KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 2/2018
FORTB I LDUNG 02 / 2018 K I N D E R Ä R Z T E . SCHWEIZ 28 Versorgungsmöglichkeiten Orthopädische Einlagen werden nach Mass gefertigt, somit sind die Versorgungsmöglichkeiten vielfältig. Im Folgenden sollen die gängigsten Einlagenarten kurz vorgestellt werden. Sensomotorische Einlagen Sensomotorische Einlagen (Abb. 1) sind langsohlige, flexible Korrektureinlagen, welche die propriozeptive Wahrnehmung beeinflussen. Dabei wird über senso- motorische Elemente auf den Muskel-Sehnen-Komplex eingewirkt (Box 1). Ergänzend wirken die sensomotori- schen Elemente mechanisch korrigierend auf die Rück- fussachse. Denn eine statische Positionsoptimierung kann eine Verbesserung der Dynamik nach sich zie- hen. Pyramideneinlagen Pyramideneinlagen (Abb. 1) nach D. Pomarino verdan- ken ihren Namen der pyramidenförmigen Struktur im Vorfuss. Sie werden zur Therapie von habituellen Ze- hengängern eingesetzt. Über das stufenförmige Ele- ment unter den Metatarsalen II bis IV wird ein Druck ausgeübt, welchen der Patient zu vermeiden sucht. Zu- sätzlich bewirkt die Erhöhung, dass das Aufrichten auf die Fussballen nur mit einem erhöhten Kraftaufwand möglich ist. Beide Faktoren führen dazu, dass das Kind vermehrt mit der Ferse auftritt. 3-Lappen-Einlagen Die 3-Lappen-Einlage (Abb. 2) kombiniert mechani- sche und sensomotorische Elemente. Wie bei den sen- somotorischen Einlagen kann durch Manipulation des Muskel-Sehnen-Komplexes die Muskelaktivität beein- flusst werden. Anhand der mechanischen Komponen- ten kann ein Pes adductus oder leichter Pes equinova- rus redressiert und somit ein dynamischeres Abrollen erzielt werden. DFO Die Dynamic Foot Orthosis (DFO) (Abb. 2) ist eine stabi- le Fussorthese mit guter Fersenfassung. Eingesetzt wird sie bei neuromuskulären Problemen oder zur Korrek- tur von Fussfehlstellungen bedingt durch Geburtsgebre- chen. Betroffene Kinder sollten zur weiteren Abklärung an einen Spezialisten überwiesen werden. OSSA OSSA (Abb. 2) steht für «Orthèse stabilisatrice sous-astragalienne», demzufolge eine Orthese zur Stabili- sierung des unteren Sprunggelenks. Die OSSA ist eine hochwandige, stark bis überkorrigierende Fussorthe- se, die aus Polypropylen mit Weichteileinsätzen gefer- tigt wird. Charakteristisch ist die starke Supination der Ferse. Eingesetzt wird sie vorwiegend bei ausgepräg- Einlagen bei Kindern aus Sicht der Orthopädietechnik DIANA TISCHHAUSER, MSC ETH, BEWEGUNGSWISSEN- SCHAFTLERIN, ORTHO- TEAM PARTNER AG, WINTERTHUR MARTIN SAUDER, ORTHOPÄDIST/CPO, GESCHÄFTSFÜHRER, ORTHO-TEAM PARTNER AG, WINTERTHUR Korrespondenzadresse: diana.tischhauser@ ortho-team.ch Der 5-Jährige kommt auf den Zehenspitzen angerannt, der Teenager klagt über Knie- schmerzen und die 2-Jährige zeigt ein innenrotiertes Gangbild. Bei welchem dieser Kinder sind Einlagen indiziert, wo braucht es mehr als das und wann muss nach einer Alternative gesucht werden? Eine Frage, die Eltern, Ärzte, Therapeuten und Orthopädietechniker wohl gleichermassen beschäftigt. Im Folgenden sollen Überlegungen, Ansätze und Möglich keiten, diese Frage zu beantworten, aufgezeigt werden. Wirkungsweise: Das Ziel der sensomotorischen Einlagen ist es, eine Korrektur zu bewirken, ohne Schmerzen zu verur- sachen oder den Fuss in seiner Beweglichkeit ein- zuschränken. Einlagen bringen den Fuss in eine physiologische Ausgangsposition und über die senso- motorischen Elemente können gezielt die Wirkungs- hebel der Muskulatur verändert werden. Das ZNS reagiert auf diese Längenänderung mit Spannungs- anpassungen in der Muskulatur. Box 1: Wirkungsweise sensomotrischer Einlagen. Abbildung 1: links: sensomotorische Einlage, rechts: Pyramideneinlage.
RkJQdWJsaXNoZXIy MjYwNzMx