KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 4/2019

K I N D E R Ä R Z T E . SCHWEIZ 39 04 / 2019 JAHRESTAGUNG 2019 G leich zu Anfang erklärte uns Moderatorin Kathi Zogg, welch grosse Ehre uns heute zuteil würde: Dieser Workshop von Daniela Marx-Berger und George Marx sei der erste, den das Ehepaar gemeinsam halte. Georg begann; Daniela sorgte dann fürs Crescendo.  Zu Beginn waren die allgemeinen gastroenterologi- schen Probleme und ihre sportspezifischen Besonder- heiten das Thema. Die Obstipation ist offenbar beim Sportler häufiger, als ich das gedacht habe. Und Gluten ist nicht nur – aber auch – ein Mode-Problem. Es wird nun auch in der wissenschaftlichen Gemeinschaft ne- ben der Zöliakie und der Weizenallergie eine sogenann- te Gluten-Sensitivität diskutiert (Neudeutsch «non-co- eliac gluten sensitivity»), die weder autoimmun noch allergisch sei, sondern möglicherweise mit dem Mikro- biom zu tun habe. Fakt ist: Es verfolgen viermal mehr Sportler eine glutenfreie Diät als Normalsterbliche, ob- wohl eine leistungsfördernde Wirkung bislang nicht nachgewiesen wurde.  Laktose-Intoleranz ist keine Krankheit, sondern der globale Normalfall. Lacdigest hilft, falls keine laktose- freie Kost möglich ist. Unter Anstrengung ist die Auf- nahme von Fructose eingeschränkt (Apfelschorle), zu- sammen mit Glukose geht es besser.  Schön, dass das Seitenstechen jetzt einen wissen- schaftlichen Namen bekommen hat (ETAP = exercise induced transient abdominal pain). Man kümmert sich also drum, hat aber noch keine definitive Erklärung.  Im zweiten Teil mit Daniela Marx-Berger ging es dann um die Ernährung des jugendlichen Sportlers und der jugendlichen Sportlerin. Im Prinzip wäre deren deutlich gesteigerter Energiebedarf auch mit normalem, gesun- dem Essen zu leisten: Es gibt dafür eine für den Sport- treibenden angepasste Lebensmittelpyramide (Abb. 1). Insbesondere der Kohlenhydratanteil ist hier erhöht. Im Alltag ist eine gute Qualität und Variabilität jedoch oft schwierig, da bei eng getaktetem Zeitplan die Nah- rungsaufnahme häufig unterwegs geschehen muss.  Proteinpräparate gelten zwar bei vielen als cool, sind aber unnötig und wegen Verunreinigungen nicht unbe- denklich (beigefügte Dopingmittel). Die kölnerliste.com gibt hier eine Orientierungshilfe.  Insbesondere bei jungen Frauen nach der Menarche ist Eisen ein wichtiges Thema, Supplementation aber nur nach Diagnostik und in der Regel per os. Neben den Bestimmungen von Ferritin ist bei Leistungssportlern/ -innen auch Vit D und allenfalls noch Mg, Ca, Selen und TSH zu kontrollieren, 1× pro Jahr sollte genügen. Sesampaste ist ein guter Eisen- und Calciumlieferant.  Erst ab einer Dauer von 45–60 min ist beim Wett- kampf eine Zufuhr von Flüssigkeit und Kohlenhydraten (mit Sportgetränken) wirklich wichtig; der Freizeitsport- ler braucht sie nicht. Ein übermässiger Wasserkonsum kann sogar schädlich sein. Ein Gewichtsverlust von 2–4% während der Aktivität wird heute als normal be- trachtet. Trinken nach Durst ist eine gute Empfehlung, wenn man seinen Körper gut kennt.  Während dieses kompakten Workshops blieb stets die Gelegenheit, Fragen zu stellen, welche kompetent beantwortet wurden. Einzig blieb offen, was es in der Familie Marx-Berger am Abend zu Essen geben wird. Und wer das zubereitet. Beiden herzlichen Dank! ■ Meine Highlights: ■  Sesam(-paste) ist guter Lieferant für Eisen und Cal- cium ■  CAVE Eiweisspräparate! Übersicht über vertrauens- würdige Produkte gibt die Website kölnerliste.com ■  Im Wettkampf: Glucose ist besser als Fructose ■  Ferritin, Mg, Ca, Selen, TSH ca. 1× pro Jahr messen REFERENTIN / RERFERENT: DR. MED. DANIELA MARX-BERGER, FACHÄRZTIN FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN FMH, LEITENDE ÄRZTIN SPORTME- DIZIN OSTSCHWEIZER KINDERSPITAL, ST. GALLEN; AUSSERDEM SPORTMEDI­ ZINISCHE SPRECHSTUNDE IM SWISS OLYMPIC MEDICAL CENTER, MEDBASE ABTWIL DR. MED. GEORGE MARX, FACHARZT FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN FMH, LEITENDER ARZT, SCHWER- PUNKTE PÄDIATRISCHE GASTROENTEROLOGIE, HEPATOLOGIE UND ERNÄH- RUNG, OSTSCHWEIZER KINDERSPITAL, ST. GALLEN MODERATORIN : DR. MED. KATHI ZOGG, FACHÄRZTIN FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN FMH, SCHWERPUNKT ENTWICK- LUNGSPÄDIATRIE, PRA- XISPÄDIATERIN IN USTER AUTOR: DR. MED. HARALD SCHÜTZE, FACHARZT FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN FMH, PRAXISPÄDIATER IN ZÜRICH KORRESPONDENZADRESSE: Dr. med. Harald Schütze Feldeggstrasse 32, 8008 Zürich Workshop 10 – für Ärztinnen und Ärzte: Masterclass 3 – Sport geht durch den Magen Beschwerden beim Sport und die passende Ernährung Abbildung 1:

RkJQdWJsaXNoZXIy MjYwNzMx