KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 4/2018

04 / 2018 FORTB I LDUNG K I N D E R Ä R Z T E . SCHWEIZ 15 werden die Parameter für die Berechnung des Vertriebs­ anteils aktualisiert, womit Einsparungen zugunsten der obligatorischen Krankenpflegeversicherung mög- lich sind.» Im Klartext: Marge runter, weiterhin ohne entsprechende Anpassung des Taxpunktwerts nach oben in selbstdispensierenden Kantonen. Eine grosse Gruppenpraxis hat ausgerechnet, dass die Abgabe jeder Medikamentenpackung in der Praxis schon mal Fr. 1.50 kostet. Bei wie vielen Medikamenten legen wir drauf? Parlamentarische Gruppe Kinder- und Jugendmedizin Auf Initiative der Schweizerischen Gesellschaft der Pädi- atrie wurde diese Gruppe am 24. September zur Unter- stützung der pädiatrischen Anliegen gegründet, es ist die 149. Parlamentariergruppe. Der offizielle Kick-off erfolgt am 12. November. Neben den drei pädiatrischen Fachge- sellschaften ist die Teilnahme von mfe vorgesehen (ver- treten durch Philippe Luchsinger und Heidi Zinggeler Fuh- rer), die der unabhängigen Kinderspitäler AllKids (Basel, Zürich und St. Gallen) sowie erstaunlicherweise die von Swiss Medi Kids als eine Vertretung der Ambulanten Pädi- atrie, auch wenn diese Organisation mit der Pädiatrischen Grundversorgung gar nichts am Hut hat, sondern sich le- diglich in eine attraktive Marktlücke gesetzt hat und das pressierte Publikum einzelner grosser Städte bedient, vor- zugsweise in Bahnhofsnähe. Wir werden berichten. Imagekampagne mfe Die im September lancierte und über ein Jahr laufen- de Kampagne hat bereits hohe Wellen geworfen. Eini- ge Kollegen fühlten sich von den stark überzeichneten Eröffnungsfilmen persönlich angegriffen. Diese thema- tisieren die Gefahr der unbestrittenermassen anzutref- fenden medizinischen Überversorgung und die Tatsache, dass Haus- und Kinderärzte weit über 90%der Fälle selbst­ ständig lösen können, effizient und kostengünstig. Tarif Die neueste Tarifversion ist auf Expertenebene (FMH, Cura- futura, MTK) zu Ende beraten, ihr vorläufiger Name lautet «Partnerschaftliche Tarifstruktur», und wird nun den ent- sprechenden Gremien zum Beschluss vorgelegt. Die Ärzte­ kammer hat ihr am 25. Oktober mit überwältigendem Mehr zugestimmt. Nun sind die Versicherer an der Reihe. Es geht jetzt nur noch um das Gesamtpaket, um Ja oder Nein, um Eigeninitiative und partnerschaftliche Eingabe an den Bundesrat oder um die Aufgabe des Projekts und Übertra- gung der Tarifkompetenz an den Bundesrat. Santésuisse ist nach wie vor nicht dabei. Die Spitäler H+ haben die Zusam- menarbeit aufgekündigt und werden eine eigene Schiene fahren, womöglich mit Santésuisse allein.  Referenzeinkommen und Betriebskosten wurden neu berechnet. Es kann niemanden erstaunen, auch nicht den Bundesrat oder den Preisüberwacher, dass sich das Preisniveau in den 25 Jahren seit der Berechnung von Tarmed nach oben verschoben hat. Korrekturen sind nötig, selbst wenn das politisch nicht opportun ist. Auch der Bundesrat hat sich an das Krankenversiche- rungsgesetz zu halten, welches Sachgerechtigkeit und Wirtschaftlichkeit einfordert.  Falls das Projekt von allen Tarifpartnern genehmigt wird, erfolgt die Eingabe an den Bundesrat zur Prüfung. Noch nicht zu Ende beraten ist das Regelwerk und da- mit der grosse Streitpunkt der Limitationen. Welche Pro- bleme die Limitationen bieten, konnte mfe anhand der Umfrage und der Rückmeldungen seiner Mitglieder gut aufzeigen (PHC: Limitationen – ein tarifpolitischer Sün- denfall: https://primary-hospital-care.ch/de/archiv/artic- le/doi/phc-d.2018.01826/). Was ist neu im neuen Tarifvorschlag «Partnerschaftliche Tarifstruktur»: • Aufhebung der halbierten letzten 5Minuten. Dafür erste 5 Minuten Konsultation bzw. Besuch als Markerposition und alle anderen Zeitleistungen im Minutentakt. • Separates Kapitel für hausärztliche Leistungen. • Neue Positionen für Palliative Care und für nicht-ärzt- liche Leistungen. • Neue Handlungsleistungen für die Untersuchungen; kleiner, mittlerer und grosser Status. • Dringlichkeitspauschale während der Sprechstunde. • Wegfall des Hausarztzuschlags (war eine Übergangs- lösung). • Kinderzuschlag neu bis 12 Jahre, weiterhin nur für pädiatrische Fachdisziplinen. • Wegfall der «Spezifischen Beratung». Der neue Tarif muss nur schon wegen der in den letz- ten 25 Jahren erfolgten Teuerung für die medizinischen Grundversorger zu einer Verbesserung der Abgeltung des Aufwandes (Löhne und Infrastruktur) sowie zu einer Anpassung des Arztlohnes nach oben führen. Die Aus- wirkungen können aber erst beurteilt werden, wenn der Tarif vom Bundesrat definitiv genehmigt ist. Return on Investment Was am Schluss davon übrig bleibt, ist zu Beginn un- bekannt. Der Aufwand ist enorm, er braucht Zeit und kostet Geld. Wir sind nach wie vor überzeugt, dass es diesen Einsatz braucht, um unsere Interessen zu vertei- digen. Erfolge sind schwierig zu erreichen, sie müssen erarbeitet und erkämpft werden. Und sie lassen sich aufzeigen. Die Verbände sind auf eure Unterstützung angewiesen, persönliche und finanzielle. Schwarzfah- rer sind unerwünscht. ■

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