KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 4/2024

JAHRESTAGUNG 04 / 2024 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 28 Der spannende und sehr praxisorientierte endokrinologische Workshop von Udo Meinhardt setzte sich aus zwei Teilen zusammen. In einem ersten Teil wurde anhand eines Inputreferats das Thema der Jahrestagung aufgegriffen (siehe Titel). Viele endokrin wirksame Chemikalien, auch als endokrine Disruptoren bezeichnet, sind bekannt, die die Gonadenfunktion und Fertilität erheblich beeinträchtigen können. Eine deutliche Kennzeichnung der Produkte erfolgt selten, aber man kann sich z. B. auf der BAG-Seite diesbezüglich informieren. Weiter gibt es zum Beispiel folgende Einflüsse auf die Entstehung von endokrinologischen Erkrankungen: Infektionen (COVID-19 ➝ Diabetes mellitus Typ 1 und Schilddrüsenerkrankungen), Mangel an Mikronährstoffen (Vitamin D3 ➝ DM I, sowie Rachitis / Jod ➝ Schilddrüsenerkrankungen – wichtig auf jodiertes Salz zu achten! Und Calcium ➝ Knochenmineralisation). Die Calciumbestimmung im Blut ist hier nicht hilfreich, da bei einem Mangel mehr aus dem Knochen mobilisiert wird. Einen Calciummangel erkennt man einfach mit Erstellung der Calciumbilanz aus der Ernährungsanamnese. REFERENT: PD DR. MED. UDO MEINHARDT Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin FMH mit Schwerpunkte Pädiatrische EndokrinologieDiabetologie sowie Sport- und Bewegungsmedizin, Praxis klein-gross, Dübendorf MODERATION/AUTORIN: MED. PRACT. MAJA PFEIFFER Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, Kinderarztpraxis Wallisellen Korrespondenzadresse: kinderarztpraxis-wallisellen@ hin.ch Workshop Ärzt:innen 3: Endokrinologie Einfluss von Lifestyle, Gesellschaft und Umwelt auf unsere endokrinologische Gesundheit und Falldiskussionen Bei den Falldiskussionen wurden alltagspraktische Tipps ergänzt, z. B. dass zu einer Schilddrüsenabklärung stets die Palpation der SD gehört. Bei einer SD-Erkrankung im Kindesalter ist die Schilddrüse in der Regel palpabel! Eine Acanthosis nigricans ist sehr stark hinweisend für eine Insulinresistenz. Das DHEA-S > 1,1 umol/l gilt biochemisch als Diagnose der Adrenarche. Bei pubertären Entwicklungen ausserhalb der Norm (zu früh / zu spät) muss die Therapie immer individuell diskutiert werden. ■ Workshop Ärzt:innen 4: Hitzestress Hitze und Kindergesundheit: Was müssen wir wissen? – Was können wir tun? Im Workshop «Hitzestress» präsentierte der Hitzeexperte Dr. Patrick Hetzel die wichtigsten theoretischen Punkte zu Hitze und Kindergesundheit. Zunehmende Hitze ist die direkteste Folge der anthropogenen Klimakrise und wird uns als Kinderärzte in Zukunft vermehrt und unmittelbar betreffen – fundiertes Wissen hierzu ist deshalb unabdingbar. Kinder zählen aufgrund von unreifer Thermoregulation, geringer Schweissproduktion, einem im Vergleich zu Erwachsenen höheren Verhältnis von Körperoberfläche zu Körpervolumen und einer potenziell falschen Einschätzung von Gefahren durch Hitze zu den durch Hitze besonders betroffenen Risikogruppen. Gleichzeitig sind sie von Klimaschutz- und Hitzeschutzmassnahmen abhängig, welche nur von Erwachsenen getroffen werden können. Pathophysiologisch werden 3 Entitäten von akuter Hitzeerkrankung unterschieden (siehe Kasten). Die 12 Workshop-Teilnehmenden aus der Schweiz, Deutschland und Frankreich waren überdurchschnittlich stark zur Thematik sensibilisiert, sodass der Workshop qualitativ hochstehend partizipativ gestaltet werden konnte. Trotz schwieriger Thematik durften wir mental gestärkt aus dem Workshop gehen: Diffuses Unwohlsein wich konkretem Wissen, Ideen und geknüpften Kontakten. ■ REFERENT: DR. MED. PATRICK HETZEL Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin FMH, Co-Leiter KIS Arbeitsgruppe Nachhaltigkeit, Kinderärzte Niederholz, Riehen MODERATION/AUTOR: DR. MED. BENJAMIN STICHER Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin FMH, Mitglied KIS Arbeitsgruppe Nachhaltigkeit, Praxis Steinibach, Zollikofen Korrespondenzadresse: benjamin.sticher@outlook.com Hitzeerkrankung: 3 Entitäten ■ Hitzeödem (Körpertemperatur < 38,3°C): Schwellung der Extremitäten, muskuläre Krämpfe, Miliaria ■ Hitzeerschöpfung (Körpertemperatur 38,3–40 °C): Antriebslosigkeit oder Unruhe, Schwindel, Übelkeit, Tachykardie, orthostatische Dysregulation ■ Hitzeschlag (Körpertemperatur > 40 °C): Bewusstseinsstörung, Krampfanfälle, Hyperventilation, Oligurie In der Schweiz verläuft der Temperaturanstieg aufgrund geografischer Gegebenheiten deutlich schneller als im globalen Durchschnitt. So ist die aktuelle Durchschnittstemperatur bereits heute 2,8°C höher im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter.

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