KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 4/2018
K I N D E R Ä R Z T E . SCHWEIZ 34 JAHRESTAGUNG 2018 04 / 2018 D er kurzweilige Rundgang durch die Nephrologie war nur allzu rasch vorbei, wir hätten noch lange disku- tieren können. Hier einige der wesentlichen Punkte. NSAR in der Praxis: Häufiger Einsatz von nicht ste- roidalen Antirheumatika (= NSAR), z. B. Algifor Sirup. Das Gefahrenpotential ist bei allen NSAR in etwa gleich. Grundsätzlich dürfen sie bei Fieber und Schmerzen in korrekter Dosierung eingesetzt werden (Algifor 10 mg/kg 3× tgl.). Bei Dehydrierungsgefahr ist aber Vor- sicht geboten; besser ist dann der Einsatz von Paraceta- mol. NSAR machen eine renale Vasokonstriktion. Bei Dehydrierung kommt es daher rascher zu einer präre- nalen Niereninsuffizienz (= NI). Viel seltener verursachen NSAR eine interstitielle Nephritis. Harnwegsinfekte (= HWI): grundsätzlich je kleiner das Kind, desto eher Antibiotika (= AB) i. v., bei älteren Kindern p. o. Es braucht keine Kontrolle des Urinstatus (= UST) nach Ende der AB, sofern das Kind klinisch gut angesprochen hat. Falls eine Bildgebung notwendig ist, dann eher nicht im akuten Stadium, sondern 4 Wochen nach Infekt mit einer Sonografie. Bei Rezidiv-HWI ist eine gute Anamnese nötig, denn oft findet man bei älteren Kindern: zu wenig trinken, seltene und unvollständige Blasenentleerung sowie eine Obstipation. Diese müssen behoben werden. Die Hy- giene spielt oft keine grosse Rolle. Damit können die allermeisten Rezidiv-HWI behoben werden. Unterstüt- zend können D-Mannose oder Preiselbeeren eingesetzt werden. Uringewinnung zur Diagnostik: Säckli (max. 45 Min. belassen), clean catch oder Katheter. Da der Urintest- streifen nur eine semiquantitative Messung ermöglicht, ist eine Mikroskopie wünschenswert. Zwecks Resistenz- prüfung immer eine Urinkultur anlegen. Bei Streptokokken-A-positiver Angina tonsillaris ist keine UST-Kontrolle nötig! Purpura Schönlein Henoch (= PSH): die Hautbefun- de, Ödeme und das Bauchweh heilen aus. Gefürchtet ist die chronische NI = Nephritis. Daher Blutdruck- und UST-Kontrollen bis 6 Monate nach Beginn der PSH. Proteinurie: oft solitär bei febrilen Infekten vorhan- den; diese bedarf keiner Therapie. Wenn sie jedoch festgestellt wurde, dann Kontrolle des UST, wenn das Kind gesund ist. Dies unbedingt im ersten Morgenurin, um nicht mit der orthostatischen = physiologischen Proteinurie verwechselt zu werden. Eine pathologische Proteinurie soll mittels Protein/Kreatinin-Quotient im Labor quantifiziert werden (pathologisch >20 mg/mmol). Hämolytisch urämisches Syndrom (= HUS): ist eine Systemerkrankung mit Mikroangiopathie. Dran denken: bei einer Klinik mit ausgeprägter Blässe, Ödemen trotz Dehydrierung, blutigem Urin oder Stuhlgang, Anurie (d. h. kein Urin über 12 Std.). ■ REFERENT: PROF. DR. MED. GIACOMO SIMONETTI, CHEFARZT PÄDIATRIE, DIRETTORE MEDICO E SCIENTIFICO ISTITUTO PEDIATRICO DELLA SVIZZERA ITALIANA, FMH KINDER UND JUGENDMEDIZIN, FMH KINDERNEPHROLOGIE, OSPEDALE REGIONALE DI BELLINZONA E VALLI, OSPEDALE REGIONALE DI MENDRISIO, BELLINZONA MODERATOR: DR. MED. GIORDANO SIEGENTHALER, FACHARZT FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN FMH, BELEGARZT FÜR PÄDIATRIE OSPEDALE REGIONALE DI MENDRISIO, PRAXIS PÄDIATER IN CHIASSO AUTORIN: DR. MED. NICOLA HUBER-DE GARIS, FACHÄRZTIN FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN FMH, PRAXISPÄDIATERIN IN LENZBURG KORRESPONDENZADRESSE: n_degaris@hotmail.com Ärzte Workshop (WS 6): Masterclass Nephrologie: Kindernephrologie in der Praxis Die Richtlinie «Diagnose und Behandlung von Harn- wegsinfektionen beim Kind: Empfehlungen der Schweizerischen Arbeitsgruppe für pädiatrische Nephrologie (SAPN), der Pädiatrischen Infektiolo- giegruppe Schweiz (PIGS, www.pigs.ch) und der Schweizerischen Gesellschaft für Kinderurologie (SwissPU) kann über den folgenden Link herunter- geladen werden: http://www.swiss-paediatrics.org/ sites/default/files/empfehlungen/empfehlungen/ pdf/10-13.pdf
RkJQdWJsaXNoZXIy MjYwNzMx