KINDERÄRZTE.SCHWEIZ 2/2018

02 / 2018 FORTB I LDUNG K I N D E R Ä R Z T E . SCHWEIZ 25 K inder, die einwärts oder auswärts laufen, X-Beine oder O-Beine oder auch eine Kombination die- ser Auffälligkeiten aufweisen, erwecken die Besorgnis vieler Eltern. Diese sind mit die häufigsten Anlässe für eine Konsultation in der kinderorthopädischen Sprechstunde.  Beinachsen und Torsionen durchlaufen während der Entwicklung charakteristische Veränderungen. Daher ist es lohnenswert, sich mit dieser Entwicklung genauer zu befassen, um pathologische Formen abgrenzen zu kön- nen. Einwärts- und Auswärtsgang Bei der klinischen Beurteilung des Einwärts- bzw. Aus- wärtsganges muss die Ursache imWesentlichen auf drei Ebenen gesucht werden: • Hüfte: femorale Ante-/Retrotorsion • Unterschenkel: tibiale Torsion • Fuss: z. B. Vorfussadduktion, Knicksenkfuss Ursache auf Hüftebene: Eine erhöhte femorale Antetorsion (=Verdrehung der Schenkelhalsebene im Verhältnis zur Kniekondylen­ ebene) führt zu einer kompensatorischen Innenrotation des Femurs beim Laufen und somit zum Einwärtsgang. Bei der Betrachtung des Gangbildes zeigt sich eine Ein- wärtsrotation der Patella (=Kneeing-in) sowie der Füs- se (=Toeing-in). Die femorale Antetorsion unterliegt im Laufe des Wachstums in der Regel einer charakteris­ tischen Entwicklung (Abbildung 1).  Bei der Geburt beträgt die durchschnittliche Antetor- sion etwa 30°. Im Laufe des Wachstums bildet sie sich bis auf zirka 15° zurück.  In der klinischen Untersuchung kann Antetorsion re- lativ einfach und genau bestimmt werden. Dabei ertas- tet der Untersucher beim liegenden Patienten den Tro- chanter major und rotiert die Hüfte so weit nach innen, bis der Trochanter lateral maximal prominent tastbar ist (Abbildung 2).  In dieser Position entspricht der Winkel der Unter- schenkelachse zur Senkrechten der femoralen Antetor- sion. Die Rotationsfähigkeit der Hüfte ist indirekter Aus- druck des Ausmasses der Antetorsion. Nach Gehbeginn ist bei erhöhter Antetorsion die Innenrotationsfähigkeit erhöht. Bei einer Retrotorsion der Hüfte (=pathologi- sche Torsion des Schenkelhalses gegenüber der Knie- kondylenebene nach dorsal) ist sie erniedrigt. Eine ver- minderte femorale Antetorsion oder Retrotorsion kann zum Auswärtsgang führen und bedarf einer weiteren or- thopädischen Abklärung, da eine Spontankorrektur aus- bleibt und dies ein Risiko für eine frühzeitige Arthrose darstellt. Asymmetrien beim Laufen gelten ebenfalls als auffällig und sind je nach Ausprägung weiter abklärungs- bedürftig. Kindliche Beinachsen und Torsionen Nützliches Wissen für die Praxis DR.MED. BERNHARD SPETH OBERARZT KINDER- UND NEUROORTHOPÄDIE UNIVERSITÄTS-KINDER­ SPITAL BEIDER BASEL, KONSILIARARZT KINDER­ ORTHOPÄDIE KANTONS­ SPITAL AARAU PD DR. MED. CARLO CAMATHIAS LEITENDER ARZT ORTHO- PÄDIE, UNIVERSITÄTS- KINDERSPITAL BEIDER BASEL Korrespondenzadresse: Bernhard.Speth@ukbb.ch Abb. 1: Entwicklung der femoralen Antetorsion. Abb. 2: Klinische Untersuchung der femoralen Antetorsion.

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