KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 4/2018
K I N D E R Ä R Z T E . SCHWEIZ 04 / 2018 JAHRESTAGUNG 2018 Am angenehmsten wäre es natürlich, wenn unser Strudel- wurm ganz viele «Bingo»-Mo- mente erleben dürfte. Nur leider ist der Alltag immer wieder ge- spickt mit «Grmpfl»-Situationen, «Grmpfl»-Patienten, «Grmpfl»- Berichten. Hier kommt das Selbstmanagement ins Spiel, denn es gilt, mithilfe des Verstandes oder mit einigen Tricks den Strudelwurm an die Leine zu nehmen und ihn durch die Situation hindurch zu führen. So gibt es, um bei unserem Beispiel zu bleiben, schlussendlich doch immer wieder Leute, die sich einer Darmspiegelung un- terziehen, trotz heftigen Protesten ihres «Würmlis». Selbstmanagement hat zwei Komponenten: die Selbstregulierung (Gutes wiederholt der Wurm gerne, Schlechtes will er nicht mehr machen) und die Selbst- kontrolle (der Verstand erzwingt gewisse Dinge im Sin- ne einer «Wurmwürgung»). Diese Selbstkontrolle ver- sagt in gewissen Situationen und das Unbewusste, der Wurm gewinnt. Tabelle 2 zeigt Situationen, in denen die Selbstkontrolle versagt und der Wurm sich befreien Tabelle 2: Verlust der Selbstkontrolle oder «wenn der Wurm gewinnt» – Überlastung der kognitiven Kapazität (Stress) – zu wenig Erregung (Langeweile) – zu viel Erregung (Angst,Ärger,Wut, Euphorie, Sorgen) – starke Reize (z.B. Essensgeruch bei Diät) – mangelnde Befriedigung von Grundbedürfnissen kann. Zu viel Selbstkontrolle macht krank: Achten wir also darauf, dass unser Wurm sich zu zwei Dritteln frei bewegen kann und nur zu einem Drittel gewürgt wird! Es gibt allerdings auch Alternativen zum Würgen: Wir können den Wurm motivieren. Wenn wir uns «Grmpfl» erlauben und uns Zeit nehmen, sie zu übersetzen (Duden wurmisch-Verstand), nehmen wir das Unbewuss- te ernst und beziehen es mit ein in unsere Entscheidun- gen. Mit der Ideen-Korb-Technik, bei der wertfrei Ide- en für Lösungen gesammelt werden, bis ein «Bingo» aus dem Bauch kommt, haben wir ein Werkzeug in der Hand, das unseremWurm und auch dem Verstand hilft, gemeinsam gute Entscheidungen zu fällen. Die witzigen Ausführungen der Referentin wurden nicht nur durch zahlreiche anschauliche Beispiele unter- strichen, sondern auch durch bunte Illustrationen von Strudelwürmern in allen möglichen und unmöglichen Situationen. Einfach herrlich! Was für ein gelungener Vortrag – definitiv kein «Grmpfl»-Moment! Vielen Dank Frau Storch für diesen spannenden Einblick in ein für uns wichtiges Thema und für die Einführung in die Strudelwurmrethorik. Sie wird uns Mitglieder wohl noch eine ganze Weile in Erinnerung bleiben – «Bingo». Wer mehr von Maja Storch lesen möchte, dem sei zum Beispiel ihr Buch «Machen Sie doch, was sie wollen!» empfohlen. Es liest sich sehr flüssig und ermöglicht eine Vertiefung des Themas – und weitere Begegnungen mit dem Strudelwurm. ■ Bingo!
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