHEFTTEIL 02 / 2025 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 32 Histologie Die Histologie stellt trotz deutlicher Verbesserung der bildgebenden Verfahren, insbesondere des MRTs, weiterhin den Goldstandard in der Diagnostik dar. Die «Dallas Kriterien» aus dem Jahr 1987 präsentieren weiterhin die histologischen Kriterien zur Diagnosestellung einer Myokarditis, basierend auf dem Nachweis von Entzündungszellen und myokardialer Nekrose, die nicht durch eine andere Ursache erklärt werden können. Da eine Myokarditis jedoch in den unterschiedlichen Myokardarealen unterschiedlich ausgeprägt sein kann (fokale Inflammation), gibt es eine hohe falsch-negative Rate an Biopsieresultaten trotz Entnahme mehrerer Proben13. Therapie Die Therapie der Myokarditis richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung. Die Behandlung kann konservative, medikamentöse und in schweren Fällen auch invasive Massnahmen umfassen. Primär sollte durch das Behandlungsteam bedacht werden, dass sich eine Myokarditis sehr schnell verschlechtern kann. Es sollte daher antizipiert werden, welchen Verlauf die Erkrankung nimmt, und das Kind gegebenenfalls sehr frühzeitig in ein Zentrum mit intensivmedizinischen Kapazitäten inklusive mechanischem Kreislaufsupport (z. B. ECMO) und gegebenenfalls in der Folge auch Möglichkeit zur Herztransplantation verlegt werden. Ein kontinuierliches Monitoring insbesondere des Herzrhythmus ist sinnvoll. Je nach Ausprägung einer kardialen Dysfunktion wird eine medikamentöse Herzinsuffizienztherapie etabliert. Neben Diuretika wird hier auf der Intensivstation bevorzugt Milrinon eingesetzt. Eine orale Herzinsuffizienztherapie (Diuretika, ACE-Hemmer, Beta-Blocker) kommt nach initialer Stabilisierung und beginnender Verbesserung nach Intensivtherapie zum Einsatz, oder auch primär bei milderen Formen der kardialen Dysfunktion. Auch wenn die Datenlage insbesondere im Kindesalter nicht eindeutig ist, so hat sich eine immunmodulatorische Therapie vor allem mit Immunglobulinen (IVIG) in den meisten Zentren etabliert, teils auch in Kombination mit Kortikosteroiden. Spezifische antivirale Therapien (beispielsweise Aciclovir bei Herpes simplex, Ganciclovir/Valganciclovir bei CMV und HHV 6) sollten je nach Virusnachweis erwogen werden14,15. Fazit Die Myokarditis im Kindesalter ist eine Erkrankung, die aufgrund ihrer Vielfalt an Ursachen und Symptomen eine erhebliche diagnostische Herausforderung darstellt. Eine schnelle und genaue Diagnose ist von entscheidender Bedeutung, um Komplikationen wie eine Herzinsuffizienz und plötzlichen Herztod zu vermeiden. Moderne diagnostische Verfahren, insbesondere die Echokardiografie und das kardiale MRT, haben die frühzeitige Erkennung dieser Erkrankung erheblich verbessert. Trotz der potenziellen Schwere der Myokarditis im Kindesalter ist die Prognose bei rechtzeitiger Diagnostik und Therapie in vielen Fällen günstig. ■ LITERATUR 1 Law YM, Lal AK, Chen S, Čiháková D, Cooper LT, Deshpande S, u. a. Diagnosis and Management of Myocarditis in Children: A Scientific Statement From the American Heart Association. Circulation [Internet]. 10. August 2021 [zitiert 28. März 2025];144(6). Verfügbar unter: https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/ CIR.0000000000001001 2 Canter CE, Simpson KE. Diagnosis and Treatment of Myocarditis in Children in the Current Era. Circulation. 7. Januar 2014;129(1):115–28. 3 Fairweather D, Beetler DJ, Di Florio DN, Musigk N, Heidecker B, Cooper LT. COVID-19, Myocarditis and Pericarditis. Circ Res. 12. Mai 2023;132(10):1302–19. 4 Kindermann I, Barth C, Mahfoud F, Ukena C, Lenski M, Yilmaz A, u. a. Update on myocarditis. J Am Coll Cardiol. 28. 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A histopathologic definition and classification. Am J Cardiovasc Pathol. Januar 1987;1(1):3–14. 14 Robinson J, Hartling L, Vandermeer B, Klassen TP. Intravenous immunoglobulin for presumed viral myocarditis in children and adults. Cochrane Database Syst Rev. 20. Mai 2015; (5):CD004370. 15 Drucker NA, Colan SD, Lewis AB, Beiser AS, Wessel DL, Takahashi M, u. a. Gamma-globulin treatment of acute myocarditis in the pediatric population. Circulation. Januar 1994;89(1):252–7. Bild: Ariton, 6 Jahre

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