KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 3/2019

03 / 2019 FORTB I LDUNG K I N D E R Ä R Z T E . SCHWEIZ 25 wieder möglich ist, sondern auch, ob der Schulbesuch wieder aufgenommen werden kann.  Kopfschmerzen sind häufig geäusserte Beschwerden von Kindern und Jugendlichen. Eine Migräne lässt sich relativ klar abgrenzen, da diese sich üblicherweise bei Bewegung verschlechtert und diverse Symptome zeigt (z.B. heftiger pochender-pulsierender Charakter der Schmerzen, Aura, Photophobie, Hyperakusis, Übelkeit, Erbrechen, akustische und optische Sensationen). Primä- re gutartige Belastungskopfschmerzen präsentieren sich als gleichbleibend vorhanden, bilateral ohne zusätzliche Symptome. Ein erhöhter intrakranieller Druck, Hirn­ tumore, Gefässanomalien, Sinusvenenthrombose oder unkontrollierte intrakranielle Blutungen können sich als belastungsinduzierte Kopfschmerzen präsentieren. Warnzeichen für solche Arten von Erkrankungen sind Kopfschmerzen in der Nacht, Kopfschmerzen beim Auf- wachen, neurologische Defizite, neurokognitive Verän- derungen oder ein Papillenödem.  Verletzungen von peripheren Nerven, inklusive Ver- letzungen des Plexus brachialis, sind bei Kindern und Jugendlichen eher selten. Symptome wären Sensibili- tätsstörungen, Paresen, Durchblutungsstörungen und häufig vegetative Störungen (u.a. Muskelkrämpfe, -zu- ckungen, -zittern, Schmerzen) im Versorgungsgebiet der betroffenen Nerven. Bei bilateralem oder wieder- holtem Auftreten ist eine genauere Untersuchung der Halswirbelsäule mit allfälliger Bildgebung notwendig. Muskuloskelettal Die Anamnese bezüglich muskuloskelettaler Beschwer- den oder Verletzungen hat eine hohe Sensitivität, Zu- stände zu erfassen, welche die Teilnahme an sportlicher Aktivität einschränken kann. Entsprechend sollten spe- zifische Erkundigungen diesbezüglich eingeholt wer- den. Es ist zu erfragen, ob es in der Vergangenheit zu ei- ner Verletzung gekommen ist, die eine Sportpause nach sich gezogen hat, ob chirurgische Eingriffe stattgefun- den haben, ob in letzter Zeit das Tragen eines Gipses, ei- ner Orthese oder eines Sporttapings nötig war, ob eine muskuloskelettale Bildgebung stattgefunden hat oder ob eine Physiotherapie oder eine anderweitige rehabili- tative Behandlung durchgeführt wurde. Weibliche Athletinnen In dem Zusammenhang sind u. a. die Ernährung, Ess- verhalten, Gewichts- und Wachstumsverlauf, Pubertäts­ zeichen (Pubertas praecox sive tarda), Menarche (pri- märe Amenorrhoe), Menstruation und deren Störungen (sekundäre Amenorrhoe, Menorrhagie) zu überprüfen. Wie erwähnt, haben Swiss Olympic und die SGSM ei- nen zusätzlichen Fragebogen speziell für Athletinnen entwickelt [15]. Zusätzlich verweisen wir auf den Beitrag von D. Braun auf Seite 16 in diesem Heft zum «Relative energy deficiency in sport (RED-S)». Psychologie Bei Sportlern sind psychologische Probleme und psy- chiatrische Erkrankungen ebenso häufig wie in der übrigen Bevölkerung. Essstörungen, Aufmerksam- keits-Defizit/Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) und Sub- stanzmissbrauch scheinen bei Sportlern hingegen häufiger aufzutreten [15]. Depressionen und Angststö- rungen können je nach Leistungsorientierung auch ver- schlechtert werden. Ob es tatsächliche Unterschiede in diesem Bereich zwischen Sportlern (vor allem im Elite- bereich) und der übrigen Bevölkerung gibt, ist dennoch schwierig nachzuweisen [16].  Müdigkeit, Motivationsprobleme, Lustlosigkeit, ver- mehrte Traurigkeit, Leistungsabnahme können neben einer Depression (Burn-out) Zeichen eines Übertrainings sein. Dabei ist zwischen einem Overreaching- und ei- nem Overtraining-Syndrom zu differenzieren, da bei letzterem ein anderer Therapieansatz mit möglicher kompletter Sportkarenz gilt. Generell sind neben dem Sport sämtliche Stressoren wie Schule, Ausbildung, so- ziale Beziehungen, Familienkonstellation zu betrachten. Bei der Therapieplanung sind dann auch diverse Betei- ligte (Eltern, Trainer, Lehrer, Ausbildner) einzubeziehen. Für eine ausführliche, strukturierte psychosoziale Anam­ nese eignet sich der HEEADSSS Fragebogen (Home, Environment, Education, Activity, Drugs, Sex, Safety, Suicide) [17,18]. Neben dem ist der junge Athlet, vor allem im Leistungsbereich, zusätzlichen Gefahren aus- gesetzt, zu denen das Achievement by proxy [19], Beläs- tigungen sowie psychischer und physischer Missbrauch [20,21] zählen. Bezüglich der Missbrauchsproblema- tik sind der Athlet und die Athletin darauf hinzuwei- sen, den Mut zu haben, mit einer Vertrauensperson das Thema anzusprechen («speaking out») und Hilfe in Anspruch zu nehmen [22,23]. Impfungen/Infektprävention Die SPU ist eine gute Gelegenheit, den Impfstatus des Athleten zu prüfen und Routine- bzw. Nachholimpfun- gen zu veranlassen. Bei Athleten, die viel reisen oder sich in Hochrisikogebieten aufhalten, kann es notwen- dig sein, ergänzende Impfungen vorzunehmen, die nicht zum regulären Impfplan gehören (wie Gelbfieber, Japanische Enzephalitis) oder andere prophylaktische Massnahmen (Malariaprophylaxe) zu initiieren. Bei Ori- entierungsläufern ist beispielsweise besonders an die primäre Prophylaxe der Frühsommer-Meningoenzepha- litis zu denken [24]. Die Gefahr eines Zeckenstichs be- steht generell bei allen Outdoor-Sportarten und die Pro- phylaxe von Infektionen schliesst neben der Impfung die rasche Identifizierung und das Entfernen der Zecke mit ein [25].  Durch andere Bedingungen wie dem Ausüben von Sportarten mit kontinuierlichem, direktem körperlichem Kontakt zu anderen Athleten (u. a. Kampfsportarten,

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