KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 2/2025

FORTBILDUNG: THEMENHEFTTEIL 02 / 2025 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 28 • Regelmässige (1–2×/Jahr) zahnärztliche Kontrollen bzw. Dentalhygiene • Keine zuckerhaltigen Getränke im Kleinkindesalter und generelle Einschränkung des Zuckerkonsums zur Kariesprophylaxe • Hautwunden desinfizieren • Ärztliche Konsultation und optimale Therapie bei Hauterkrankungen wie z. B. atopische Dermatitis oder Akne • Von Piercings und Tattoos wird abgeraten • Eradikation oder Reduktion einer chronischen bakteriellen Kolonisation z. B. S. aureus Dekolonisation ■ Das Krankheitsbild muss den Familien und Patient:innen bekannt sein. Bei Fieber/passenden Symptomen sollte ein Arzt aufgesucht werden, um ggf. die notwendige Diagnostik durchzuführen, und es sollte keine Selbstmedikation mit Antibiotika stattfinden. Dies beinhaltet eine gute Patient:innenedukation. Hochrisikogruppen Eine antibiotische Endokarditisprophylaxe ist nur bei Patient:innen indiziert, welche ein hohes Risiko haben, an einer Endokarditis zu erkranken. Dazu gehören: 1. Patient:innen, welche bereits eine Endokarditis hatten. 2. Patient:innen mit einer chirurgisch oder katheterinterventionell implantierten Klappenprothese (mechanisch oder biologisch) oder bei denen Fremdmaterial zur Herzklappen-Rekonstruktion verwendet wurde. 3. Patient:innen mit angeborenen Herzfehlern: (a) zyanotische angeborene Herzfehler (d. h. nicht behandelte Vitien). (b) angeborene Herzfehler, wenn prothetisches Material für die Rekonstruktion verwendet wurde (erhöhtes Risiko für die ersten 6 Monate postinterventionell oder postoperativ). (c) angeborene Herzfehler, wenn prothetisches Material für die Rekonstruktion verwendet wurde UND ein persistierender Shunt oder persistierender relevanter Residualbefund nach dem Eingriff vorliegt (z. B. nicht komplett eingewachsenes prothetisches Material). 4. Patient:innen mit einer mechanischen Ventrikel- Unterstützung (Ventricular Assist Device). 5. Patient:innen nach Herztransplantation: von Fall zu Fall Evaluation mit Patient:innen und deren betreuenden Arzt des Herztransplantationszentrums vor der entsprechenden Intervention («may be considered», Evidence Level C, Empfehlungskategorie IIb)2. Antibiotische Endokarditisprophylaxe Eine antibiotische Prophylaxe ist nur bei zahnärztlichen Eingriffen mit Blutungsfolge indiziert. Dies beinhaltet Manipulationen an der Gingiva oder an der periapikalen Region, sowie zahnärztlich-chirurgische Eingriffe mit Perforation der Mundschleimhaut (z. B. Zahnextraktion, tiefe Parodontalbehandlung). Nicht indiziert ist die antibiotische Prophylaxe bei natürlichem Milchzahnverlust, oberflächlichen enoralen Verletzungen, sowie bei nicht blutenden Eingriffen z. B. oberflächliche Kariesbehandlung, Fadenentfernung, Anpassung einer Zahnspange, Röntgenaufnahmen2,6. Das Antibiotikum der Wahl bei zahnärztlichen Eingriffen ist Amoxicillin 50 mg/kg p.o. (maximale Dosis 2 g). Bei Penicillin-Allergie wird alternativ Cefuroxim-Axetil 50 mg/kg p.o. (maximale Dosis 1 g) oder Clindamycin 20 mg/kg p.o. (maximale Dosis 600 mg) verabreicht. Die antibiotische Prophylaxe soll 30–60 Minuten vor der Intervention verabreicht werden. Eine antibiotische Endokarditisprophylaxe bei Eingriffen im HNO-Bereich, Respirationstrakt, Gastrointestinal- und Urogenitaltrakt oder an der Haut/Weichteilen wird generell nicht mehr empfohlen und ist nur bei vorliegender Infektion (z. B. Abszessdrainage) indiziert. Eine Ausnahme bildet die Tonsillektomie, bei welcher eine Mehrheit der Expertengruppe eine antibiotische Prophylaxe favorisiert2,4. ■ Medikation bei zahnärztlichen Eingriffen: Abbildung 3: ESC Guidelines for the management of endocarditis Quelle: European Heart Journal; 2023 - doi: 10.1093/eurheartj/ehad193, www.escardio.org/guidelines Keine Penicillinallergie Penicillinallergie Erwachsene 30–60 Minuten vor der Intervention Amoxicillin 1× 2g p.o. Soforttypreaktion: Clindamycin 600mg p.o. Spättypreaktion: Cefuroxim-Axetil 1× 1g p.o. Kinder 30–60 Minuten vor der Intervention Amoxicillin 1× 50mg/kg p.o. (max. 2g) Soforttypreaktion: Clindamycin 20mg/kg p.o. (max. 600mg) Spättypreaktion: Cefuroxim-Axetil 1× 30mg/kg p.o. (max. 1g) Prevention measures Why? Who? How? When? Patients should be encouraged to maintain twice daily tooth cleaning and to seek professional dental cleaning and follow-up at least twice yearly for high-risk patients and yearly for others Strict cutaneous hygiene, including optimized treatment of chronic skin conditions Disinfection of wounds Curative antibiotics for any focus of bacterial infection No self-medication with antibiotics Strict infection control measures for any at-risk procedure Discouragement of piercing and tattooing Limitation of infusion catheters and invasive procedures when possible. Strict adherence to care bundles for central and periheral cannulae should be performed Quelle: Schweizerische Gesellschaft für Infektiologie, ssi.guidelines.ch/

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