KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 4/2018
K I N D E R Ä R Z T E . SCHWEIZ 30 JAHRESTAGUNG 2018 04 / 2018 G erade vor zwei Wochen hatte ich eine Jugendliche wegen Knieschmerzen eingeschrieben, die mich am Schluss der Konsultation noch besorgt gefragt hat we- gen ihrer überfälligen Periode nach einem sexuellen Kon- takt, wo das Kondom eventuell verrutscht sei. Nachdem ich sie auf die Toilette geschickt hatte, betete ich insge- heim, dass der Test negativ ist. Für die Jugendliche, die noch so naiv wirkt, und auch für mich, denn in Gedan- ken überlegte ich schon, wie ich reagieren soll und an wen ich mich wenden würde, wenn der Test positiv wäre. Zum Glück waren bis jetzt in der gleichen Situation in den letzten Jahren die Tests negativ. Aus dieser Unsicherheit heraus habe ich mich bei Renate Hürlimann für den Workshop zum Thema Jugendschwangerschaft eingeschrieben. Als Einstieg zum Thema schauten wir eindrückliche Ausschnitte einer «SRF Reporter»-Doku über Salome, eine 14-Jährige aus Winterthur, die ihre Schwanger- schaft ausgetragen hatte. In einem Quiz erhielten wir die Antworten auf Fra- gen wie: «Wie gross ist bei Jugendlichen das Risiko ei- ner Schwangerschaft?» (nach einmal ungeschütztem GV über den ganzen Zyklus 8%, zum Zeitsprung des Eisprungs 30%.) «Wie lange überleben Spermien?» (5 Tage). «Ab wann ist ein SS-Test positiv?» (frühestens 6–7 Tage nach GV). Wir erfuhren zudem, dass Jugendliche in der Schweiz durchschnittlich mit 16 Jahren sexuell aktiv werden, dies gilt für beide Geschlechter. Renate Hürlimann weiss aus ihrer Diskussion mit Jugendlichen auch einiges über se- xuelle Tatsachen und Praktiken im Leben von Jugendli- chen, die uns doch eher zum Teil erstaunt, wenn nicht erschreckt haben. 600 Abtreibungen pro Jahr werden in der Schweiz durchgeführt, davon doch 120 unter 18 Jahren. Damit steht die Schweiz im internationalen Vergleich mit ak- tuell 3,5/1000 15–19-Jährige aber als bestes Land da (USA 54/1000, England 47/1000, Schweden 29/1000). Die Zahl ist rückläufig in den letzten Jahren, aber nicht bei Migrantinnen! Zum Thema des straflosen Schwangerschaftsabbru- ches vor der 12. SSW in der Schweiz haben wir einige Fakten und viele Mythen besprochen. Unter 16 Jahren braucht es eine zweite Meinung neben der des Haus- oder Kinderarztes, aber kein psychiatrisches Gutachten. Als spezialisierte Beratungsstelle wurde uns «Lust und Frust», eine Aussenstelle des Schulärztlichen Diensts der Stadt Zürich oder die Stiftung Mütterhilfe empfohlen. 75% der Interruptiones sind heutzutage medikamen- tös und eine Klinik ist nicht zwingend. Es gibt einige spezialisierte Ärzte mit Bewilligung des Gesundheits- amtes. Natürlich sollte es unser Ziel sein, eine solche Situa tion zu verhindern, indem wir Prävention in der Vorsor- geuntersuchung betreiben. Dazu gab uns Renate Hürli- mann ein Update zum Thema (hormonelle) Verhütung und zu der «Pille danach». Hier ist klar die neuere «Ella one» gegenüber der älteren «Norlevo» zu bevorzugen. Obwohl wir bis in die Pause überzogen, hat die Zeit kaum gereicht, um all unsere Fragen zu beantworten. Wer den Workshop nicht gebucht hat oder auch für den KIS Gynäkologiekurs im November keine Zeit fand, der kann sich auf das Themenheft 1/19 zum Thema Kin- der- und Jugendgynäkologie freuen, wo diese Themen nochmals aufgenommen werden. ■ REFERENTIN: DR. MED. RENATA HÜRLIMANN, FACHÄRZTIN FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN FMH, LEITERIN DER KINDER- UND JUGENDGYNÄKOLOGIE AM KINDERSPITAL ZÜRICH UND PRAXISPÄDIATERIN IN DÜBENDORF MODERATORIN: DR. MED. KARIN PEIER HARBAUER, FACHÄRZTIN FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN FMH, PRAXISPÄDIATERIN IN WINTERTHUR AUTORIN: DR. MED. STEFANIE GISSLER WYSS, FACHÄRZTIN FÜR KINDER- UND JUGENDMEDIZIN FMH, PRAXISPÄDIATERIN IN NEUENDORF KORRESPONDENZADRESSE: s.gissler@hin.ch Ärzte Workshop (WS 2): Gynäkologie: Schwanger! Was war davor? Und jetzt?
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