FORTB I LDUNG 01 / 2019 K I N D E R Ä R Z T E. SCHWEIZ 34 der Geschlechtsdifferenzierung. Darauf wird hier nicht näher eingegangen, ebensowenig auf die Klitorishypertrophie oder das AGS. Fall I – Mädchen 14-j. mit «Kreuzschmerzen» S. präsentierte sich mit seit 4 Wochen bestehenden Lumbalgien auf der Notfallstation. Bei isolierter Druckdolenz über dem Os coccygis und normalen Entzündungsparametern erfolgten eine analgetische Therapie mit NSAR und die Zuweisung zu den Kollegen der Orthopädie. Dort wurde zur weiteren Abklärung eine Magnetresonanz-Untersuchung durchgeführt und aufgrund eines Hämatokolpos der dringende Vd. a. eine Hymenalatresie gestellt. Was wurde bei diesem Mädchen vergessen? 1. Gynäkologische Anamnese 2. Gynäkologische Untersuchung Anamnestisch stellte sich heraus, dass die Thelarche bereits vor 2,5 Jahren eingesetzt hatte, bisher aber keine Menarche erfolgt war. Die Inspektion des äusseren Von links nach rechts: 1 Hymen anulare; 2 Hymen semilunare; 3 Hymen altus; 4 Hymenalatresie; 5 Hymen bifenestratus bzw. septus; 6 Hymen cribriforme Abb. 5: Variationen des Hymen (Quelle: S. Fontana). Abb. 6: Klitorisvorhauthypertrophie (Quelle: R. Hürlimann). Genitales und Separation und Traktion der Labien in unserer gynäkologischen Sprechstunde zeigte keine Vaginalöffnung bei einem Tannerstadium B4, P4. Damit konnte die Verdachtsdiagnose der Hymenalatresie bestätigt werden. Die Hymenalatresie (Häufigkeit 1:1000 Mädchen) kann bereits in der Neonatalperiode erkannt werden. Der typische Fluor fehlt und die Mädchen präsentieren sich gelegentlich mit einem Mukokolpos (Abb. 9). Letzteres ist in der Regel unproblematisch und schmerzlos. Abb. 7: Magnetresonanzuntersuchung kleines Becken (Quelle: K. Kapczuk et al., J Pediatr Adolesc Gynecol 31 (2018) 252–257). Hämatokolpos Kolon Harnblase Abb. 8: Hymenalatresie 1 (Quelle: R. Hürlimann). Abb. 10: Hymenalatresie 2 – Untersuch mit Separationsmethode (Quelle: R. Hürlimann). Abb. 9: Mukokolpos (Quelle: R. Hürlimann). Abb.11: Hymenalatresie 3 – Untersuch mit Traktionsmethode (Quelle: R. Hürlimann)
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