04 / 2024 JAHRESTAGUNG KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 39 Die Präanalytik hat im Gesamtablauf den grössten Einfluss auf die Qualität des Ergebnisses. Schätzungsweise 75% aller «falschen Resultate» sind im Bereich der Präanalytik angesiedelt. Für die kapilläre Blutentnahme sollte ein Finger ausgewählt werden, welcher gut durchblutet ist und somit eine rosa Hautfarbe aufweist. Hautstellen, an denen Spuren von vorherigen Punktionen sichtbar sind, sollten möglichst vermieden werden, es sollte kein Emla verwendet werden und die Desinfektion sollte man gut (20 Sekunden) einwirken lassen. Der ersREFERIERENDE: PROF. DR. MED. MARKUS SCHMUGGE Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin FMH, Schwerpunkt pädiatrische Hämatologie-Onkologie FMH, Hämatologische Spezialanalytik FAMH, Leitender Arzt Universitäts-Kinderspital Zürich MARTINA TEMPERLI Expertin biomedizinische Analytik und Labormanagement mit eidgenössischem Diplom, Stv. Leiterin ZPL Hämatologie, Bereichsleitung Anämie Diagnostik, UniversitätsKinderspital Zürich MODERATION/AUTORIN: SARAH JAGGI Medizinische Praxisassistentin in der Kinderarztpraxis mit Herz, Bern Korrespondenzadresse: sarah.jaggi@hin.ch MPA Workshop 20: Hämatologie Hämatologische Werte: normal oder pathologisch? Laboranalytik für MPAs: Hintergrund, typische Laborbefunde und Tipps für den Alltag te Blutstropfen muss immer weggewischt und jedes Pressen und Quetschen an der Entnahmestelle sollte vermieden werden. Es ist wichtig, dass das gefüllte Probegefäss unmittelbar nach der Entnahme geschwenkt wird. Eine schlechte Durchmischung der Probe kann zu Gerinnseln führen, was zu falschen Thrombozytenzahlen (falsch tief) und Leukozytenzahlen (falsch hoch/tief) führen kann. Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Das Wachstum, das Herz, der Kreislauf und die Atmung funktionieren anders. Das normale Blutbild von Neugeborenen verändert sich innert weniger Tage. Eindrücklich zeigt dies der Hb-Wert. Dieser erreicht bei Geburt den höchsten und zwischen 1–9 Monaten den tiefsten Wert des gesamten Lebens. Die altersabhängigen Normwerte müssen immer berücksichtigt werden. Folgende Blutbildresultate müssen dem behandelnden Arzt immer gemeldet werden: Thrombopenie < 100 G/L, Hämoglobin < 80 G/L, Neutropenie < 1.0 G/L, Leukope- nie < 3.0 G/L und abnorme Leukozytenformen in der Mikroskopie. Die Leukozytose ist altersnormwertabhängig. ■ Frau Dr. med. Irmela Heinrichs vermittelte den Teilnehmenden mit den folgenden Inhalten praxisnahe Kenntnisse und Fähigkeiten im Umgang mit Allergien bei Kindern: ■ 1. Notfallmanagement bei allergischem Schock Die Teilnehmenden konnten anhand eines konkreten Beispiels üben: Wir lernten, die typischen Anzeichen eines anaphylaktischen Schocks zu identifizieren, wie Atemnot, Schwellungen, Hautreaktionen und Kreislaufprobleme. Es wurde erläutert, wie man im Notfall richtig reagiert: • Sofortige Benachrichtigung des Arztes bzw. der Ärztin. • Anwendung von Adrenalin (z.B. über einen AutoInjektor) in richtiger Dosierung. • Lagerung des Patienten / der Patientin in einer geeigneten Position und • Überwachung der Vitalzeichen bis zum Eintreffen des Notdienstes. ■ 2. Richtiges Inhalieren Dies konnten wir direkt an einer Puppe ausprobieren. So konnten sich die MPAs gegenseitig auch austauschen zur korrekten Anwendung von Inhalationsgeräten, einschliesslich Dosieraerosolen und Pulverinhalatoren. Wichtige Schritte wie das korrekte Halten des Geräts, das Einatmen zur richtigen Zeit und das Halten des Atems nach dem Inhalieren wurden demonstriert. REFERENTIN: DR. MED. IRMELA HEINRICHS Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Vorstandsmitglied Kinderärzte Schweiz, Quellenpraxis Uster MODERATION: NAOMI GÖTSCH Medizinische Praxiskoordinatorin, Quellenpraxis Uster MODERATION/AUTORIN: SELINA BRUDERER Medizinische Praxisassistentin, Quellenpraxis Uster Korrespondenzadresse: brudererselina@gmail.com MPA Workshop 19: Allergologie Allergie und Desensibilisierung ■ 3. Desensibilisierung Der Workshop erklärte die Grundlagen der spezifischen Immuntherapie (Desensibilisierung) und deren Anwendung bei Allergien. Die Teilnehmenden lernten, wie die Therapie schrittweise eingeleitet wird und welche Nachsorge erforderlich ist, um deren Sicherheit und Wirksamkeit zu gewährleisten. ■ 4. Pricktest durchführen Die MPAs erhielten eine praktische Schulung zur Durchführung von Pricktests, einschliesslich der Auswahl der Allergene, der richtigen Technik und der Auswertung der Ergebnisse. Wichtige Informationen zur Vorbereitung der Patient:innen und zur Nachsorge nach dem Test wurden ebenfalls behandelt. Fazit: Der Workshop liess alle MPAs wertvolle Kenntnisse erwerben und sich praktische Fähigkeiten anzueignen, um im Umgang mit Allergien bei Kindern sicher und kompetent zu handeln. Die Teilnehmenden fühlten sich gut vorbereitet, um im Notfall schnell zu reagieren, inhalative Therapien korrekt anzuwenden, Desensibilisierungsmassnahmen zu unterstützen und Allergietests durchzuführen. ■
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