HESS - 1882-2007

69 Die Produktionsumstellung von geschweisster auf geschraubte Konstruktion erfolgte für den Schweizer Markt gewissermassen als «by-product». Das erste Fahrzeug erhielt der Stadtbusbetreiber Roth in Chur. Schon bald wurden aber alle Aufträge nur noch in CO-BOLT®-Bauweise abgewickelt. Die Carrosserie Tüscher erkannte auf Anhieb die Vorteile dieser Konstruktion und übernahm noch im gleichen Jahr unsere Baulizenz als loyaler Partner. R+J bevorzugte die Schiene der Konkurrenz mit einer Eigenentwicklung mit «Münchenstein» Aluwerke. Als Unterbau bot sich jedes Fahrgestell an. Für den Schweizer Markt wurde auf folgenden Typen verbaut: MAN 10.180HOCL, 11.190HOCL und NGT204F, Mercedes O303, O305, O405, O405G und O530, NAW BH2, BH4, BU5, BGU, BT, BGT, BGTN und BF, Scania L94UB, L94UA, N94UB, N94UA, KUB, NUB und NUA, Volvo BCBLE B7L, B10L, B10M, B10R und B12BLE. Unter den Kunden befinden sich die unterschiedlichsten Betriebe: Postautodienst (Regie und Postautohalter) und Verkehrsbetriebe (z.B. Genève, Fribourg, Neuchâtel, La Chaux-de-Fonds, St.Gallen, Schaffhausen, Zug, Luzern, Chur, Aarau, Winterthur, Olten, RTB, Schleitheim, Solothurn, Bern, Zürich, Horgen, Wädenswil, Bleniotal). Rezession der 1990er-Jahre auf dem Busmarkt Ende der 80er führte die Angebotsverbesserung im Rahmen des Verkehrskonzeptes «Bus+Bahn 2000» zu einer extremen, kurzfristigen Nachfrage nach Bussen. Die Ernüchterung im öffentlichen Verkehr – teils die Erkenntnis, dass nicht benötigte Leistungen angeboten wurden, teils die zurückgehende Konsumation der Leistungen infolge der mittlerweilen einsetzenden allgemeinen Rezession – führte bald zu einem grossen Fahrzeugüberhang bei den Transportbetrieben und dementsprechend zu einem Beschaffungsstopp für Neufahrzeuge. So fehlten den Produktionsfirmen die Aufträge zu einer genügenden Auslastung; bei den historischen Konkurrenten FrechHoch und Ramseier+Jenzer war die Einstellung der Busproduktion die Folge. In den Jahren 1992 und 1993 verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage weiter. Bei sehr vielen Busbetrieben war nun tatsächlich für Investitionen kein Geld mehr vorhanden. Vor allem die von Gemeinde, Stadt, Kanton oder Bund geführten Unternehmungen spürten drastisch die Mindereinnahmen bei den Steuern. Dementsprechend schwieriger realisierbar wurden Beschaffungsvorhaben, auch für dringend benötigtes Rollmaterial. Logischerweise verschärfte sich aber gleichzeitig der Wettbewerb unter den Anbietern. Der Druck, vor allem preislich, aber auch qualitätsmässig «richtig» zu liegen, wurde für die Hersteller sehr gross. Veränderungen beim Grosskunden Post Der Bundesbetrieb PTT wurde in dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit einer Umstrukturierung unterzogen. 1989 war die Entflechtung der verschiedenen PTT-Sektoren (Post, Telefon, Telegraf) beschlossen worden. 1998 wurde die Telecom, heute Swisscom, schliesslich vom übrigen Postbereich abgetrennt. Mit der Neustrukturierung verschwand dann die Möglichkeit der Quersubventionierung: Bis dahin hatte der oft defizitäre Postautobereich regelmässig Geld aus rentableren Postabteilungen erhalten. Zudem wurden die Postautos 1995 dem revidierten Eisenbahngesetz unterstellt, also dem übrigen öffentlichen Verkehr auf Schiene und Strasse gleichgestellt. Die Folge daraus ist, dass die Kantone ihre Transportbedürfnisse heute mit der Post absprechen und allfällige Defizite übernehmen müssen. Vorher war allein die Post für die roten Zahlen der gelben Busse aufgekommen. Busse Oben: Kom 7556, einer von zahlreichen Bussen für GFM in Fribourg (später TPF). Aufnahme anlässlich der ordentlichen Abnahme mit Kunde und BAV im Werk Bellach.

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