KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 2/2024

02 / 2024

Inserat In der Druckausgabe befindet sich auf dieser Seite ein Hinweis für medizinische Fachpersonen.

KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 3 © Kinderärzte Schweiz ■ HABEN SIE ANREGUNGEN, KRITIK ODER LOB? Dann schicken Sie uns eine E-Mail an: info@kis.ch Wir freuen uns. 02 / 2024 INHALT / IMPRESSUM EDITORIAL 5 «Chönnd Si s’Bluet teschte?» INTERN 6 Wir gratulieren Beatrice Kivanc zum 10-Jahr-KIS-Jubiläum PINNWAND 8 L esenswertes aus dem KIS Vorstand, unseren Arbeitsgruppen und dem Rest der Welt VERNETZUNG 10 EPCPC Spring Meeting Ljubljana 5.–6. April 2024 12 5-Länder-Treffen der Berufsverbände der Praxispädiater:innen in Köln 14 KD Dr. med. Sepp Holtz: Seine Erfahrungen als Tutor für Moderator:innen von Qualitätszirkeln (QZ) BERUFSPOLITIK 16 mfe FRÜHLINGSTAGUNG 17 KIS Online-Frühlingstagung vom 14. März 2024 18 Ärzt:innen und MPA Referat 1: Urindiagnostik 19 2: Wichtige nephrologische Erkrankungen 20 Ärzt:innen Referat 1 1: Hydronephrose 21 2: Update Harnwegsinfektionen JAHRESTAGUNG 24 «Menschenschutz»: Interview mit dem Hauptreferenten der KIS Jahrestagung DIE MPA SEITE 26 Hospitation für MPAs und Praxisteams FORTBILDUNG: THEMENHEFTTEIL 27 Eisentherapie: Ein «How I treat» mit Anwendungshinweisen, Tipps und Kleingedrucktem 30 Thrombophilieabklärung im Kindesalter 31 Thromboseprophylaxe im Kindesalter 32 Die primäre Immunthrombozytopenie im Kindes- und Jugendalter 37 Leukämien im Kindes- und Jugendalter – Fortschritte der letzten Jahrzehnte 40 Thalassämie im Kindes- und Jugendalter 42 Ein Sohn mit Hämophilie – Erfahrungsbericht einer Mutter NACHHALTIGKEIT IN DER PÄDIATRIE 44 Klimakrise: Kinderärzt:innen fordern Politik zum Handeln auf KURSE/WORKSHOPS/FORTBILDUNGEN 45 Kurse KIS 46 Veranstaltungskalender 46 Die gute Fortbildung REDAKTIONELLE SEITEN 47 Leserbriefe ERFAHRUNGSBERICHT 49 Fortbildung «Kinderchirurgie in der Praxis – von Team zu Team» 50 ADHS-Kurs für Praxispädiater:innen: Basics, Therapien und Coaching DAS GUTE KINDERBUCH FÜR DIE PRAXIS 51 «SO ODER SO – Einfach Pinguin sein» 51 «Kraken kennen keine Berge» – Ein Abenteuer rund um die frühe Geburt IMPRESSUM REDAKTIONSTEAM: Dr. med. Matthias Ferretti, Winterthur; Dr. med. Stefanie Gissler Wyss, Neuendorf; Dr. med. Raffael Guggenheim, Zürich; Dr. med. Irmela Heinrichs, Uster (Leitung); Dr. med. Cyril Lüdin, Muttenz; Dr. med. Nadia Sauter Oes, Winterthur; Dr. med. Martin Schmidt, Rheinfelden; Dr. med. Jürg C. Streuli, Uznach; Dr. Daniel Brandl, PhD, Geschäftsführer, Dietikon HERAUSGEBER: Kinderärzte Schweiz, Löwenstrasse 17, 8953 Dietikon ABO: 4 Ausgaben/Jahr: Fr. 48.– inkl. Porto (für Mitglieder inklusive) Spezialpreis für MPAs, Mütter- und Väterberatungsstellen sowie Nonprofit-Organisationen im Bereich Kinder- und Jugendgesundheit: Fr. 32.– inkl. Porto BILDER / ILLUSTRATIONEN: iStock, Kinderärzte Schweiz, Kinderarztpraxis am Rennweg, Derya Kivanc, Ombudsstelle Kinderrechte Schweiz, smarter medicine, allani kinderhospiz, Karin Sauter-Singh/Karin Schmid, Fachstelle Kindsverlust, Hogrefe Verlag, Helena Gerritsma Schirlo, Jan Cahlik, Sepp Holtz, Teilnehmende Frühlingstagung 2024, Michelle Seiler, Maya Horst, Yasmin Yahya, Dirk Holzinger, Quellenpraxis Uster, Kind+Spital, Valentina, Moritz Kessler, Nura, Servier Medical Art, Lillith Busin, National Centre for Climate Services NCCS, Peter Hunkeler, NordSüd Verlag KORRESPONDENZ: Kinderärzte Schweiz Löwenstrasse 17, 8953 Dietikon Telefon 044 520 27 17 info@kis.ch, www.kis.ch INSERATE: Dr. med. Cyril Lüdin, cyril@luedin.eu GRAFIK, SATZ UND DRUCK: Vogt-Schild Druck AG, CH-4552 Derendingen Auflage: 1150 Expl. Nächste Ausgabe: 03/2024 Redaktionsschluss: 21. Mai 2024 ISSN 2296-2549 (Print) ISSN 2673-4656 (Online) GENDERGERECHTE SPRACHE: Wir achten in unserer Kommunikation auf gendergerechte Sprache. Das heisst, wir beziehen Frauen und Männer gleichermassen in unsere Texte ein, denn Sprache beeinflusst unser Denken und Frauen fühlen sich mit der männlichen Form nicht automatisch mitgemeint. Präferenziell wird eine genderneutrale Sprache verwendet. Das Genderwörterbuch www.geschicktgendern.de dient als Inspiration, passende genderneutrale Alternativen zum generischen Maskulinum zu finden. Wenn dies nicht möglich ist, benützen wir wegen der einfachen Lesbarkeit den Doppelpunkt (z. B. Moderator:innen), um alle Geschlechter anzusprechen. In Ausnahmefällen ist die schwerfällige Beidnennung männlich/weiblich möglich; diese versuchen wir jedoch zu vermeiden. Drucksache myclimate.org/01-24-357981

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02 / 2024 EDITORIAL KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 5 Liebe Leserinnen und Leser Blut hat etwas Magisches. Immer wieder werden wir gebeten, mit einem kleinen Tropfen Blut jegliche Krankheiten festzustellen. Wie oft sitzen wir Eltern gegenüber, die wir überzeugen wollen, dass eine Blutabnahme keine «Garantie für alles» ist, während die kleinen Patient:innen daneben ängstlich hoffen, dass es keinen Piks gibt. Und wir hoffen, dass wir alles richtig entschieden haben. In der Primarschule lernen die Kinder, dass in einem Blauwal 10 000 Liter Blut zirkulieren und eine Mücke pro Stich 3 Milliliter Blut saugt. Unseren Jugendlichen erklären wir, dass das Blut mit 4 km/h durch unseren Körper fliesst und dass Frau bei einer Menstruation etwa 60 Milliliter Blut verliert. Unseren Assistent:innen gegenüber wiederholen wir, dass der Normwert für Hb bei Kindern nicht dem Normwert der Erwachsenen entspricht und dass, wenn wir unsere Erythrozyten auf eine Kette auffädeln würden, diese fünf Mal um den Äquator gewickelt werden könnte. In dieser Ausgabe der KIS-News erklären uns verschiedene Spezialist:innen, wann sich Laborabklärungen lohnen und wann wir hellhörig werden müssen: Bei leichtem Eisenmangel ohne Anämie ist eine Ernährungsumstellung mit mehr Gemüse und weniger Eistee oft wichtiger als eine orale Eisenzufuhr. Jugendliche mit Gipsbein brauchen nicht per se Thrombosespritzen. Eine Thrombophilieabklärung bei gesunden Kindern sollte zurückhaltend verordnet werden. Bei einer primären Immunothrombozytopenie im Kindesalter, früher als idiopathische Thromobozytopenie bekannt, reicht ein Blutbild in der Praxis. Und wenn die Klinik keine Hinweise auf eine hämatoonkologische Erkrankung zeigt und das Blutbild unauffällig ist, können wir die Eltern für heute beruhigen. Der klassische Laborbefund einer Leukämie ist eine mono-, bi- oder trilineäre Zytopenie mit Blasten im Blutausstrich. Bei einem niedrigem MCV unter 60 fl ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, eine Thalassämie zu finden – umgekehrt können die allermeisten Kinder mit beta-Thalassämie minor uneingeschränkt Sport treiben, genau wie Kinder mit gut behandelter Hämophilie. Und da man mit Blut nicht alles erklären kann, bleiben noch Seiten für weiteres Lesenswertes, zum Beispiel über KIS als neuestes Mitglied der European Confederation for Primary Care Paediatricians und Beatrice Kivancs 10-jähriges Jubiläum an unserer Geschäftsstelle. Wir berichten über das 5-Länder-Treffen der Praxispädiater:innenverbände in Köln; das mit Nachbarländern unterschriebene Positionspapier zur Klimagesundheit und die erneute Stärkung der Pädiatrie im Vorstand von mfe. Von unserer Frühlingstagung haben wir die besten Selfies und wichtigsten fachlichen nephrologischen Inputs zur Urindiagnostik, Hydronephrose, Harnwegsinfektionen und Nierenerkrankungen zusammengefasst. Als Anregungen gibt es einen Bericht über den MPA-Praxisaustausch, Kinderbuchtipps über Neonatologie und Diversität, Erfahrungen als Tutor für QZ-Moderator:innen, kritische Leserbriefe, die aus Platzgründen in voller Länge im E-Paper zu lesen sind, sowie Fortbildungshinweise zu ADHS, Kinderchirurgie oder Tapen – ganz ohne Blutvergiessen. Sowohl in der Hämatologie als auch beim Klimaschutz gilt: «Wir brauchen nicht wenige Menschen, die alles richtig machen, sondern viele, die vieles richtig machen.» Dies sagt Dirk Holzinger als Vorgeschmack auf seinen Eröffnungsvortrag bei der KIS-Jahrestagung am 5. September mit dem Thema: «Wind of Change: KlimaGesundheit – heute und morgen!» Wir freuen uns schon jetzt auf ein Wiedersehen in Sursee und wünschen euch eine gute Sommerlektüre! Für die Redaktionskommission Pierino Avoledo, Irmela Heinrichs, This Ferretti «Chönnd Si s’Bluet teschte?» Die Themen der folgenden Hefte sind: News 03/2024: Transition News 04/2024: Jahrestagung News 01/2025: Die pädiatrische Praxis als KMU News 02/2025: Kinderkardiologie DR. MED. PIERINO AVOLEDO CO-EDITOR, FACHARZT FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN FMH MIT SCHWERPUNKT PÄDIATRISCHE ONKOLOGIEHÄMATOLOGIE, KINDERARZTPRAXIS AM RENNWEG, BASEL Korrespondenzadresse: p.avoledo@hin.ch DR. MED. IRMELA HEINRICHS CO-EDITORIN, LEITERIN REDAKTIONSKOMMISSION, FACHÄRZTIN FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN FMH, USTER Korrespondenzadresse: iheinrichs@hin.ch DR. MED. THIS FERRETTI CO-EDITOR, MITGLIED REDAKTIONSKOMMISSION, FACHARZT FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN FMH, WINTERTHUR Korrespondenzadresse: m.ferretti@hin.ch

INTERN 02 / 2024 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 6 Am 1. Juni 2014 begann Beatrice Kivanc ihre Arbeit in der Geschäftsstelle von Kinderärzte Schweiz. Unser Domizil war damals noch an der Badenerstrasse 21 im Herzen von Zürich, Beas initiales Pensum betrug 60%, die Geschäftsführerin hiess Sylvia Locher und nach dem plötzlichen Weggang der vorherigen Geschäftsleitung mussten die Aufgaben neu verteilt werden. Im vergangenen Jahrzehnt hat Bea nicht nur zehn Jahrestagungen sowie Hunderte von Kurstagen für Tausende von Teilnehmenden perfekt organisiert, unzählige Telefonanrufe freundlich und kompetent beantwortet, zigtausend E-Mails zu verschiedensten Themen und Aufgaben geschrieben und gelesen, sondern auch zwei neue Arbeitskolleg:innen willkommen geheissen, einige Vorstandsmitglieder kommen und gehen sehen, einen Umzug der Geschäftsstelle nach Dietikon miterlebt und mitgestaltet, ihr Pensum schrittweise auf 90% erhöht und ihre beiden Töchter zu zwei tollen jungen Frauen heranwachsen sehen. Seit einem Jahrzehnt leistet Bea mit ihrer Herzlichkeit, Leidenschaft, ihrem Fachwissen und ihrem Engagement tagtäglich einen bedeutenden Beitrag zur Arbeit unseres Verbandes. In diesem Interview haben wir die Gelegenheit, einige Einblicke in die Reise unserer hochgeschätzten und bemerkenswerten Mitarbeiterin zu erhalten – von ihren Anfängen bei KIS bis hin zu ihren Erfahrungen, Herausforderungen und Erfolgen während ihrer Zeit bei uns. ■ Was hat dich dazu bewegt, vor 10 Jahren bei Kinderärzte Schweiz anzufangen? Ich hatte über 20 Jahre lang verschiedene Funktionen im Beschaffungswesen am Hauptsitz eines internationalen Finanzdienstleisters innegehabt, zuletzt als Spezialistin für operativen Einkauf und Rechnungswesen. Nach der Implementierung eines Outsourcing-Modells war ich für die Definition und Umsetzung neuer Einkaufsprozesse und die Einführung neuer Teams im Ausland verantwortlich. Der Wunsch nach direktem Kundenkontakt und einer sinnstiftenden Aufgabe sowie mehr Zeit für meine Familie haben mich 2014 zu einem Stellenwechsel bewogen. Ich war kurz im Einkauf einer bekannten Handelsfirma tätig, bevor ich auf das Angebot von Kinderärzte Schweiz gestossen bin. Nach einem Vorstellungsgespräch mit der damaligen Vizepräsidentin Heidi Zinggeler Fuhrer und der Geschäftsführerin Sylvia Locher war ich überzeugt, dass ich meine Fähigkeiten bei KIS einbringen kann. Es war spannend, von einem Grossunternehmen zu einem kleinen Berufsverband in einer neuen Branche zu wechseln. ■ Welche Veränderungen hast du während deiner Zeit hier in der Geschäftsstelle erlebt, und wie hat sich deine Rolle im Laufe der Jahre entwickelt und verändert? INTERVIEWER: DR. DANIEL F. BRANDL, PhD GESCHÄFTSFÜHRER KINDERÄRZTE SCHWEIZ, DIETIKON Korrespondenzadressen: daniel.brandl@kis.ch beatrice.kivanc@kis.ch Wir gratulieren Beatrice Kivanc zum 10-Jahr-KIS-Jubiläum Ich begann meine Tätigkeit als Sachbearbeiterin mit einem 60%-Pensum, als KIS etwa 640 Mitglieder zählte – heute sind es 875. Zu meinen Aufgaben gehörten das Kurswesen sowie die Verwaltung der Geschäftsstelle für die Schweizerische Vereinigung für Ultraschall in der Pädiatrie (SVUPP). Ein positiver Wendepunkt war der Wechsel in der Geschäftsführung mit Daniel Brandl im November 2015, der mir selbstständiges Arbeiten ermöglichte und für eine harmonische Arbeitsatmosphäre sorgte. Das Kurswesen entwickelte sich weiter, neue Themen entstanden, und eine MPA-Kursreihe wurde eingeführt. Die technologische Entwicklung erforderte ein Upgrade unserer Verbandssoftware «Tocco», die für verschiedene Verwaltungsaufgaben genutzt wird. Der Weggang der SVUPP-Geschäftsstelle Anfang 2017 führte zu strukturellen Veränderungen, aber die steigenden Anforderungen an die Geschäftsstelle wurden schnell mit neuen Aufgaben gefüllt, insbesondere im Bereich des berufspolitischen Engagements. Dank guter Kommunikation und regem Austausch mit Dany und dem Vorstand ist es uns gelungen, unsere Prozesse zu professionalisieren. Wir strukturierten die Kursplanung, optimierten die Organisation der Jahrestagungen, die Mitgliederkommunikation, erweiterten die Website und verbesserten den Informationsfluss durch monatliche Rundmails. Das neue Präsidium (Marc Sidler und Helena Gerritsma Schirlo) übernahm 2019, und bald darauf prägte die Corona-Krise unsere Arbeit, und wir mussten ins Homeoffice wechseln. Wir führten neue Online-Formate wie die Frühlingstagung ein und integrierten neue Konzepte wie Blended Learning. Weiterhin bewähren sich jedoch unsere Präsenzkurse in kleinen Gruppen mit Interaktion und Diskussion, was uns durch die vielen Buchungen immer wieder bestätigt wird. Unter der Leitung von Helena Gerritsma Schirlo wurde die Planung der Kurse neu ausgerichtet. Der Mix aus Basiskursen und Aufbau-/Refresherkursen, Teamkursen sowie MPA-Workshops ist in unserem Programm zunehmend sichtbar. Das frühe Publizieren der geplanten Fortbildungen in der Online-Agenda wird sehr geschätzt. Der Umzug in grössere Büros nach Dietikon im November 2022 war eine spannende Aufgabe; unseren persönlichen Stempel auf die neuen Räumlichkeiten zu setzen, hat grossen Spass gemacht. Auch schätzen wir die Möglichkeit, gewisse Veranstaltungen wie Vorstandssitzungen und Impulsateliers vor Ort organisieren zu können. Mit einem erweiterten Kursangebot und mehr Verantwortung erhöhte sich mein Pensum auf 90%, und ich bin stolz darauf, als geschätzte Fachkraft im KIS-Team mitzuarbeiten. Die Anerkennung meiner Leistungen sowie die partnerschaftliche Zusammenarbeit im gut eingespielten, produktiven und unterstützenden Team, inklusive unserer Buchhalterin Doris Rüegsegger und unserer neuen Kolle- Foto: Derya Kivanc

02 / 2024 INTERN KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 7 gin Yasmin Yahya, motivieren mich stets, neue Herausforderungen anzugehen. ■ Kannst du uns von einem besonderen Moment oder Ereignis während deiner Zeit bei KIS berichten, das dir besonders im Gedächtnis geblieben ist? Die Zeit der Corona-Pandemie bleibt mir besonders in Erinnerung, da sie einen grossen Einfluss auf unsere Arbeit hatte. Zahlreiche Kurse mussten abgesagt, umgebucht und neu geplant werden, was zu herausfordernden Zeiten führte. Im Homeoffice konnte ich meine Selbstständigkeit beweisen, auch wenn unser Zuhause mit zwei Teenagern manchmal einem Callcenter glich. Die Bedeutung persönlicher Interaktion wurde mir während der Pandemie besonders deutlich. Daher war die Freude gross, im August 2021 wieder «live» im Büro mit Dany zusammenzuarbeiten. Flexibilität war in dieser Zeit entscheidend – wir mussten uns kontinuierlich an neue Gegebenheiten anpassen, Schutzkonzepte für unsere Fortbildungen entwickeln und umsetzen und haben gefühlt Hunderte von Stunden am Telefon verbracht. Ein besonderer Moment war die Durchführung der Jahrestagung 2021 unter dem 3G-Schutzkonzept. ■ Was motiviert dich am meisten, jeden Tag zur Arbeit zu kommen? Ich schätze es ungemein, selbstständig in meinem Verantwortungsbereich tätig zu sein. Ich kann aktiv mitwirken und mich einbringen, sei es in der Planung der Jahrestagungen, bei Fortbildungen oder der generellen Verbandsadministration. Die Wertschätzung von unseren Mitgliedern, Vorstand, Arbeitsgruppen und Mitarbeitenden sowie die Abwechslung sind gross und meine Arbeit macht Sinn und Freude. Die flexiblen Strukturen erlauben mir die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. ■ Welche Herausforderungen hast du gemeistert, und an welche Highlights erinnerst du dich gerne? Da wäre sicherlich die erfolgreiche Durchführung der Jahrestagung 2021 unter dem 3G-Schutzkonzept (quasi über Nacht aus dem Hut gezaubert) ohne Corona-Ansteckungen zu erwähnen. Die Auflösung des SVUPP-Mandats wurde kurzfristig terminiert, was eine rasche Erledigung der Abschlussarbeiten erforderte. In einer arbeitsreichen Zeit musste ich den Wissenstransfer zur neuen SVUPPSachbearbeiterin organisieren. Im gleichen Geschäftsjahr konnte ich mich auf die Aufgaben bei KIS konzen- trieren und zahlreiche Upgrades in der «Tocco»-Verbandssoftware mit einer Schnittstelle zum Abacus-Buchhaltungssystem begleiten. Besonders die Einführung der Mehrwertsteuer verursachte zusätzliche Arbeit und war recht komplex. Mit der tatkräftigen Unterstützung von Doris Rüegsegger konnten wir die Systeme erfolgreich umstellen und auch die Neuerungen mit QR-Rechnungen ohne Probleme einführen. Die Organisation und Mitwirkung an allen Tagungen waren und sind eines meiner Highlights über die Jahre hinweg. Es galt und gilt, neue Tagungsorte zu evaluieren, Anmeldeprozesse im System eigenständig umzusetzen und die Zusammenarbeit mit Sponsoren/Pharmaausstellern zu intensivieren. Aber auch die Etablierung unserer MPA-Kurse sowie der modularen Fortbildungen (Vorsorge, PPPP), die Realisierung von neuen Kursthemen, dass wir sukzessive mehr Assistierende in unsere Fortbildungen bringen, und die Treffen der Kursleitenden 2017 und 2023 waren Highlights, an die ich mich gerne zurückerinnere. Auch freue ich mich zu sehen, wie viele unserer Prozesse wir über die Jahre optimieren und professionalisieren konnten. ■ Wie würdest du dein Arbeitsumfeld beschreiben, insbesondere in Bezug auf Teamarbeit und Zusammenhalt? Bei KIS wird Teamarbeit gelebt. Die langjährige Zusammenarbeit mit Dany, unserer neuen Kollegin Yasmin, dem Vorstand, den Mitgliedern unserer Arbeitsgruppen und anderen Akteuren könnte nicht besser sein. Die Arbeitsatmosphäre ist harmonisch und unterstützend. Alle ziehen an einem Strick, und so habe ich keine Sorge, dass wir auch neue Herausforderungen gemeinsam meistern werden. In meinen Arbeitskolleg:innen habe ich auch gute Freunde gefunden. ■ Was schätzt du am meisten an der Arbeit hier bei KIS? Die tolle Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Meine Arbeit ist vielseitig und abwechslungsreich. Ich schätze die Eigenverantwortung, das Vertrauen und die Wertschätzung, welche mir intern und extern rundum entgegengebracht wird. Es ist befriedigend, meine Energie in eine sinnstiftende Tätigkeit zu investieren und so einen Beitrag für die Kinder- und Jugendmedizin zu leisten. Es ist schön zu erleben, dass KIS an allen Fronten laufend mehr wahrgenommen wird. ■ Welche Ratschläge würdest du neuen Mitarbeitenden geben? Offen sein für Neues. In einer kleinen Organisation wie KIS darf man sich nicht zu schade sein, nebst komplexeren Aufgaben auch gewisse Routinearbeiten zu übernehmen. Bei den vielseitigen Aufgaben kannst du aktiv mitgestalten und dich einbringen. Herzlichen Dank für dieses Gespräch, liebe Bea. Wir hoffen, dass du uns noch lange erhalten bleiben wirst! ■ Foto: Kinderärzte Schweiz

Pinnwand Lesenswertes aus dem KIS Vorstand, unseren Arbeitsgruppen und dem Rest der Welt allani – das erste Kinderhospiz der Schweiz Dank der Stiftung allani Kinderhospiz Bern finden lebensverkürzend erkrankte Kinder und ihre Familien ab Sommer 2024 in Bern ein wunderschönes Zuhause auf Zeit, in dem für die anspruchsvolle Betreuung und Pflege der Kinder gesorgt ist und die Familien psychisch und physisch entlastet werden. Das umgebaute Bauernhaus und das angrenzende Stöckli werden bis zu acht Familien gleichzeitig tage- oder wochenweise beherbergen können. Die angebotene Kurzzeitpflege versteht sich als Puzzleteil der Pädiatrischen Palliative Care und dient als Ergänzung zu der Betreuung und Pflege zu Hause oder im Spital. Pädiater:innen bilden dabei eine wichtige zuweisende Gruppe. Details zum Angebot finden Sie auf der allani Website oder über info@allani.ch. (Text/Illustration: allani kinderhospiz) Jahresausflug Präsidium und Geschäftsstelle Einmal jährlich lädt unser Präsidium das Team der Geschäftsstelle zu einem Ausflug ein. Am 8. Februar 2024 unternahmen wir zuerst eine virtuelle Reise durch das Leben und Lebenswerk von Pablo Picasso: Die immersive Ausstellung «Imagine Picasso» erlaubte uns, untermalt von passender Musik in die vielfältige Kunst des Malers einzutauchen und eine inspirierende Stunde der Musse zu erleben. Da der Uetliberg für unseren (Basler) Präsidenten Marc Sidler noch ein weisser Fleck auf der Landkarte war, ging die Reise weiter auf Zürichs Hausberg, um die herrliche Aussicht auf See und Berge sowie ein Apéro zu geniessen. Wir rundeten den geselligen Nachmittag mit einem feinen libanesischen Abendessen ab. Vielen herzlichen Dank für dieses schöne Geschenk! (Text und Foto: KIS-DFB) v. l.: Beatrice Kivanc, Marc Sidler, Helena Gerritsma Schirlo, Daniel Brandl, Yasmin Yahya Ombudsstelle Kinderrechte Schweiz Wissen Sie, welche Aspekte zum Recht von Kindern und Jugendlichen auf Partizipation in Gesundheitsbelangen gehören? Beispielsweise das Recht auf Information oder Gehör. Die Ombudsstelle Kinderrechte Schweiz setzt sich dafür ein, dass Fachpersonen die Kinderrechte kennen und diese sicherstellen. Hierzu stellt die Website der Organisation ein Wissensportal zur Verfügung und bietet ihre Expertise durch Beratung von Fachpersonen an. Als nationale Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche, die mit rechtlichen Fragen in Berührung kommen, unterstützt die Ombudsstelle diese bei der Sicherstellung ihrer Rechte. Wie? Indem sie ihre Situation analysiert, sie über ihre Rechte informiert, zu ihren Möglichkeiten berät und zwischen Kindern und Fachpersonen vermittelt und Empfehlungen ausspricht. Wie können Sie dazu beitragen? Stellen Sie sicher, dass Kinder ihr Recht auf Partizipation wahrnehmen können. Und machen Sie Kinder, die in Kontakt mit dem Rechtssystem kommen, auf die Ombudsstelle für Kinder aufmerksam. Auf der Website www.ombudsstelle-kinderrechteschweiz.ch stehen Flyer zum Ausdrucken zur Verfügung. Vielen Dank für Ihre Mithilfe. (Text und Illustration: Ombudsstelle Kinderrechte Schweiz / KIS-DFB) Choosing Wisely zweite «Top-5-Liste» Die Arbeitsgruppe Choosing Wisely von pädiatrie schweiz hat eine zweite Top-5-Liste veröffentlicht, mit Empfehlungen zu unnötigen pädiatrischen Untersuchungen mit dem Fokus im Bereich der Diagnostik, insbesondere zu Blutuntersuchungen, Röntgenaufnahmen sowie weiteren diagnostischen Tests. Die Publikation erfolgte, wie bereits bei der ersten Liste im Jahr 2021, in Zusammenarbeit mit der gemeinnützigen Organisation smarter medicine. Auf der Internetseite von pädiatrie schweiz finden Sie die Übersicht über alle 10 Empfehlungen in einer Laienversion. Ebenso stehen pro Liste Broschüren in mehreren Sprachen zum Download bereit. Deutsche, französische und italienische Broschüren können gegen einen kleinen Unkostenbeitrag bei pädiatrie schweiz bestellt werden. Die Texte für Fachpersonen finden sich auf der Internetseite von smarter medicine. https://www.paediatrieschweiz.ch/ choosingwisely/ https://www.smartermedicine.ch/de/ top-5-listen/paediatrie-2024 (Text: pädiatrie schweiz/KIS-DFB / Illustration: smarter medicine)

Buch «Familiensystemtest FAST» Anfang 2024 ist die dritte, vollständig überarbeitete Auflage von Prof. Dr. Thomas M. Gehrings Buch «Familiensystemtest FAST: Eine Visualisierungsmethode für die Konzeptualisierung und Evaluation von systemischen Problemlösungen» beim Hogrefe Verlag erschienen. Vor rund vier Jahrzehnten wurden die ersten Pilotversuche mit diesem inzwischen international verwendeten figuralen Verfahren an der kinder- und jugendpsychiatrischen Universitätspoliklinik in Zürich durchgeführt. Das evidenzbasierte Tool kann in Forschung, Praxis wie auch in der Ausbildung und Supervision vielseitig angewendet werden. FAST eignet sich für den pädiatrischen Alltag als Visualisierungstool von systemischen Interaktionen. Der Zeitaufwand der Durchführung ist mit 5 bis 10 Minuten tief, jedoch braucht es im Vorfeld Zeit für die Erarbeitung der Funktionsweise von FAST, um sich mit Durchführung, Interpretationen und Anwendungsindikationen vertraut zu machen. (Text: Thomas M. Gehring/KIS-CC/DFB / Illustration: Hogrefe Verlag) Lehrgang «Sterben am Lebensanfang» Die Begleitung von Eltern von früh verstorbenen Kindern wird von therapeutischen und beratenden Fachpersonen als herausfordernd erlebt und kann mit Berührungsängsten verbunden sein. Durch die Verknüpfung von theoretischem Wissen mit Selbsterfahrung, Reflexion, Supervision und Fallbeispielen aus der Praxis befähigt dieser praxisorientierte Lehrgang der Fachstelle Kindsverlust Therapeut:innen und Beratende zur professionellen Begleitung trauernder Eltern. Der Lehrgang mit Zertifikatsabschluss richtet sich primär an Psychotherapeut:innen, Psycholog:innen, Psychiater:innen und weitere Fachpersonen aus dem beratenden Umfeld wie Kinderärzt:innen, die in ihrer Arbeit trauernde Eltern nach dem Verlust ihres Kindes in der Schwangerschaft, bei der Geburt oder in der ersten Lebenszeit begleiten. Der Lehrgang beinhaltet neun Präsenztage und eine OnlineSupervision. Einer der neun hochqualifizierten Referierenden ist unser engagiertes Mitglied Jürg Streuli. Die erste Durchführung startet im März 2025. Weitere Informationen finden Sie auf der Website der Fachstelle Kindsverlust. (Text: Fachstelle Kindsverlust/KIS-DFB / Illustration: Fachstelle Kindsverlust) «Drei Tiere reisen mit dem Zug» Karin Sauter-Singh hat im Rahmen ihrer Masterarbeit (Studium Heilpädagogische Früherziehung) zusammen mit ihrer Kollegin Karin Schmid dieses inklusive Bilderbuch zur Sprachförderung für Kinder am Beginn des Spracherwerbs entwickelt. Das Besondere am Buch ist, dass ausgewählte Gebärden aus der Schweizer Sammlung von Gebärden zur Unterstützten Kommunikation PORTA vorgestellt werden. Wer mit seinem Kind erste Erfahrungen auf dem Gebiet der Unterstützten Kommunikation machen möchte, findet hier eine ideale Geschichte. Bis die drei Tiere Quak, Miau und Wuff zu Hause sind, wiederholen sich die Erzähleinheiten und damit auch die Wörter und Gebärden, die gelernt werden können. Ein schönes Büchlein zum gemeinsam entdecken. Preis: Fr. 24.95 inkl. Versand Bestellungen per E-Mail: karinsbilderbuchwelt@gmail.com oder direkt im Etsy Shop «FrauBlaumeise» (Text: KIS-NS / Illustrationen: Karin Sauter-Singh/ Karin Schmid) SIGIP – Schweizerische Interessengruppe für Integrative Pädiatrie Die SIGIP organisiert halbjährlich spannende Fortbildungen zur komplementären und integrativen Medizin in der Praxis. Zuletzt am 21. März 2024 mit Prof. Dr. med. Katrin Scheinemann, SPOGPräsidentin & Kinderonkologin am Ostschweizer Kinderspital, zum Thema: «Integrative Medizin in der pädiatrischen Onkologie». • 87% der an Krebs erkrankten Kinderpatient:innen überleben heute. Das Beispiel der Zusammenarbeit zwischen dem St. Galler Kinderspital und dem Zentrum für Integrative Medizin (ZIM) verdeutlicht, dass die Integration komplementärer Therapieformen geschätzt wird. 76 bis 97% der Schweizer Kinderonkolog:innen wünschen sich mehr Informationen und Weiterbildungsangebote in Komplementärmedizin (Pirson et al., Cancer reports 2022). • Die Studie von Seifert et al., BMC Cancer 2022, belegt, dass die Anwendung von anthroposophischen Therapieverfahren in der Onkologie sicher ist und die Überlebensrate nicht reduziert. • Es ist ein Wunsch der SPOG-Präsidentin, dass an jedem onkologischen Zentrum in der Schweiz ein integrativmedizinisches Angebot etabliert wird. • Neu: Am Swiss Oncology & Hematology Congress (SOHC) 112023 – Kick-off-Meeting für das «Swiss Network Integrative Oncology». SIGIP-Ergänzung: Dieser Link bietet eine Hilfestellung in der Komplexität: https://www.mskcc.org/cancercare/diagnosis-treatment/symptom-management/ integrative-medicine/herbs – «aboutherbs» (Autor: Memorial Sloan Kettering Cancer Center, USA). Beantwortet Fragen zu aktuell 280 Kräutern und komplementären onkologischen Therapien (z.B. auch Bioresonanz): • traditionelle und bewährte Anwendungen • möglicher Nutzen • mögliche unerwünschte Wirkungen • Wechselwirkungen mit anderen Kräutern oder Arzneimitteln Die nächste SIGIP-Fortbildung findet am 17. Oktober 2024 in Olten statt. Bei Fragen und Interesse an einer Mitgliedschaft bitte melden unter integrativepaediatrie@gmail.com. Weitere Informationen auf der Homepage: https://sigip.org/de/veranstaltungen/ (Text: Schweizerische Interessengruppe für Integrative Pädiatrie SIGIP)

VERNETZUNG 02 / 2024 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 10 Die Teilnahme am Treffen der European Confederation of Primary Care Paediatricians (ECPCP), dieses Jahr in Ljubljana (Slowenien), wurde uns von unseren Kolleg:innen im 5-Länder-Treffen der Praxispädiater:innenverbände mehrmals ans Herz gelegt. Mario Schumacher ist als Delegierter von pädiatrie schweiz im Vorstand der ECPCP und verantwortlich für die Website; er wird neu durch Christoph Bornhöft (auch Mitglied bei KIS) unterstützt. Es ist uns besonders wichtig, dass wir KIS als Berufsverband für die Schweizerischen pädiatrischen Grundversorgenden in die Organisation der Praxispädiatrie in Europa einbringen können; ECPCP repräsentiert mittlerweile 25 000 pädiatrische Grundversorger:innen in 19 verschiedenen Ländern. Nach meiner Präsentation von KIS vor der Delegiertenversammlung wurden wir sehr herzlich als neues Mitglied aufgenommen. Das Treffen fand in der Kinderklinik von Ljubljana statt und die Traktandenliste war eng getaktet. Wir wurden durch Denis Bas, den Präsidenten der slowenischen Gesellschaft für pädiatrische Primary Care begrüsst und anschliessend richtete Herr Aleš Musar, die «erste Ehefrau der Republik Slowenien» (er ist der Ehemann der Präsidentin Sloweniens und der erste Mann, der diesen Titel trägt, welchen zuvor nur Damen trugen), einige Grussworte an uns. DR. MED. HELENA GERRITSMA SCHIRLO VIZEPRÄSIDENTIN KINDERÄRZTE SCHWEIZ, LEITUNG ARBEITSGRUPPE KURSWESEN, AARAU Korrespondenzadresse: helena.gerritsma@hin.ch Kinderärzte Schweiz war zum ersten Mal beim Jahrestreffen der EPCPC (European Confederation of Primary Care Paediatricians) vertreten. Wir wurden herzlich aufgenommen als neues Mitglied und dürfen ab sofort mit Helena Gerritsma Schirlo und Marc Sidler zwei Delegierte stellen. Unsere aktive Mitarbeit wird nun in diversen Arbeitsgruppen erwartet. EPCPC Spring Meeting Ljubljana, 5.–6. April 2024 Europäisches Treffen der pädiatrischen Grundversorger:innen Das Spring Meeting wurde durch die ECPCP-Präsidentin Laura Reali eröffnet und ein Jahresrückblick vorgelesen. Die Vizepräsidentin Christine Magendie betonte insbesondere die Zusammenarbeit mit anderen internationalen Verbänden wie der EPA (European Paediatric Association); EAP (European Association for Psychotherapy); EPHA (European Public Health Alliance) und ISSOP (International Society for Social Pediatrics and Child Health). ECPCP wird immer bekannter und öfter angefragt um ein Statement und/oder Mitarbeit. Es entflammte eine Diskussion, wie wir uns als Grundversorger:innen sichtbarer machen könnten. Es wurde diskutiert, aktiver zu werden auf Social Media (ein Instagram-Account wurde inzwischen für die ECPCP erstellt). In Slowenien wurden Bemühungen, die pädiatrische Grundversorgung abzuschaffen, nichtig gemacht. Dies hat die pädiatrischen Grundversorger:innen gestärkt und sie haben Qualitätsstandards formuliert. Die Besichtigung des Simulationszentrums war eindrücklich. Entstanden aus ursprünglich zwei Zimmern, ist es nun ein Gebäude, wo das Equipment zur Verfügung gestellt wird, um schwierige Situationen in der Praxis im Team zu lösen. Selbstverständlich wird die Reanimationssituation als wichtigste Situation erwähnt und gezeigt. Die slowenischen Grundversorger:innen dürfen halbjährlich eine Simulation mit dem eigenen Team dort durchführen, werden gefilmt, gebrieft und danach wird die Situation wiederholt, bis «es sitzt». Mittlerweile bietet das Simulationszentrum diverse Übungsszenen, z. B. aus der palliative care etc., in Zusammenarbeit mit den Kolleg:innen der Hausarztmedizin an. Es wird hervorgehoben, dass die Teams als Ganzes, so wie im Alltag gearbeitet wird, teilnehmen sollen! Nach dem Mittagessen wurden verschiedene Projekte vorgestellt. In Italien wird untersucht, ob die Dauer des Stillens einen Einfluss auf die Essgewohnheiten der Kinder hat, im Speziellen wird eine Korrelation mit den «vegetable refusers» gesucht. Fotos: Helena Gerritsma Schirlo

02 / 2024 VERNETZUNG KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 11 Auch die Impfstrategien in den verschiedenen Ländern wurden besprochen. Erfahrungen der Varizellenimpfung in den diversen Ländern wurden ausgetauscht. In Italien ist diese eine Pflicht. Die RSV-Impfung wurde letztes Jahr in Frankreich eingeführt und ist auch in Spanien und auf Madeira weit verbreitet. Die durch RSV- Infekte bedingten Hospitalisationsraten wurden wie erhofft deutlich gesenkt (im Detail werden die Zahlen noch ausgewertet). Eine europäische Vereinheitlichung der Impfpläne wäre gerade auch vor dem Hintergrund der Migrationsströme sinnvoll. Guidelines zum Bildschirm-Gebrauch von Kindern und Jugendlichen wurden durch die Kollegin aus Slowenien vorgestellt und diskutiert. In Deutschland wird «Bildschirmfrei bis 3» (www.bildschirmfrei-bis-3.de) lanciert, auch in Frankreich und Israel gibt es ähnliche Projekte. Beim Abendessen wurden mit dem Akkordeon heimisch wirkende Töne angeschlagen. Am Samstagmorgen teilten sich die Teilnehmenden in vier Arbeitsgruppen. Diese erinnerten mich an unsere Aktivitäten bei KIS bestehend aus der Impfgruppe, Weiterbildung, Umwelt und Nachhaltigkeit. In der Forschungsgruppe durfte ich teilnehmen: Die Publikation über den Vergleich der Behandlungsrichtlinien der akuten Otitis media1 in verschiedenen europäischen Ländern liegt vor, demnächst folgt eine Publikation über die Darstellung der diversen Guidelines in der Adipositasbehandlung in europäischen Ländern, weitere Surveys wurden vorgestellt. Diskutiert wurde, wie gute Themen für die Forschung in der Grundversorgung gefunden werden können; wie findet man eine Methodologie, welche nicht nur Fragebogen-basiert ist; wie arbeiten mit Low Budget; wie können wir uns besser vernetzen untereinander. In der Weiterbildungsgruppe sind die EPAs (Entrustable Professional Activities) für die Grundversorgung formuliert2 und liegen vor. Es wurde eine Zusammenstellung präsentiert, woraus hervorgeht, dass in vielen Ländern in der Weiterbildung zur Pädiater:in eine Praxisassistenz für mindestens 3 Monate obligatorisch ist; in Deutschland und der Schweiz sind mehr Monate Praxisassistenz in der Weiterbildung möglich, jedoch ohne Obligatorium. Gegen Ende des Tages erhielt jede:r Delegierte:r 10 Minuten Zeit, um Aktuelles aus dem jeweiligen Land zu berichten, wenn gewünscht. Nebst Informationen zu Masernausbrüchen in Griechenland wurde aus der Türkei berichtet, wie das Leben nach dem Erdbeben weitergeht. Unter die Haut ging der Bericht aus der Ukraine, die Erwähnung der vielen noch immer vermissten verschleppten Kinder und die Traumatisierung von Kindern aller Alterskategorien durch die immer wieder auftretenden Luftalarme seien exemplarisch erwähnt. Im Nachtzug nach Hause liess ich die zwei Tage Revue passieren und ich fühlte mich gestärkt! Aus Überzeugung bin ich Grundversorgerin und habe gespürt, dass es unseren Kolleginnen und Kollegen in den Nachbarländern genau so geht wie uns; sie setzen sich für eine qualitativ hochwertige, nachhaltige pädiatrische Grundversorgung ein. Trotz der unterschiedlichen Gesundheitssysteme in den diversen Ländern sind die Themen, die uns in der Grundversorgung beschäftigen, die gleichen. Umso wichtiger ist es, dass wir uns vernetzen, einander unterstützen und auch unsere «best practice» weitergeben. Und dass wir uns bemühen, unser Tun durch Studien zu dokumentieren und zu verbessern. Vereint können wir es schaffen, unsere Vision einer starken Praxispädiatrie für alle Kinder, heute und morgen zu verwirklichen. ■ QUELLEN 1 https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/ S2667009723000234 2 https://www.ecpcp.eu/fileadmin/pdf_doc_ppt/ EPAs-ECPCP__Def_.pdf

VERNETZUNG 02 / 2024 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 12 Dieses Jahr wurde die Veranstaltung durch unsere deutschen Kolleg:innen vom BVKJ (Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen e. V.) in Köln organisiert. Vertretende aus Deutschland, Frankreich, der Schweiz, Österreich und Südtirol diskutierten über ein breites Themenspektrum von Impfungen, Nachwuchsförderung, Telemedizin und Berufspolitik. Andreas Werner aus Frankreich präsentierte die RSV-Präventionsstrategie, die nach guten Erfahrungen in einem Pilotprojekt im letzten Winter im Norden Frankreichs nun für die RSV- Saison vorbereitet wird. Auffällig waren die Preisunterschiede für das Präparat Nirsevimab zwischen Frankreich und anderen europäischen Ländern: In Frankreich sind die Kosten bedeutend geringer! Zum Thema Nachwuchsförderung zeigte Marc Sidler (Schweiz) auf, dass wir uns frühzeitig in die Ausbildung der angehenden Ärzt:innen einbringen sollten und mit welchen unterschiedlichen Angeboten bereits die Studierenden an den Schweizer Universitäten mit der Praxispädiatrie in Kontakt kommen. Thomas Fischbach (Deutschland) gab ein Update zum Medikamentenmangel in Europa. Beim letzten Ländertreffen in Bozen wurde eine Resolution verabschiedet, die zur Verbesserung beigetragen hat (siehe KIS News Nr. 02/2023, S. 6-7). Ein zentrales Thema war die Herstellung von Antibiotika, die nur noch in Kundl, Tirol, stattfindet. Es bestand Einigkeit, dass weitere Produktionsstätten in Europa notwendig sind. Michael Hubmann (Deutschland) reflektierte die Arbeitsbedingungen der pädiatrischen Kolleg:innen, die durch zunehmende Patientenzahlen und administrative Anforderungen belastet sind. Er stellte das Projekt EDITIERENDE: DR. MED. MARC SIDLER PRÄSIDENT KINDERÄRZTE SCHWEIZ, BINNINGEN Korrespondenzadresse: marc.sidler@hin.ch DR. MED. HELENA GERRITSMA SCHIRLO VIZEPRÄSIDENTIN KINDERÄRZTE SCHWEIZ, LEITUNG ARBEITSGRUPPE KURSWESEN, AARAU Korrespondenzadresse: helena.gerritsma@hin.ch Vom 26. bis 28. April 2024 fand das siebte Treffen deutschsprachiger Pädiater:innen in der Praxis statt. Vertreter:innen pädiatrischer Verbände tauschten sich über fachliche und organisatorische Themen zur Kinder- und Jugendmedizin im Allgemeinen und Praxispädiatrie im Speziellen aus. 5-Länder-Treffen der Berufsverbände der Praxispädiater:innen in Köln PraxisApp «Meine pädiatrische Praxis» vor, welches die Organisation von Kinderarztpraxen optimieren soll, siehe: www.kinderaerzte-im-netz.de. Wiederum zum Thema Nachwuchsförderung stellte Helena Gerritsma Schirlo (Schweiz) das Modell Assistenz-/ Lehrpraxis vor, das Auszubildenden in Krankenhäusern die Tätigkeit in einer pädiatrischen Praxis näherbringt. Dieses Modell ist wichtig, um dem Nachwuchsmangel in der Praxipädiatrie entgegenzutreten und den Nachwuchs frühzeitig zu fördern. Mit dem Handbuch für pädiatrische Praxisassistenz, welches von den verschiedenen Schweizer Grundversorgerverbänden gemeinsam erarbeitet wurde, steht in Zukunft ein wichtiger Leitfaden für eine qualitativ hochstehende Praxisassistenz zur Verfügung. Eine grosse Herausforderung wird sein, genügend Lehrpraxen mit motivierten Lehrpraktiker:innen zu generieren. Tanja Brunnert (Deutschland) informierte uns über das spannende Versorgungsprojekt «bildschirmfrei bis 3» (www. bildschirmfrei-bis-3.de), welches den Konsum von Bildschirmmedien in der frühen Kindheit untersucht und die versorgungsrelevanten Folgemorbiditäten ermittelt. Sie stellte die Diskrepanz zwischen fachlichen Forderungen nach Begrenzungen und den realen Umsetzungsmöglichkeiten in Familien zur Diskussion. Bernhard Jochum (Österreich) kritisierte die Erhebung psychosozialer und ökonomischer Fragen im Rahmen der Digitalisierung des Mutter-Kind-Passes. Die Handhabung dieser in Österreich erhobenen Daten ist nicht klar geregelt. Die Teilnehmer:innen waren sich denn auch einig, dass dies zu rechtlichen Problemen führen kann und der Einbezug der Pädiatrie wünschenswert ist. Wie bereits bei den Treffen 2022 und 2023 entspannte sich nach einem Referat von Christine Magendie (Frankreich) eine spannende Diskussion über die Bedeutung des Klimawandels für die Pädiatrie. Es wurden Massnahmen zur Reduktion von Plastikabfall bei Arzneimittelverpackungen diskutiert. Eine Resolution an die MediObere Reihe stehend: Bernhard Jochum (Österreich), Jan Cahlik (Schweiz), Marc Sidler (Schweiz), Karin Geitmann (Deutschland), Michael Hubmann (Deutschland), Christine Magendie (Frankreich), Andreas Werner (Frankreich) Unter Reihe sitzend: Heidi Zinggeler Fuhrer (Schweiz), Thomas Fischbach (Deutschland), Helena Gerritsma Schirlo (Schweiz), Yvonne Leitner (Südtirol-Italien), Tanja Brunnert (Deutschland) Es fehlen: Clemens Gumpenberger, Holger Förster (beide Österreich) Foto: © Jan Cahlik

02 / 2024 VERNETZUNG KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 13 kamentenhersteller wurde verabschiedet (siehe unsere Medienmitteilung vom 23. Mai 2024 auf www.kinder aerzteschweiz.ch/Medien/Medienmitteilungen). Der Austausch und die Diskussionen wurden von Michael Hubmann (Deutschland) gekonnt moderiert. Dem BVKJ gilt ein grosses Dankeschön für die tadellose Organisation. Ein grosser Dank gilt aber auch den Initiant:innen des Ländertreffens, Heidi Zinggeler Fuhrer und Jan Cahlik aus unserem Verband, Karin Geitmann und Thomas Fischbach vom BVKJ sowie Willy Sedlak aus Österreich. In den KIS News 02/2023 (S. 6-7) haben wir ausführlich über die Entstehung und Bedeutung des Ländertreffens informiert. Interessierten Lesenden können wir diese spannende Geschichte sehr empfehlen. Das 5-Länder-Treffen wird weiterhin als Informationsaustausch stattfinden. Der Teilnehmerkreis soll überschaubar bleiben und nicht in Konkurrenz zu anderen Organisationen stehen. Die Wichtigkeit des Forums besteht darin, Fragestellungen wie Versorgungsengpässe In der Druckausgabe befindet sich auf dieser Seite ein Hinweis für medizinische Fachpersonen. oder Umweltprobleme aufzuzeigen und entsprechende Resolutionen zu verfassen sowie gelungene «best practice» Beispiele zu teilen. Neben den fachlichen Inputs und Diskussionen soll aber auch der soziale und gesellige Austausch nicht zu kurz kommen, wie dies auch in diesem Jahr wieder rege gepflegt wurde bei den gemeinsamen Nachtessen mit typischer regionaler Küche und einer unterhaltsamen Rheinschifffahrt am Samstagabend. So konnten die über die Jahre entstandenen wertvollen Freundschaften ihre Fortsetzung finden und neue wertvolle Kontakte geknüpft werden. KIS freut sich darauf, dieses mittlerweile traditionsreiche und wichtige Treffen mit einem unkomplizierten, niederschwelligen Austausch im kommenden Jahr in der Schweiz organisieren zu dürfen. ■ Der Originalartikel wurde von MR Dr. Bernhard Jochum, Teilnehmer aus Österreich, verfasst und in der Monatszeitschrift Kinderheilkunde publiziert.

VERNETZUNG 02 / 2024 KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 14 Seit letztem Jahr ist Kinderärzte Schweiz Mitglied im «Forum für Qualitätszirkel». Das Forum, in welchem verschiedenste Berufsverbände zusammengeschlossen sind, organisiert gemeinsame Fortbildungen und Ausbildungskurse für Moderator:innen von Qualitätszirkeln. Mit Sepp Holtz durften wir einen erfahrenen Praxispädiater und passionierten Pädagogen aus unseren Reihen in diese Gruppe delegieren. Als KIS-Mitglied erhaltet ihr eine Reduktion von Fr. 150.00 auf die Basiskurse, welche unter anderem von Sepp geleitet werden. Sepp Holtz hat letztes Jahr seine «Teach the teachers»- Fortbildung zum Ausbildner von QZ-Moderator:innen absolviert und teilt seine Motivation und Erfahrungen mit uns. ■ Sepp, was hat dich dazu bewogen, in die QZ-Moderator:innen-Ausbildung einzusteigen? Ich habe über die Jahre viele Supervisionserfahrungen gesammelt und wollte einerseits für mich herausfinden, was denn der Unterschied zwischen Supervision und der Moderation von Qualitätszirkeln ist. Andererseits beschäftige ich mich schon seit Langem vertieft mit Didaktik und war neugierig, ob es neue Ansätze zu lernen gibt – und dem war tatsächlich so! Während meiner eigenen Basisausbildung zum QZ-Moderator habe ich im Gespräch mit Adrian Rohrbasser, dem SGAIM-Vertreter in der Tutorengruppe und Leiter des Forums für Qualitätszirkel, erfahren, dass es in der Deutschschweiz bisher keine pädiatrischen QZ-Moderator:innen-Ausbilder:in gibt. Und da hat mich natürlich gleich der Hafer gestochen. ■ Was ist denn der Unterschied eines QZ zu Intervision/ Supervision? Die Supervision ist vom Modell her hierarchisch aufgebaut, indem die Supervisionsperson Spezialist:in auf ihrem Gebiet ist. Intervision ist im Unterschied dazu weniger hierarchisch aufgebaut, jedoch auch mit weniger Struktur. Ein QZ ist stärker strukturiert als eine Supervision und die Moderator:innen sind gleichzeitig Teilnehmende und Moderationsperson; sie haben in der Ausbildung gelernt, zwischen diesen Rollen zu alternieren. Die Moderator:innen geben acht, dass die Strukturen des QZ eingehalten werden, lassen sich aber genauso ins Gespräch ein wie die Teilnehmenden und begegnen ihnen auf Augenhöhe, da sie keinen Wissensvorsprung haben. ■ Viele QZ funktionieren auch ohne ausgebildete Moderator:innen, warum sind diese denn wichtig? Etwas plakativ ausgedrückt besteht bei einem QZ ohne Moderation die Gefahr, dass er zu einem gesellschaftlichen Anlass oder «Kaffeekränzli» mutiert. Wenn innerhalb der Gruppe der Konsens besteht, dass ihr QZ ein INTERVIEWER: DR. DANIEL F. BRANDL, PhD GESCHÄFTSFÜHRER KINDERÄRZTE SCHWEIZ, DIETIKON Korrespondenzadresse: daniel.brandl@kis.ch KD Dr. med. Sepp Holtz Seine Erfahrungen als Tutor für Moderator:innen von Qualitätszirkeln (QZ) «social event» sein soll, dann ist das natürlich in Ordnung. Dieser Konsens wird jedoch meistens nicht abgeholt; daher kann sich eine unstrukturierte und informelle Charakteristik in die Treffen einschleichen. Die Aufgaben der Moderierenden sind vielfältig; eine davon ist es, dem QZ in Zusammenarbeit mit den Teilnehmenden Form, Sinn und produktiven Output zu geben. ■ Und was rätst du Moderationspersonen in diesem Zusammenhang? Ich empfehle Moderator:innen, beim Start einer Gruppe die folgenden Punkte zu klären, denn sie stellen eine enorme Bereicherung für den QZ dar: • Über Erwartungen sprechen: Was sind die Erwartungen der Teilnehmenden an den QZ? • Soll die Gruppe interprofessionell oder rein pädiatrisch aufgestellt sein? • Gibt es irgendwelche Ängste in Bezug auf den Qualizirkel? Dies ist eine enorm spannende Frage, denn manche Teilnehmende fragen sich, ob sie mit ihrem Vorwissen, ihrer Ausbildung oder Position den Ansprüchen des QZ überhaupt genügen. Wenn solche Besorgnisse nicht angesprochen werden, dann lauern sie latent im Hinterkopf einer Person. • Definieren von Spielregeln: zum Beispiel, ob Handys erlaubt sind oder wie man mit Pünktlichkeit oder An-/ Abwesenheiten umgeht. Ganz egal, wie die Regeln schlussendlich aussehen, es ist immens wichtig, diese am Anfang gemeinsam zu definieren. Übrigens können auch die Moderator:innen ihre Spielregeln darlegen, etwa die Bedingungen, unter welchen sie die Gruppe moderieren wollen. • Protokollierung: Damit etwas Produktives aus den QZ herauskommt, ist ein gutes Protokoll – auch als Arbeitsinstrument für zukünftige Treffen – ungemein wichtig. • Zeitmanagement: entweder durch die Moderatorin oder durch einen Co-Moderator. Es ist von Gruppe zu Gruppe sehr unterschiedlich, wie diese Punkte ausgestaltet werden. Die Moderation kann mit ihren Tools einen wichtigen Unterschied zum Gelingen machen, da sie nach einem vorgegebenen Schema vorgeht und sich stetig auf einer Meta- oder übergeordneten Ebene überlegt und dem Zirkel spiegelt, wo er sich genau befindet (zum Beispiel: Finden wir noch das Thema heraus, das wir behandeln wollen, oder benennen wir bereits Faktoren, mit denen wir das Thema ansehen wollen?). ■ Wie sieht die Ausbildung zum/zur QZ-Moderator:in aus? Die genauen Details sind auf der Website des Forums für Qualitätszirkel zu finden. Ein starker Fokus der gut eintägigen und sehr praxisorientierten Ausbildung, die von Fotos: Sepp Holtz

02 / 2024 VERNETZUNG KINDERÄRZTE. SCHWEIZ 15 Freitagabend bis Samstagabend dauert, ist die Gruppendynamik. Die Inhalte der QZ variieren ja je nach den Berufsgruppen, daher ist diese Ausbildung nicht auf das Inhaltliche fokussiert, sondern auf das Schema des Ablaufs von guten QZ. Dieser Ablauf und die kontinuierliche Analyse, was gerade in der Gruppe läuft, werden mit zahlreichen Beispielen und Gruppenarbeiten eintrainiert. Es wird grosser Wert darauf gelegt, immer wieder den Zwischenstand der Abläufe zu reflektieren, um den Prozess in die gewünschte Richtung leiten zu können. ■ Wieso dauert der Kurs eineinhalb Tage – gibt es nicht die Möglichkeit einer kürzeren Variante? Die gleiche Diskussion gibt es auch bei der Lehrpraktikerausbildung des WHM. Ein grosser Benefit dieser Ausbildungstage, welche sich auch über das Abendessen und das Frühstück spannen, sind die nichtstrukturierten Phasen, bei denen man sich informell über andere Themen austauschen kann. Die Ausbildung selbst ist sehr dicht, und es lohnt sich daher, gewisse Sachen über Nacht setzen zu lassen. Am nächsten Morgen hat man dann bestimmt weitere Fragen zu einem Thema, welches man am Vortag noch nicht ganz verdaut hatte. ■ Wieso brauche ich einen solchen Kurs, ich habe doch bereits eine fundierte Ausbildung in Gesprächsführung? Bei der Moderation von QZs geht es um etwas ganz anderes, nämlich nicht um Gesprächsführung per se, sondern um die Strukturierung eines Ablaufs, namentlich wie man dazu kommt, neue inhaltliche Aspekte zu definieren. Wichtiger als die gruppendynamische Gesprächsführung ist es, gemeinsam messbare/überprüfbare Indikatoren für spezifische Qualitätsziele (wie etwa das Einhalten der Zeit in der Sprechstunde) zu definieren. Dies hat nur wenig mit Gesprächsführung zu tun. ■ Gibt es «Masterclasses» für QZ-Moderator:innen? Diese gibt es regelmässig; alle Personen, welche den Basiskurs absolviert haben, erhalten das Angebot von mindestens einem jährlichen Treffen. An diesen werden verschiedene Workshops angeboten, zum Beispiel wie man mit Querschläger:innen in der Gruppe umgeht, oder wie man mit Einladungen von Expert:innen, die in einem QZ über ein Thema referieren sollen, verfahren soll. Wenn Letzteres nicht moderiert wird und nicht im Vorfeld die Erwartungen an die Referierenden sowie die Unsicherheiten der Teilnehmenden zum Thema geklärt werden, kann dies schnell zu Verunsicherung und Frustration führen, weil die Mitglieder des QZ vielleicht denken, dass sie auf diesem Gebiet nicht genügend kompetent sind. ■ Was sind deine Gedanken zur Intra- oder Interprofessionalität, einerseits in der QZ-Moderationsausbildung und anderseits in den einzelnen QZ? Die von der Interessengemeinschaft Forum für Qualitätszirkel angebotene Ausbildung ist interprofessionell aufgestellt; so nehmen an ihr nebst Mediziner:innen, Chiropraktiker:innen, Logopädinnen und Pflegefachpersonen auch Hebammen, Physio- und Ergotherapeut:innen sowie Apotheker:innen teil. Ich empfinde die Interprofessionalität sowohl als zeitgemäss als auch als bereichernd, denn man erlebt neue Sichtweisen und sieht in viele andere Bereiche mit ihren Sorgen und Nöten hinein. Aber wie alles im Leben hat auch diese Münze zwei Seiten: Der Vorteil von QZ, welche innerhalb einer Fachrichtung geführt werden, ist bestimmt, dass man die gleiche Sprache spricht, also automatisch vom Gleichen redet, und thematisch tiefer gehen kann als in gemischten Gruppen. ■ Wie sieht es mit der Verpflichtung aus, an einem QZ teilzunehmen, und wie mit der Vergütung? Jemand, der eine unabhängige Einzelpraxis führt, ist zum heutigen Zeitpunkt noch nicht verpflichtet, in einem QZ mitzumachen; dies tut man freiwillig, um sich fortzubilden. Wenn man einem Netzwerk wie Medix, Hawadoc oder anderen angeschlossen ist, dann ist die Teilnahme an einem QZ Pflicht und man wird dafür vergütet. Im Gegenzug können die Netzwerke heraustragen, dass ihre Ärzt:innen kontinuierlich strukturierte Fortbildungen durchlaufen. ■ Abschliessend möchte ich dich fragen, was im Kern eines guten QZ liegt? Wenn ein QZ sich stetig auf die folgenden drei Punkte fokussiert und diese erreicht beziehungsweise umsetzt, ist er in meinen Augen erfolgreich unterwegs: • kontinuierliche berufsbegleitende Fortbildung – oder Continuous Medical Education (CME) – auf Neudeutsch • Integration von Wissen in die professionelle Rolle • und schliesslich die Umsetzung der Innovation oder Qualitätsverbesserung im Kontext der eigenen Praxis. Herzlichen Dank für dieses spannende Gespräch sowie für dein Engagement! ■ Interessengemeinschaft Forum für Qualitätszirkel https://www.sgaim.ch/de/qz Ausbildungskurse für Moderator:innen https://www.sgaim.ch/de/qz/ ausbildungskurse-fuer-moderator-innen In den folgenden Seminaren gibt es noch freie Plätze: 30./31. August 2024, Olten 27./28. September 2024, Olten 4./5. Oktober 2024, Bellinzona 4./5. Oktober 2024, Vevey 22./23. November 2024, Olten

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