KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 2/2025

FORTBILDUNG: THEMENHEFTTEIL 02 / 2025 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 30 PD DR. MED. MARTIN CHRISTMANN FACHARZT FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN MIT SCHWERPUNKT KINDERKARDIOLOGIE DR. MED. OLIVER NIESSE FACHARZT FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN/ INTENSIVMEDIZIN MIT SCHWERPUNKT KINDERKARDIOLOGIE/ NEONATOLOGIE PD DR. MED. DANIEL QUANDT FACHARZT FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN MIT SCHWERPUNKT KINDERKARDIOLOGIE KINDERHERZEN, ZENTRUM FÜR KINDERKARDIOLOGIE, ZÜRICH Korrespondenzadresse: kinderherzen@hin.ch Myokarditis im Kindesalter: Ein Überblick für die pädiatrische Praxis Krankheitsbildes mit dann auch sehr schweren Verläufen beispielsweise bei Streptokokken- oder Staphylokokkeninfektionen diagnostiziert werden. Selten ist auch der Nachweis einer Myokarditis im Rahmen einer Borrelien-Infektion1,2. Nicht-infektiöse Ursachen können autoimmune, toxische, hypersensitive und medikamentöse – neben anderen – sein. So haben beispielsweise Kinder mit einem Lupus erythematodes in knapp 11% der Patient:innen eine Myokarditis, Perikarditis oder eine Perimyokarditis im Rahmen der initialen Präsentation. Hypersensitive Myokarditiden sind durch eine eosinophile Infiltration des Myokards gekennzeichnet, ursächlich liegt hier meist eine medikamentöse, toxin-assoziierte oder maligne Ursache zugrunde1,6. Klinische Präsentation und diagnostische Modalitäten Eine Myokarditis kann sich klinisch sehr unterschiedlich präsentieren. Typischerweise findet man bei einer akut eintretenden Myokarditis einige Tage bis Wochen nach einer Virusinfektion (passend auch zum Fallbericht auf Seite 32) eine in unterschiedlichem Masse reduzierte myokardiale Funktion mit oder ohne Dilatation der Kammern in der Echokardiografie (Bild 1)7. Die Funktion kann akut stark reduziert sein, sodass die Patient:innen sich im kardiogenen Schock teils auch mit relevanten Rhythmusstörungen präsentieren. In diesen Fällen ist eine intensivmedizinische Betreuung, teilweise auch mit Extrakorporaler Membran-Oxygenierung (ECMO), notwendig. Chronisch persistierende Myokarditiden können sich weniger dramatisch präsentieren, die systolische Funktion kann trotz histologischem Nachweis einer persistierenden myokardialen Entzündung noch erhalten sein2,7. Klinische Symptome Die klinische Verdachtsdiagnose einer Myokarditis beruht auf Anamnese, Symptomen und klinischen Zeichen. Einleitung Die Myokarditis stellt eine entzündliche Erkrankung des Myokards dar, die in der Kindheit zu erheblichen kardiologischen Problemen führen kann. Teilweise stellt sie das behandelnde Team um Ärzt:innen und Pflege vor grosse Herausforderungen in Diagnostik und Therapie. Der Grossteil der Patient:innen erholt sich von einer Myokarditis spontan, viele erleiden jedoch auch irreversible Myokardschäden, die das Behandlungsteam dazu zwingen können, medizinische Entscheidungen zu treffen, ohne dass eine gesicherte Diagnose vorliegt, oder Therapieentscheidungen zu treffen, die nicht evidenzbasiert sind1. Die Ätiologie dieser Erkrankung ist vielfältig, wobei vor allem virale Infektionen als Hauptursache gelten. In den letzten Jahren hat der Diskurs und somit die Bedeutung der Myokarditis im Kindesalter zugenommen, nicht nur wegen ihrer oft unspezifischen Symptomatik und der potenziellen Schwere der Erkrankung, die von einer milden, selbstlimitierenden Form bis hin zu einer lebensbedrohlichen Herzinsuffizienz reichen kann2, sondern auch aufgrund der medial sehr präsenten Fälle im Rahmen der Covid-19-Pandemie und der diesbezüglichen Impfungen3. Die folgende Übersicht soll eine Zusammenfassung über Diagnostik und Therapie sowie Prognose der Myokarditis im Kindesalter geben. Historisch wurde eine histologisch gesicherte myokardiale Entzündung zur Diagnosestellung einer Myokarditis gefordert. In der Zwischenzeit sind andere Untersuchungsmodalitäten, wie beispielsweise die Kombination aus Echokardiografie und MRT in Kombination mit Laboruntersuchungen zunehmend in den Vordergrund der Diagnostik gelangt. Klinische Kriterien allein sind nicht ausreichend, um die Diagnose klar stellen zu können1. Dementsprechend wird aktuell weiterhin empfohlen, die Verdachtsdiagnose anhand klinischer, echokardiografischer und MRT-basierter Befunde mittels Biopsie (Endomyokardbiopsie) zu verifizieren2. Ätiologie Die Myokarditis im Kindesalter kann eine Vielzahl von Ursachen haben, wobei infektiöse und hier im Besonderen Viruserkrankungen im Vordergrund stehen. Es konnte in Studien in den letzten Jahren ein Shift von vorwiegend Adenoviren und Enteroviren hin zu aktuell Parvoviren (B19) und Humanem Herpes-Virus Typ 6 (HHV6) festgestellt werden4. Während der Covid19-Pandemie konnten myokardiale Mitbeteiligungen im Rahmen eines multiple Organe betreffenden Inflammations-Syndroms mittels Autopsie nachgewiesen werden3,5. Bakterielle Myokarditiden sind im Vergleich sehr selten und können meist im Rahmen eines septischen Bild 1: Schwere Dilatation von linker Kammer und linkem Vorhof aufgrund einer schweren linksventrikulären Dysfunktion. RA: rechtes Atrium; RV: rechter Ventrikel; LA: linkes Atrium; LV: linker Ventrikel Bild: Kinderherzen, Zentrum für Kinderkardiologie RA LA LV RV

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